Stadtgeflüster : Regierungs-Chef sorgt für Irritationen

Ein Fauxpas während der Eröffnung, die kalte Seite der Profi-Athletin und ein besonders großer Auftritt in China.

Egmont Elschner, Kulturbeirat der Stadt Chemnitz, bekam den meisten Applaus. Er begrüßte neben Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bürgermeister Miko Runkel die Besucher der Eröffnung zu den Tagen der jüdischen Kultur. Gefeiert wurde der Anlass in den Kunstsammlungen, eine Ausstellung mit Grafiken des jüdischen Künstlers Max Liebermann gleich noch mit eröffnet. Elschner jedenfalls nutzte den Abend, um ein Statement zum Thema Heimat abzugeben. Den Begriff würden nämlich nicht nur Patrioten auf ihren Demos für sich verwenden, sondern auch Kunstfreunde, Religiöse, Weltoffene. "Wir möchten unsere Heimat eben gern mit anderen teilen und sie nicht hinter Grenzen oder Zäunen verschanzen", sagte er und erntete ein zustimmendes Klatschen. Der Ministerpräsident, später dran mit seiner Rede, sorgte derweil für Irritationen. "Wir werden am 5. März beschließen, die jüdischen Gemeinden in Sachsen besser zu unterstützen", sagte er. Gute Idee, meinten viele, nur sprach er das Vorhaben eben am 9. März aus. "Da hat wohl einer die Rede schon paar Tage im Schubkasten liegen gehabt", sagte ein Besucher der Eröffnungsveranstaltung und schüttelte den Kopf.

Anja Rücker, Weltmeisterin im 400-Meter-Staffelsprint, will die Chemnitzer fit machen. Und dazu dreht sie gehörig am Temperaturregler. Die gebürtige Thüringerin, die seit vielen Jahren in Chemnitz lebt, betreibt seit diesem Jahr ein Sportstudio mit Eissauna. Die funktioniert ähnlich wie die bekannte Hitzekammer, nur eben mit deftiger Kälte. Minus 85 Grad herrschen in der Kabine. Damit dürfte das Studio an der Clausstraße, wo die Eissauna steht, einer der kältesten Orte Sachsens sein. Wer reingeht, hält es erst mal gerade drei Minuten im drei Quadratmeter kleinen Raum aus. Ohren- und Mundschutz, Handschuhe, gefütterte Schuhe - all das muss vorher übergestreift werden, damit bei der Behandlung auch ja nichts abfriert. Was das bringen soll? Die Wirkungsweise beruht auf der plötzlichen, schockartigen Abkühlung der Haut. Anja Rücker erklärt: "Die Temperatur der Hautoberfläche des Patienten wird gesenkt und die Rezeptoren werden stimuliert. Schmerzpatienten profitieren beispielsweise von der entzündungshemmenden Wirkung. Somit unterbricht die Kälte die Schmerzrezeptoren." Der Körper mobilisiert durch den Kälteschock zudem Abwehrkräfte, die Ausschüttung von Endorphinen fördert den Heilungsprozess, das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Anja Rücker, die 1997 in Athen den Weltmeistertitel ersprintete, kennt die Kältetherapie noch aus ihrer aktiven Athletenzeit. "Inzwischen ist die Behandlung jedoch nicht mehr nur Hochleistungssportlern oder Klinikpatienten vorbehalten."

Nancy Gibson, Leiterin der städtischen Musikschule, hat einen aufregenden Ausflug hinter sich. Gemeinsam mit Musiklehrern begleitete sie das Ensemble "Rock 'n' Strings" ins englische Leeds. Die Schüler und ihre Begleiter rührten dort die Werbetrommel für die Chemnitzer Kulturszene. "Natürlich haben sie das auch mit Blick auf die Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025 gemacht", so Nancy Gibson. Am Freitag klopfte sie mit ihren Schülern zudem an der Tür des Rathauses in Leeds an. Dort empfing sie der Lord Mayor of Leeds, Graham Latty, mit seiner Gattin. Der Bürgermeister zeigte sich so begeistert vom Können der Chemnitzer, dass er wie ein richtiger Fan für ein gemeinsames Foto mit den Musikschülern um die Wette lächelte. Auftritte gab es noch mehr: unter anderem in Schulen der Stadt in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire. Im April gibt es dann den Gegenbesuch. Dann kommen die britischen Nachwuchsmusiker nach Chemnitz.

Simone Pitsch, Leiterin der Fachschule Medicampus für Gesundheitsberufe, ist erneut nach Asien gereist. Seit einigen Jahren schon knüpft sie regelmäßig Kontakte zu Regierungsvertretern, Medizinern und Ausbildern auf dem Kontinent. Unter anderem reiste sie bereits mehrfach nach Vietnam, um dort Kooperationen einzugehen. Diesmal war China das Reiseziel. Gemeinsam mit Volkmar Meinhold, dem Geschäftsführer der Fortbildungseinrichtung F+U Sachsen, landete sie in Peking und in anderen chinesischen Millionenstädten, um im Reich der Mitte das duale Ausbildungssystem in der Altenpflege vorzustellen und später auch dort zu etablieren. "Wir haben Colleges besucht, in denen bis zu 18.000 Studenten die Schulbank drücken. China ist ein außergewöhnliches Land mit unglaublichen Dimensionen", zeigte sich Simone Pitsch nach ihrer Rückkehr beeindruckt. Und während sich die Chemnitzerin kulinarisch auf die Geschmacksrichtungen der Chinesen einließ, - "das Essen schmeckt entweder scharf oder sehr scharf" -, brachte sie den Asiaten ihrerseits ein Stück europäische Schuhkultur näher. Obwohl die hochgewachsene, blonde Chemnitzerin in China schon wegen ihrer Größe herausragte und die meisten ihrer Gesprächspartner locker einen Kopf übertrumpfte, sorgte sie dort extra noch mit chinaflaggenroten hohen Schuhen für Aufsehen.

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