Von wild bis dunkelrot: Rosen für das Publikum

Die Robert-Schumann-Philharmonie unter dem jungen Dirigenten Justus Thorau schlägt einen Bogen von Europa nach Amerika und startet zuversichtlich ins neue Jahr.

Neujahrskonzerte sind dem Optimismus verpflichtet - oder auch zum Optimismus verdammt. Und das ist gut so. Jedem Anfang, auch dem des neuen Jahres, wohnt ein Zauber inne; jeder Anfang bietet die Chance, dass alles gut oder zumindest besser wird. Eine Hoffnung, der die Robert-Schumann-Philharmonie auch mit ihren ausverkauften Neujahrskonzerten am Wochenende klingenden Ausdruck verlieh.

"Aufs Pferd! Aufs Pferd!" Mit dem Reiter-Marsch von Johann Strauß (Sohn) nach der Ouvertüre zum Musical "Funny Face" von George Gershwin startete das Orchester unter dem jungen, mit beeindruckendem Körpereinsatz arbeitenden Dirigenten Justus Thorau in ein beschwingtes Konzert, das eine Brücke zwischen dem alten Europa und den USA schlug. Neujahrskonzerte neigen auch dazu, sich aus den Hitparaden der klassischen Unterhaltungsmusik zu bedienen. Die "Geschichten aus dem Wienerwald" sind ebenso prädestiniert dafür wie die "Rosen aus dem Süden", beide Kompositionen von Johann Strauß. Carl Millöckers "Dunkelrote Rosen" gehören ebenso dazu wie Franz Lehárs "Wilde Rosen". Die verteilte der ausgezeichnete Bariton Andreas Beinhauer in Frack und Zylinder an ein aufmerksames und begeistertes Publikum. Eine ebenso bezaubernde Einlage wie die kurzen Kommentare des Dirigenten im Plauderton zu den Stücken.

Denn der Optimismus in der Musik ist manchmal auch mit der Tragik des Lebens verbunden. Bei Erich Wolfgang Korngold etwa, von dem "Mein Sehnen, mein Wähnen" aus der Oper "Die tote Stadt" und "Straussiana" erklangen. Max Reinhardt hatte Korngold 1934 nach Hollywood eingeladen, um eine Filmmusik zu komponieren. Fortan pendelte Korngold zwischen Wien und Kalifornien. Dort wurde er auch 1938 vom "Anschluss" Österreichs überrascht, blieb mit seiner Familie in den USA. Die österreichische Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt, sein Eigentum konfisziert. Er erhielt mehrere Oscars für seine Filmmusiken, war aber nach dem Krieg in seiner Heimat nicht gern gesehen und wurde fast vergessen. Schön, dass in Chemnitz an ihn erinnert wurde.

Auch über Richard Rodgers' Musical "The Carousel", aus dem der "Carousel Waltz" erklang, wusste Thorau Amüsantes zu berichten, etwa, dass die Fußballhymne "You'll never walk alone" aus diesem Musical stammt. Die Liverpooler Fans sangen sie übrigens das erste Mal, weil die Beschallungsanlage vor einem Spiel ausfiel.

Der König der amerikanischen Marschmusik, John Philip Sousa, ist ebenso eine schillernde Gestalt. Nach ihm ist das Sousaphon, eine Art Tuba, benannt, das 1893 auf seine Anregung hin entwickelt wurde, er war ein exzellenter Tontaubenschütze und Marketingexperte. Um seine Europatournee besser vermarkten zu können, verbreitete sein Agent die Nachricht, Sousa stamme aus dem jeweiligen Gastspielland. Eine der Zugaben schließlich, "Strike Up The Band" aus dem gleichnamigen Musical von George Gershwin, veranlasste Justus Thorau zu einem Seitenhieb auf Donald Trump - denn in dem Musical geht es darum, dass die USA der Schweiz den Krieg erklären, weil sich ein amerikanischer Käseproduzent von der eidgenössischen Konkurrenz bedroht sieht. Doch das Konzert endet traditionell mit dem schwungvollen Radetzky-Marsch, bei dem auch das Publikum aufmerksam und dem Dirigenten folgend mitklatscht, bevor es nach langem Applaus den Weg aus der bunten Welt der Operette und des Musicals ins wirkliche Leben und in das neue Jahr antritt.

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