TU-Gäste staunen über Blitze, Miniroboter und Wackeldackel

Zur Langen Nacht der Wissenschaften waren Labore, Hörsäle und Forschungshallen auf dem Campus geöffnet. Einige Türen blieben aber verschlossen.

Für manchen Chemnitzer Nachtschwärmer ist Nikola Tesla ein Club an der Zietenstraße. Zur Langen Nacht der Wissenschaften an der Technischen Universität am Samstag indes wurde noch einmal daran erinnert, dass Tesla ein Erfinder war. In stündlichen Vorführungen, für die die Besucher Schlange standen, präsentierte Elias Kögel von der Fakultät für Elektrotechnik sogenannte Tesla-Spulen. Das Licht im Hörsaal schaltete er ab, damit die Zuschauer den Effekt der Spule sehen. Denn aus der silbernen Kugel schießen bis zu anderthalb Meter hohe Blitze. Erfunden habe Tesla die Spule, um Energie ohne Kabel in die Luft zu bringen, erklärte Kögel. Eine kleinere Tesla-Spule war an ein Keyboard angeschlossen. Spielten Kinder darauf eine Melodie, schossen lilafarbene Blitze aus der Spule. Das klang dann irgendwie nach Techno, der gut in den Club an der Zietenstraße passen würde.

Das Foyer des Hörsaalgebäudes an der Reichenhainer Straße war Treffpunkt für verschiedene Führungen. Eine Menschentraube stand an, um das neue Ganganalyselabor zu besichtigen, in dem der Gang über eine Hängebrücke oder durch eine virtuelle Stadt simuliert werden kann. Dort war man offenbar überrascht von dem Andrang und teilte die Gruppe in zwei Teile. "Die Präsentation wirkte unkoordiniert und improvisiert", kritisierte ein Besucher danach.


Andrang herrschte in Halle E. Dort konnten Besucher Fertigungsverfahren des Maschinenbaus erleben. Um das Ganze von der Theorie in die Praxis zu bringen, bot die Fakultät an, in neun Schritten einen metallischen Wackeldackel zu bauen. Seine Ohren wurden mit einem Laser geschnitten und die Nase an einer Präzisionsdrehmaschine gefertigt. In den Vorjahren hatte dieselbe Fakultät bereits das Basteln eines Räuchermannes, einer Räucherfrau und einer Baby-Figur angeboten. Da die Nacht der Wissenschaften immer am Tag der TU Chemnitz, dem "TUC-Tag" stattfindet, heißen die Figuren Tucelino, Tucelina und Tucelini. Der Wackeldackel heißt folgerichtig Tucelinackel und macht die Familie komplett. Die zehnjährige Leni Röhlig hat mit ihren Eltern fast zwei Stunden in der Halle verbracht, bis der Dackel fertig war. Das sei es wert gewesen, so das Mädchen: "Es hat echt Spaß gemacht."

Wer aus Halle E schnell mal in Halle F zur Textilforschung schauen wollte, hatte es schwer. Wegweiser führten zwar zur Halle, ein Eingang war aber nicht zu finden. Beim Gang um die Halle herum stieß man auf einen gläsernen Durchgang zum Rühlmann-Bau an der Reichenhainer Straße. Doch alle Türen darin waren verschlossen. "Das muss man schon wollen", sagte ein Suchender, als er schließlich eine offene Tür gefunden hatte, die in den Rühlmann-Bau und von dort in die Halle führte.

Zum ersten Mal zugänglich war das Zentrum für Materialien, Architekturen und Integration von Nanomembranen (MAIN) an der Rosenbergstraße. Das weiße Gebäude wurde erst im Sommer in Betrieb genommen. Verschiedene Fachrichtungen forschen darin gemeinsam an Nanomembranen, erklärte Jörg Schuster, Leiter der Arbeitsgruppe Modellierung und Simulation von Nanomaterialien. Nanomembrane sind Schichten, die zum Beispiel nur ein Atom dick sind, erklärte Schuster. In seinem Bereich können diese Gebilde am Computer simuliert werden. Auch die Fertigungsschritte für die Membranen können modelliert werden, sodass diese Arbeit den Praktikern Hinweise zur Herstellung der Membran gibt, erklärte Schuster. Im Keller des Gebäudes präsentierte Doktorand Vineeth K. Bandari, was sich mit so einer Membran anstellen lässt. Unter ein Elektronenmikroskop hatte er eine Cent-Münze und darauf ein Haar gelegt. Wenn er das Gerät noch schärfer einstellte, konnten die Besucher einen Roboter sehen, der 800 Mikrometer groß ist. "Das ist ein großes Modell. Der kleine ist nur 100 Nanometer groß", so der Doktorand. Die Idee: Diese winzigen Roboter können sich mittels Gas-Antrieb im menschlichen Körper fortbewegen, sind mit Kameras und Detektoren ausgestattet und können sogar Proben nehmen. "Wir beginnen jetzt damit, die Roboter in Blut zu testen und arbeiten mit dem Uniklinikum Dresden zusammen", so Bandari.

"Das war der beste Vortrag, den ich heute gehört habe", zeigte sich Besucher Ingo Appelt begeistert. Das MAIN-Zentrum sei für ihn am interessantesten gewesen, weil dort konkrete Forschung gezeigt wurde.

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