Stadion bekommt alten Namen zurück

Der neue Pächter hat eine Jury über die Bezeichnung für die Spielstätte des CFC abstimmen lassen. Mit dem Ergebnis sind auch die Fans zufrieden - wenngleich sie den neuen Namen kaum verwenden.

Das Stadion an der Gellertstraße in Chemnitz heißt jetzt auch offiziell "Stadion - An der Gellertstraße". Seit Juli dieses Jahres wird die städtische Immobilie und Spielstätte des insolventen Regionalligisten Chemnitzer FC nicht mehr vom Verein, sondern von der GGG, der Chemnitzer Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft gepachtet. Das Recht der Namensgebung ging damit an die Wohnungsgesellschaft über. Fünf Monate dauerte es, bis eine eigens einberufene Jury die neue Bezeichnung gefunden hatte.

Damit heißt das Stadion wieder so, wie es von 1990 bis 2016 schon einmal hieß - nur die Schreibweise hat sich geändert. Es werde bald ein neues Logo für das Stadion geben, auf dem der Beiname "An der Gellertstraße" als eigener Schriftzug steht, erläuterte GGG-Sprecher Erik Escher. "Sollte sich später mal eine Firma als Namenssponsor für das Stadion finden, bleibt dieser Beiname bestehen. Darauf haben vor allem die Vertreter der Fanszene bestanden." Das neue Logo solle allerdings in erster Linie für Schriftverkehr und Marketing verwendet werden - das große CFC-Logo am Stadion bleibt, wie Escher betonte: "Da wollen wir nicht ran."

Neben Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern der GGG waren auch Stadtsportbund-Chef Heiko Schinkitz und Ralf Schulze als Vertreter des Stadionvermarkters C3 in der Jury, die von Mitgliedern der Fanszene des Chemnitzer FC ergänzt wurde. "Stadion - An der Gellertstraße" habe sich sehr schnell durchgesetzt, sagte Peggy Schellenberger, Fanbeauftragte des Regionalligisten. "Wir waren sofort dafür, es gab aber auch keine wirklich guten Alternativen", sagte sie. "Einfach nur Stadion Chemnitz hatte für uns als Fans zu wenig Bezug zur Tradition des CFC. Altgediente Spieler oder Fanlieblinge aus Chemnitz gibt es zwar, die leben aber alle noch. Und wir wollten niemandem schon zu Lebzeiten huldigen."

Schnell erledigt hatte sich auch der von vielen Fans favorisierte und umgangssprachlich genutzte Name "Fischerwiese" - angelehnt an das Dr.-Kurt-Fischer-Stadion. Diese Bezeichnung wurde von 1950 bis 1990 verwendet, die Stadt ehrte damit den ehemaligen kommunistischen DDR-Politiker und sächsischen Innenminister. "Da Kurt Fischer ein politisch umstrittener Mann war und ist, fiel diese Option schnell weg", sagte GGG-Sprecher Escher. "Wir wissen aber natürlich, dass die Fans den Begriff Fischerwiese weiter als eine Art Kosename verwenden."

Also blieb nur der regionale Bezug, und dass der gefunden wurde, freute die GGG-Geschäftsführerin Simone Kalew. "Der Jury war es wichtig, einen Namen für das Stadion zu finden, der in der breiten Öffentlichkeit Akzeptanz findet und sowohl dem traditionsreichen Fußball in Chemnitz als auch der Nutzung als Veranstaltungsort für verschiedene Ereignisse Rechnung trägt", sagte sie.

Eine Reaktion zu dem neuen Namen für seine Heimspielstätte gab es von Seiten des Chemnitzer FC auf Anfrage von "Freie Presse" nicht. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hatte vor einiger Zeit vorgeschlagen, das Stadion in "Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness" umzubenennen.


Kommentar: Kurz wäre besser

Seit dem Sommer hat sich die GGG als neuer Pächter des Chemnitzer Stadions in geheimnisvolles Schweigen gehüllt, wenn nach dem neuen Namen für die ehemalige Community-4-you-Arena gefragt wurde. Man berate sich, hieß es - das ließ Großes vermuten. Ballack-Arena vielleicht. Oder Erwin-Helmchen-Tempel - im Gedenken an den grandiosen Torschützenkönig der Chemnitzer.

Dass am Ende nur die Adresse des Grundstücks, auf dem das Stadion steht, als Name dient, ist zwar irgendwie langweilig, aber so bleibt immerhin noch Nostalgie. Denn das Stadion hieß zu sportlich besseren Zeiten ja schon mal so. Allerdings ist der Name auch recht sperrig und zudem zu lang. Warum nicht einfach "Stadion Chemnitz"? Das ist kurz, klar und lässt sich besser vermarkten. Die Fans gehen ohnehin weiter auf ihre Fischerwiese. Wie das Stadion offiziell heißt, ist ihnen egal.

Oder man hätte Mut gezeigt und sich mit einem außergewöhnlichen Namen ins Gespräch gebracht. Vorschlag für einen Stadionnamen von mir: Die "Bähre" - für Kult-Kicker Jürgen Bähringer. Vielleicht kommt die Jury nach diesem Vorschlag ja noch einmal zusammen.

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