Totschlag-Prozess - Kriminalisten sagen aus

Details und Spuren vom Tatort haben im Verfahren wegen eines Tötungsverbrechens in Stollberg am Dienstag am Landgericht Chemnitz im Mittelpunkt gestanden. Dabei wurde auch eine Molekularbiologin befragt.

Stollberg/Chemnitz.

Schließlich haben die Ermittler doch noch Blut gefunden. Nicht an der Jacke, nicht an der Hose des Angeklagten, die er auf seiner Flucht nach Bayern getragen hat. "Es waren Blutpartikel an der hinteren Sohle einer seiner Sandalen", sagte Maria Winzi, Molekularbiologin beim Sächsischen Landeskriminalamt (LKA). Sie saß gestern im Zeugenstuhl und legte die Spurenlage des grausigen Verbrechens vom 23. April diesen Jahres vor, als eine junge Frau im Stollberger Ortsteil Raum erstochen worden ist. Ihr Freund war damals erst geflohen, konnte aber von Beamten wenige Stunden später in Kulmbach gestellt werden. Seitdem sitzt er als Angeklagter vor der Strafkammer am Landgericht Chemnitz.

"Wir konnten die Blutspuren erst mit Luminol feststellen", so Winzi weiter. Luminol ist eine in Wasser unlösliche chemische Substanz. Sie wird in der Kriminalistik zur Spurensuche verwendet - vor allem dann, wenn es um äußerst geringe Mengen von Blut geht, die es nachzuweisen gilt. Mit den Partikeln an der Sandale konnte nun eine direkte Verbindung zwischen dem Opfer und dem Angeklagten im Zusammenhang mit seiner Flucht hergestellt werden. Denn die Blutspuren stammen von der Getöteten.

Die Expertin ging auf weitere Details ein. So habe es an der Tatwaffe- ein Küchenmesser, 22 Zentimeter lang, die Klinge 12,5 Zentimeter - sogenannte Mischprofile gegeben. Sowohl DNA vom mutmaßlichen Täter, als auch ein blutiges Haar des Opfers. Mit diesem Messer wurde die Lunge der jungen Frau getroffen.

Insgesamt ging die Expertin auf acht Spurenrecherechen ein - vom getragenen Slip des Opfers bis zum Fluchtauto des Angeklagten. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Simone Herberger, wie lange es eigentlich dauert, die vielen Spuren auszuwerten und ein Gutachten zu erstellen, sagte Winzi: "Zwei Monate."

Ein anderer LKA-Experte hatte die Örtlichkeiten am Tatort exakt dargestellt. Er sprach von wenig aufgefundenem Blut. Auch erwähnte er zwei kleine Ohrstecker, die die Ermittler gefunden hatten. Sie lagen an verschiedenen Orten der Wohnung. "Das Tropfbild des Blutes zeigt, dass der Tatort selbst in der Stube gewesen ist. Dann hat sich das Opfer zum und ins Bad bewegt." In fast 20 Minuten zeigte er auf Lichtbildern, was sich wo in der Wohnung befunden hat. So konnten sich alle Prozessbeteiligten ein genaues Bild machen. Garderobe dort, gleich links die Couch im Wohnzimmer, da das Kaninchenzimmer mit ein paar Tieren im Käfig, die Badtür mit den vorgefundenen Scharnierstellungen und dem Schließmechanismus. "Zudem lief der Fernseher noch am Tatort", so der Beamte.

Die Richterin befragte einige Zeugen - neben den Experten der Spurensicherung auch andere Kriminalbeamte.: "Gibt es Hinweise für eine dritte Person am Tatort?" Nein, sagten alle. All das hörte sich der Angeklagte an, blätterte in der Akte mit den Fotos von der Tatort-Wohnung und wirkte, als ob er damit gar nichts zu tun hat.

Erst als es wieder darum ging, ob er womöglich schuldunfähig sein könnte, zeigte er Eifer. "Hier wird immer so getan, als ob ich an Verfolgungswahn leide. Ich kann aber acht oder neun Zeugen nennen, die bestätigen, dass ich wirklich verfolgt werde." Er, der mutmaßliche Täter, befindet sich derzeit nicht in einer Justizvollzugsanstalt, sondern in einem Haftkrankenhaus. Ihm wurde in einer ersten Diagnose paranoide Schizophrenie bescheinigt.

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