Streit um freie Bauflächen am Campus

Drei Hektar waren am Standort Fraunhoferstraße bisher für die Uni reserviert. Doch jetzt sollen sich dort Firmen ansiedeln. Bei der TU trifft das auf massive Ablehnung.

Die Pläne für die Entwicklung des Technologiecampus an der Fraunhoferstraße werden geändert. Auf einer rund drei Hektar großen Fläche können sich künftig auch Technologie-Firmen ansiedeln. Bisher waren diese Grundstücke direkt neben der Wendeschleife der Straßenbahn für die Technische Universität (TU) reserviert. Doch die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses des Stadtrates votierten nach einer kontroversen Diskussion mit acht zu fünf Stimmen für eine Änderung des Bebauungsplanes.

Damit reagiert die Stadt auf eine hohe Nachfrage nach Gewerbestandorten. Sören Uhle, Chef der Wirtschaftsförderung CWE, spricht von den wertvollsten Flächen in Chemnitz. An der Fraunhoferstraße gebe es bereits acht Hektar für Unternehmensansiedlungen, die "unglaublich begehrt" seien, sagte er im Ausschuss. Bei den Interessenten handele es sich durchweg um Chemnitzer Betriebe, die sich erweitern wollen, oder um Neugründungen. Sie alle suchten die Nähe zur Uni und den Fraunhofer-Instituten. Die zusätzlichen drei Hektar an der Straßenbahnwendestelle seien nun "eine Option mehr" für die Ansiedlung von Firmen.

Gegen die Pläne hatte sich die CDU gewandt. "Die Entscheidung ist ein Rückschritt für unsere Uni", erklärte am Mittwoch Tino Fritzsche, Vorsitzender der Fraktions- gemeinschaft CDU/FDP. Es sei nicht nachvollziehbar, warum jetzt im Handstreich entschieden werde, wo die Grenzen der Entwicklung der TU liegen. Fraktionskollege Dieter Füsslein erinnerte an den Kooperationsvertrag zwischen TU und Stadt. Er erachte es deshalb für notwendig, eine solche Entscheidung einvernehmlich mit der Uni zu treffen. Füsslein hatte vergeblich versucht, die Entscheidung über die Änderung des Bauplanes zu vertagen. Ein entsprechender Antrag von ihm fand im Ausschuss keine Mehrheit.

Die Universität lehnt die Änderung der Baupläne ab. Diese "beeinträchtigt nicht nur die Entwicklung der TU nachhaltig, sondern läuft auch der weiteren positiven Entwicklung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Chemnitz massiv zuwider", erklärte ein Sprecher. Die Unileitung zeige sich "sehr enttäuscht" von der Entscheidung der Ausschussmitglieder. Der Platz auf dem Campus Reichenhainer Straße sei ausgereizt, ein weiterer Flächenbedarf aufgrund der dynamischen Entwicklung der Uni eindeutig absehbar, so der Uni-Sprecher. Die drei Hektar an der Straßenbahnwendestelle sollten mittel- bis langfristig für neue Forschungs- und Laborbauten genutzt werden.

Auf eine Konfrontation mit der TU will es Baubürgermeister Michael Stötzer nicht ankommen lassen. Er betonte im Ausschuss, dass man zu jeder Zeit Flächen finden werde, sollte die TU konkreten Bedarf haben, was derzeit nicht der Fall sei. So gebe es in der Innenstadt noch Platz, sagte Stötzer. Für die Planänderung hatte sich Dietmar Berger (Die Linke) ausgesprochen. Er warnte, dass Firmen aus Chemnitz abwandern könnten, stelle man nicht genügend Gewerbefläche bereit.

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1Kommentare
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  • 6
    2
    acals
    16.08.2018

    Nachdem Egon Krenz und seine Genossen auf ihre alten Tage erkannt haben das Hauptursache für die mehrheitliche Unzufriedenheit der DDR Bürger mit ihrer Diktatur des Proletariats die geringe wirtschaftliche Produktivität war, ist geradezu begeisternd das sich ein Linker für Firmeninteressen einsetzt. Aber halt: Nur weil ich grad was dazugelernt habe bedeutet das nicht, dass dieses nun vollumfänglich und mit absolutem Wahrheitsanspruch auf alle weiteren Szenarien anwendbar ist. Gibt es heftigen Widerspruch gegen eine potentielle Entscheidung lässt man sich Zeit Pro und Contra ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Das nennt man Diskussionskultur, mal zur Info!

    Es stehen also 8 Hektar für Firmen zur Verfügung, die sind noch nicht einmal vergeben da sollen drei weitere dazukommen. Warum wird denn wohl die Uni begründetes Interesse an diesen 3 Hektar haben? Man muss sich nur einmal anschauen wo aktuell die Fakultät für Informatik und das Institut für Chemie angesiedelt ist - richtig - im denkmalgeschützen Innenstadtbereich in der StraNa. Hat übrigens auch zur Konsequenz das viele Studenten durch die Stadt zu tingeln haben. 1. Vorlesung Mathe Reichenhainer. 2. Vorlesung Chemie StraNa 3. Vorlesung Physik Reichenhainer, 4. Vorlesung Toxikologie StraNa. Die Zeiten zwischen den Vorlesungen sollen übrigens endlich sein.

    Aber da ist ja nun Herr Berger ein kompetenter Ansprechpartner der vielen Studierenden der TU erläutern kann warum es besser ist seine Studienzeit in der Strassenbahn zu verbringen als fokussiert in Neubauten auf diesen weggeschenkten 3 Hektar "sich bemühen zu können".

    ... gerade erst wurde MAIN übergeben - um Naturwissenschaft und ET/IT und ... lokal zusammenzubringen ... nur Schildbürger torpedieren Bemühungen diesen essentiellen Zentralisierungsprozess weiterführen zu können ... aber nachhaltige Entscheidungen und Chemnitz - das sind ...



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