Spaziergang auf Pfaden der Stadtgeschichte

Für die industrielle Entwicklung von Limbach-Oberfrohna interessieren sich auch jüngere Leute. Eine Schule bekommt dabei eine besondere Aufmerksamkeit.

Limbach-Oberfrohna.

In einem Mix aus Musemsbesuch und Stadtrundgang wurde in Limbach-Oberfrohna am Wochenende eine Exkursion durch die Stadtgeschichte unternommen. Dass das nicht nur ein Termin für reifere Experten ist, zeigt ein Angebot des 18-jährigen Abiturienten Marvin Müller und des 30-jährigen Maschinenbau-Projektentwicklers Daniel Polster.

Als Mitglieder des Fördervereins des Esche-Museums gestalten sie einen Stadtspaziergang zur Stadt- und Industriegeschichte. Dessen Grundlage bilden ihre Recherchen zu den Schauplätzen, an die sie ihre Gäste beim Rundgang führen. Damit sich die Besucher das frühere Aussehen von Orten, die sich stark verändert haben, besser vorstellen können, arbeiten die jungen Männer auch mit historischen Aufnahmen. Neben den Esche-Gebäuden erinnern sie etwa an die Firma Conradi & Friedemann, die mit ihrem 1902 im amerikanischen Chicago vorgestellten Handschuh aus Limbach für Schlagzeilen sorgten. Zudem rücken sie die frühere Fabrik Schaarschmidt ins Blickfeld, die einst rund 800 Menschen Arbeit und Brot gab. Nicht weniger prägend sind aus Sicht von Müller und Polster die Nähmaschinenfachleute der Müller & Franke AG gewesen, die Nadeln und Platinen herstellten.

Der Stadtspaziergang profitierte auch vom im Vorfeld angebotenen Rundgang durch das Esche-Museum. Dort hatte sich Museumspädagogin Gabriele Pabstmann in einem Vortrag der Geschichte einer besonderen Schule zugewendet. "Unsere Wirkschule war die erste Fachschule ihrer Art in der Welt. 1869 eröffnet, liegt ihre Gründung in diesem Jahr 150 Jahre zurück", so Pabstmann. Der Aufbau einer solchen Bildungsstätte war, so erklärt es die Pädagogin, auch eine Reaktion auf die technische Entwicklung dieser Zeit. Denn in den Betrieben wurden zunehmend mehr gut ausgebildete Mitarbeiter gebraucht. Die Meister und Stadtväter sind sich laut Pabstmann dessen bewusst gewesen und hätten sich um die Einrichtung einer solchen Ausbildungsstätte gekümmert. Nach Aussage von Pabstmann ist mit den im Rahmen eines Besuchs von Sachsenkönig Johann 1867 eingesammelten Geldgeschenken von 113 Limbacher Einwohnern ein Betrag von 7000 Talern zusammengekommen. Damit konnte die Gründung der Lehranstalt realisiert werden. Sie erlangte einen so guten Ruf, dass Schüler aus Amerika, Frankreich, Russland, England und der Schweiz zu ihr kamen. Der damalige Direktor der Wirkschule, Gustav Willkomm, sorgte dafür, dass es für die Schüler eine entsprechende theoretische Ausbildung gab. Aber auch an den Erfinder Heinrich Mauersberger wurde erinnert, zu dem es im Esche-Museum derzeit eine Sonderschau gibt. Mit seinem Wirken ist der Begriff Malimo verbunden; ein spezielles Verfahren zur Textilherstellung. Dietrich Klein, 77-jähriger Ingenieur, konnte zum Rundgang als Zeitzeuge über Begegnungen mit Mauersberger berichten. Er habe ihn als klugen Kopf und sozialen Mann erlebt. Für den 78-jährigen Manfred Gumprecht, der lange in Textilbranche tätig war, ist es wichtig, an die Industriehistorie zu erinnern. Denn wie er meint, könne man darauf stolz sein.

Service: Führungen zur Bergbauhistorie in Limbach-Oberfrohna gibt es im Besucherbergwerk "St. Anna Fundgrube", Zur Papierfabrik 10, in Wolkenburg am 3. Oktober von 10 bis 16 Uhr,

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