Spanische Nacht unterm Königsbanner

Zum Abschluss der Konzertsaison hat Generalmusikdirektor García Calvo die Zuhörer in sein Heimatland entführt. Vor allem ein populäres Gitarrenstück begeisterte das Publikum.

Es war eine am Ende rauschende Liebeserklärung an sein Heimatland: Unter einer riesigen spanischen Flagge mit dem Königswappen verordnete Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo der Robert-Schumann-Philharmonie, deren Damen mit roter Blume im Haar auf die Bühne kamen, und dem Publikum eine spanische Nacht.

Ein Stück durfte dabei nicht fehlen. Joaquín Rodrigos "Concierto de Aranjuez" für Gitarre und Orchester ist eine der populärsten Kompositionen des Landes. Ihre einfühlsame Kraft erreichten die anderen Werke des Abends nicht immer. 1940, ein Jahr nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs, in Barcelona, der Hauptstadt des Widerstands gegen die Franco-Faschisten, uraufgeführt, verarbeitet der in der Kindheit fast vollständig erblindete Komponist darin persönliche Erlebnisse, die für ihn mit den königlichen Gärten verbunden waren: Spaziergänge mit seiner zukünftigen Frau, die Totgeburt ihres ersten Sohnes, die den berühmten zweiten Satz, das Adagio, bestimmt. Der spanische Gitarrist Rafael Aguirre geht nach virtuosem Beginn, bei dem die Gitarre eher Teil des Orchesters ist, ganz im Klagegesang des zweiten Satzes auf. Einsam und verloren klingen die Saiten, atemberaubend die Stille im ausverkauften Großen Saal der Stadthalle - ein lyrisches Kleinod, aus dem Unglück, Zerrissenheit und Sehnsucht über das Persönliche hinaus strahlen. Sinnbild des Menschseins, wie es Federico Garcia Lorca, der von den spanischen Faschisten ermordete Dichter, beschrieben hatte: "Unser Leben ist der Fluss, der sich ins Meer ergießt, das Sterben heißt."

Aber es wird auch gefeiert. Der Franzose Emmanuel Chabrier hat in seinem 1883 erschienenen Werk "Espana" dem Land eine schmetternde Liebeserklärung geschrieben, die die Schumann-Philharmonie ebenso lustvoll umsetzt, wie die "Suite espanola" von Isaac Albéniz (1860 bis 1909), der unter anderem in Leipzig studierte und den Landschaften Spanien an regionalen Volkstänzen orientierte musikalische Denkmale setzte. Einem Baudenkmal, der Giralda in Sevilla, ist die "Fantasia sevillana" für Harfe und Orchester, ebenfalls von Rodrigo, gewidmet, die Soloharfenistin Helke Scheibe gefühlvoll als eine behutsame Annäherung an das Minarett der zur Kathedrale umgebauten ehemaligen Moschee interpretiert. Joaquín Turinas "Sinfonia sevillana" fängt die musikalische Tradition Andalusiens ein. Am Ende gab es anhaltenden Applaus für eine gelungene Konzertsaison.

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