Stadtgeflüster : Ein Chemnitzer radelt im "Supertalent"

Fahrradtricks auf dem Tisch von Dieter Bohlen, Familienspaß am großen Lenkrad und Abschied von der langen Lehrzeit.

Hannes Herrmann (Foto), sechsfacher Deutscher Meister im Trial-Fahren, ist Dieter Bohlen auf den TV-Jurorentisch gesprungen. In seiner Sportart beweist der Chemnitzer Geschicklichkeit auf dem Fahrrad. Und weil er auf zwei Rädern ganz besondere Kunststückchen drauf hat, wurde er jetzt in die Fernsehsendung "Das Supertalent" eingeladen. Ja, die TV-Macher waren es, die den Sportler zu einer Teilnahme ermunterten. Selbst beworben hätte sich Hannes Herrmann nämlich nicht. Stehenden Applaus heimste er anschließend ein. Und Bohlen konnte endlich wieder sein Lieblingswort ins Mikro flöten: "Hammermäßig" sei Herrmanns Show gewesen, urteilte er. Und der Rest der Jury? Model-Coach Bruce Darnell fand den Auftritt des Chemnitzers so: "Es ist gefährlich, und du hast ein breites Grinsen im Gesicht. Das sah mega aus. Super Show, hat mir sehr gut gefallen." Ex-Kicker-Gattin und Moderatorin Sylvie Meis lobte: "Du hast das Theater sehr gut genutzt für dich, hast die Show spektakulär gemacht. Ich hatte richtig Angst." Im Dezember entscheidet die Jury, wer sich den Titel der Sendung anheften kann. Ob Hannes Herrmann sich dann noch mal der Jury stellt, hat er noch nicht entschieden. Denn er ist auch ohne die Auszeichnung "Supertalent" schon deutschlandweit gebucht.

Daniela Anis (Foto), Schneidermeisterin und Textiltechnikerin, will auf dem Brühl einen sogenannten Konzeptstore eröffnen. In dem von ihr durchdachten Geschäft soll es künftig Mode aus skandinavischen Designstuben und stilvolle Wohnaccessoires geben. Das hat hier noch gefehlt, findet die 29-Jährige. In den vergangenen Wochen war sie viel unterwegs, zum Beispiel im hippen Berlin, um zu schauen, wie ihr Laden den richtigen Look bekommen könnte. Einen verrückten Namen hat sie schon gefunden: The Ginger Club soll die Boutique heißen. Weil das geheimnisvoll klinge und zu ihrer Haarfarbe passe. In Großbritannien werden Rothaarige als Ginger, deutsch: Ingwer, benannt. Daniela Anis weiter: "Es wird gerade der Betonboden gegossen, dazu gibt es graue Wände, schwarze Regale und freiliegende Rohre - in dem Industriestil wirken Mode und Co am besten", findet sie. Für den Brühl-Standort entschied sie sich nicht nur, weil das Fleckchen Chemnitz schwer im Kommen ist. "Auch, weil ein paar Meter weiter Freundinnen von mir ein Café eröffnen", freut sich die seit 15 Jahren in Chemnitz lebende Frau auf Kaffee und Kuchen während der Arbeitszeit. Apropos: Zunächst wird sie ihr Geschäft nur nachmittags öffnen. Bis der Laden richtig läuft, arbeitet sie weiterhin halbtags in einem großen Modeunternehmen. Eröffnung ist im November geplant.

Jan Stendike, Kraftfahrer, mag die ganz großen Kisten. Wenn er in seinen fast elf Tonnen schweren Laster der bis 2011 in Russland gebauten Reihe Zil-131 einsteigt, dann ist seine Geschicklichkeit gefragt. Denn der Chemnitzer ist ebenfalls Trial-Pilot. Er zeigt die Kunststückchen aber nicht auf dem Fahrrad, sondern am Steuer des vierrädrigen Riesenlasters. Nach sieben Rennen in Deutschland, Österreich, Tschechien und Frankreich steht nun fest: Jan Stendike ist der Internationale Meister der Wettkampfserie - bereits zum dritten Mal in Folge. Das macht ihm so schnell keiner nach? Doch, sein Sohn. Der 26-jährige Michael hat das nämlich auch geschafft, allerdings in einer anderen Wertungsklasse und mit einem anderen Fahrzeug. "Das Hobby verbindet uns", freut sich Jan Stendike, der beruflich auch auf dem Bock sitzt und Schüttgut transportiert. Auch sein jüngerer Sohn will mit zwölf Jahren schon mitmischen. Ist für das Abenteuer am Lenkrad aber noch zu jung. Drei Jahre muss er noch warten, bis er Papa und Bruder begleiten kann. "Derweil helfe ich eben beim Aufbau", verkündete er am Donnerstag. Denn die Trucks pflegen die Stendikes in Eigenleistung, da wird mal hier, mal dort geschweißt, Freunde packen auch mit an. Alleine absolviert Jan Stendike die Wettbewerbe nicht. "Mein Beifahrer Sven Schumann ist immer dabei. Momentan liegt er aber leider im Krankenhaus", so Stendike. Mit dem Sport habe seine Erkrankung aber nix zu tun.

Ulrike Brummert (Foto, oben), Rudolf Boch und Bernd Hofmann (Foto, unten), allesamt langjährige Professoren an der Chemnitzer Uni, haben jetzt ihre Dienstzeit an der Einrichtung beendet. Rektor Gerd Strohmeier verabschiedete die Lehrstuhlinhaber mit allen Ehren und Blümchen. Was die drei Professoren verband: Sie waren länger als 20 Jahre als Hochschullehrer an der Technischen Uni, Hofmann sogar ein Vierteljahrhundert lang. Er hat drei Bücher und rund 150 Fachartikel veröffentlicht und wurde mit dem eurasischen EAIP Award zur Lösung mathematischer Probleme ausgezeichnet. Die Kulturwissenschaftlerin Ulrike Brummert kurbelte derweil immer wieder die Zusammenarbeit der Uni mit den Kunstsammlungen, der Oper, dem Schloßbergmuseum und der Lila Villa an. Den Kontakt will sie auch während ihres nun beginnenden "Forschungsfreisemesters" halten. Auch der Wirtschafts- und Sozialgeschichtsforscher Rudolf Boch hält der Stadt die Treue. Noch bis April 2020 leitet er ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Chemnitzer Uni. Dafür untersucht er die Frühgeschichte der deutschen Sozialdemokratie in den Wahlkreisen in und um Chemnitz.

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