Verwirrung um Namen von Gewässern

Heißt es Malzteich oder Maltzteich? Und warum gibt es den Neuteich gleich zweimal? Experten bringen Licht ins Dunkel.

Limbach-Oberfrohna.

Beim Maltzteich zwischen Bräunsdorf und Niederfrohna handelt es sich um ein unscheinbares Gewässer: Es ist vergleichsweise klein und von Bäumen umgeben. Dass der Teich trotzdem bekannter ist als andere, hat zwei Gründe. Erstens gibt es unweit eine Kreuzung, auf der sich in der Vergangenheit mehrere Unfälle ereigneten, weswegen über die Beschilderung diskutiert wurde. Zweitens wird eine Sage erzählt, der zufolge am Teich ein kopfloser Ritter als Gespenst umgehen soll. Der Niederfrohnaer Mironde-Verlag hat sie in einem Büchlein über Sagen in der Region Chemnitz veröffentlicht.

Wenn man sich über den Maltzteich informiert, fällt auf, dass zwei Schreibweisen kursieren: Auf Stadtplänen und im Sagenheftchen ist vom Maltzteich die Rede. In einer Satzung der früheren Gemeinde Bräunsdorf sowie in einem Artikel im Limbach-Oberfrohnaer Stadtspiegel wird das Gewässer jedoch als Malzteich bezeichnet. Diese Schreibweise wäre folgerichtig, wenn man bedenkt, dass die Straße zwischen Oberfrohna und Kaufungen, die am Teich vorbeiführt, auch als Malzstraße bekannt ist.

Doch woher stammt der Name eigentlich? Der Bräunsdorfer Hobbyhistoriker Siegfried Frenzel macht darauf aufmerksam, dass der Teich mit Malz im Sinne von gekeimtem Getreide nichts zu tun hat. "Der Name leitet sich von der Familie von Maltitz ab", erklärt Frenzel. Diese besaß im Spätmittelalter Ländereien in Wolkenburg, zu denen auch Bräunsdorf mit dem Teich gehörte. Im Laufe der Jahrhunderte sei aus dem Maltitzteich durch Wortverkürzung der Maltzteich geworden. Diese Erklärung würde eher für Maltzteich als korrekte Schreibweise sprechen.

Limbach-Oberfrohnas Stadtarchivar Christian Kirchner ist erstaunt, als er einen Blick auf einen Stadtplan wirft und dort den Namen Maltzteich entdeckt. "Ich hätte Malzteich geschrieben", sagt er. Kirchner weist darauf hin, dass ein einfaches z in Wörtern früher kaum vorkam, sondern nur als tz wie in Saltz. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde bei einer Rechtschreibkonferenz festgelegt, dass hinter einem langen Vokal oder einem Konsonanten nur noch das z folgen soll. Daher steht heute Salz im Duden. Hätte dann nicht auch aus dem Maltzteich ein Malzteich werden müssen? Eigentlich ja, sagt der Stadtarchivar. "Aber bei Eigennamen gibt es oft verschiedene Varianten. Sie findet man auch heute noch in der alten Version, zum Beispiel bei Familiennamen."

Die Krux scheint zu sein, dass die Schreibweisen von vergleichsweise unbedeutenden Gewässern nur selten verbindlich festgelegt werden. So ist beim Bach, der durch Bräunsdorf und Herrnsdorf fließt, mal vom Bräunsdorf-Herrnsdorfer Bach und mal vom Herrnsdorf-Bräunsdorfer Bach die Rede. Kirchner macht auf einen weiteren kuriosen Fall im Stadtgebiet aufmerksam: In Limbach gibt es laut mehreren Stadtplänen zwei Neuteiche, nämlich jeweils einen auf jeder Seite der Burgstädter Straße. "Dabei wäre doch niemand so dumm, zwei nahe Teiche mit demselben Namen zu versehen", stellt der Archivar fest. Seine Erklärung: Das kleinere der beiden Gewässer westlich der Straße heißt eigentlich Schweizerhofteich. Dann sei dieser aber auf einer Karte versehentlich als Neuteich bezeichnet worden. "Wenn es einmal falsch gedruckt wurde, kriegt man das aus dem Sprachgebrauch kaum wieder raus", erklärt Kirchner.

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