Virtuelles CFC-Stadion floppt

Das Internet-Projekt "Zweites Zuhause" stößt bei den Anhängern der Himmelblauen auf wenig Resonanz. Besser läuft es in der Realität.

Nur rund 70 Stadionsitze sind belegt, etwa 370 Fans unterstützen den Verein. Wäre das virtuelle Stadion Chemnitzer FC ein Maßstab für die Realität, dann würde sich der Club irgendwo auf Kreisoberliga- oder vielleicht Landesklasse-Niveau wiederfinden. Offenbar stößt das Projekt mit dem Namen "Zweites Zuhause" auf wenig Resonanz bei den Anhängern des Fußball-Drittligisten.

Die interaktive Internetseite zweiteszuhause.chemnitzerfc.de ging vor exakt einem Jahr online. Kern ist ein 3D-Modell des CFC-Stadions. Mit einem digitalen Alter Ego, einem sogenannten Avatar, kann man sich dort einen virtuellen Stehplatz für 18,99 Euro jährlich oder Sitzplatz (19,66 Euro) buchen, auf dem imaginären Rasen herumspazieren und den VIP-Bereich erkunden. Der Großteil der Einnahmen soll dem Verein zugute kommen, hieß es beim Start der Seite. Die Nutzer können zudem an Tippspielen teilnehmen oder den Club-Fernsehkanal aufrufen und erhalten dafür Bonuspunkte, die sie einlösen können. Hauptgewinn ist ein Abendessen mit Sport-Chef Stephan Beutel.


All das scheint die Anhänger aber nicht zu locken. Von den exakt 14.859 Plätzen im Stadion sind nach zwölf Monaten nur 71 belegt. Als "unterdurchschnittlich" und "unter unseren Erwartungen", bezeichnet das Kristian Voigt, Geschäftsführer der Internetagentur Creative Clicks. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen hatte die Idee für das Projekt und hat es auch umgesetzt. Eine Erklärung für die schlechte Resonanz habe er nicht, sagt Voigt auf Nachfrage. In den kommenden Wochen stünden Gespräche mit der CFC-Marketingabteilung über die Zukunft der Seite an, ergänzt er.

Wird das virtuelle Stadion womöglich dicht gemacht? Die Fans nach Hause geschickt? CFC-Marketing-Chefin Nicole Oeser sagt dazu, die Gespräche würden "ergebnisoffen" geführt, es soll eine "neue strategische Ausrichtung" der Seite geben. Mitte oder Ende kommenden Monats soll feststehen, wie es weitergeht, so Oeser.

In der Realität sind die Arena und der Club offenbar deutlich beliebter. Für die kommende Saison wurden zwei Wochen vor dem Start bereits 2000 Dauerkarten verkauft. Vergangene Spielzeit wurden insgesamt 2500 dieser Tickets abgesetzt.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    hkremss
    19.07.2016

    "Eine Erklärung für die schlechte Resonanz habe er nicht, sagt Voigt auf Nachfrage." - vielleicht ist niemandem je klar geworden, was das Ganze eigentlich soll? Ins Stadion geht man zum Fußball schauen. Wenn ich ins Stadion will, dann geh ich also in das richtige Stadion und nicht in ein virtuelles Modell, in dem genau gar nichts passiert. Tippspiele? Sowas wie Kicktipp, nur für Geld? Club-Fernsehkanal? Was ist das denn? Was anderes als der kostenlose Youtube-Channel? Avatar? Wozu? Und ich soll auch noch Geld dafür bezahlen, mehr als ein normales Stehplatzticket kostet? Und da ist noch nicht mal ein Becher Bier dabei? Vielleicht ein Abendessen mit Stefan Beutel, mit etwas Glück? Echt jetzt? Für 18,99 im Jahr? Oder ein Sitzplatz für meinen Avatar, für 19,66? Damit ihm die virtuellen Beine nicht weh tun? Nee, lasst mal gut sein...



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