Stillstand am Pavillon auf der Schloßteichinsel

Ursprünglich sollte die Freiluft-Bühne schon im Juni fertig saniert sein. Doch gemacht ist nur das Dach. Am fehlenden Geld liegt der Baustopp nicht.

Schloßchemnitz.

Die Euphorie war groß. Nachdem 2014 die Idee entstanden war, den verfallenen Pavillon auf der Schloßteichinsel wieder schick zu machen und mit Leben und Kultur zu füllen, ist viel passiert. Die beiden Initiatoren des Projekts, Ronny Uhlig und Hendrik Gransee, engagierten sich, gründeten eine Bürgerinitiative, mobilisierten Stadträte und sammelten weitere Verbündete. Im Januar 2018 beschloss schließlich sogar der Stadtrat ein Nutzungskonzept für den Pavillon, als Ort für Kleinkunst und private Feiern. Im Herbst 2017 begann die Sanierung des Pavillons. Gransee und Uhlig hatten dafür 17.000 Euro Spenden gesammelt und der Stadt übergeben. Insgesamt waren 191.000 Euro für das Projekt veranschlagt worden, davon 145.000 Euro Fördermittel. Im Juni 2018 sollte die Sanierung abgeschlossen sein.

Soweit der Plan. Doch seit Monaten steht nicht einmal mehr ein Gerüst am Pavillon. Saniert wurde bisher nur das Dach. Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilte, wurden die Sanierungsarbeiten an der Bühne Anfang des Jahres öffentlich ausgeschrieben. Ein Teil dieser Leistungen konnte beauftragt werden. Doch da sich keine Firma an der Ausschreibung zu den Bauhauptleistungen beteiligt habe, musste die Vergabe aufgehoben werden, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Derzeitig liefen die Vorbereitungen für eine erneute Leistungsausschreibung für die beiden Bauteile Bühne und Seitenflügel. Zu einem Zeitplan kann sich die Stadtverwaltung noch nicht äußern. Es deutet aber alles darauf hin, dass der Pavillon in diesem Jahr nicht mehr fertig wird.

Die Euphorie ist darum bei Hendrik Gransee mittlerweile gedämpft. Seine Hoffnung richte sich auf 2019. Dann werde der Pavillon hoffentlich fertig sein. Aus der Idee, das Kleinod auf der Schloßteichinsel zum Stadtjubiläum 2018 wieder in Betrieb zu nehmen, wird nun nichts mehr. Es sei heute ein allgemeines Problem, dass die Bauwirtschaft nicht genügend Leute hat und Auftraggeber nur schwer Firmen und Handwerker finden. Er versuche, sich nicht über den Stillstand aufzuregen, so Gransee. Aber nur stoisch abwarten kann er dann doch nicht. Seit vier Jahren kämpfte die Bürgerinitiative für den Musikpavillon. "Das Projekt wurde von der Verwaltung immer wieder hinten angestellt", sagt er, obwohl eine zeitnahe Lösung möglich gewesen wäre. "Vor zwei bis drei Jahren hätte man das Problem der fehlenden Bauleute und steigenden Kosten wahrscheinlich nicht gehabt", schätzt Gransee. Die Behörden seien einfach zu langsam. "Die Welt dreht sich schneller als die Verwaltung", so Gransee. Die Sanierung werde jetzt sicherlich teurer, aus den geplanten 191.000 Euro könnten leicht 300.000 Euro werden, vermutet er.

Noch etwas sorgt bei ihm für Frust: Seit über einem Jahr habe die Bürgerinitiative keine Rückmeldung aus dem Grünflächenamt zum Stand des Projekts erhalten. "Was ist das für eine Kommunikation, wie wird da mit dem so oft eingeforderten Bürgerengagement umgegangen?", fragt Gransee.

Die Schloßteichinsel lässt Gransee trotzdem nicht los. Am Mittwoch war er Teil einer Gruppe, die den Müller-Zipper-Brunnen auf der Insel reinigte. Der Zustand des Brunnens sei eine Katastrophe, so Gransee. "Dort sieht es aus wie Kraut und Rüben." Das Becken sei voller Müll und Glasscherben, die umlaufenden Beete zertrampelt, die Pflanzen eingegangen. Was die private Putzaktion nicht beheben konnte: Graffiti verunzieren den Brunnen, "sie müssten professionell entfernt werden", so Gransee. Außerdem fehle die Kupferplakette, die die Bedeutung des Brunnens erklärt.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    EdgarWeber
    17.08.2018

    Nicht nur dieses Beispiel ist ein Trauerspiel für eine Stadt, die sich anschickt, Europäische Kulturhaupstadt werden zu wollen. Ich erinnere nur an die "peinliche" Brunnendebatte.



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