Warum der CFC wirtschaftlich noch immer am Boden liegt

Insolvenzverwalter fordert Zuschuss von der Stadt - Sollte das Geld ausgehen, droht der Abstieg in die Oberliga

Mit seinem Brief an die Stadträte hat Insolvenzverwalter Klaus Siemon die Debatte um die wirtschaftliche Zukunft des Chemnitzer FC neu entfacht. Der Jurist fordert von der Stadt die Zahlung von 750.000 Euro, damit die Regionalliga-Mannschaft in dem mit Steuergeld errichteten Stadion tatsächlich auch antritt. Wie ernst ist also die finanzielle Lage beim CFC? Die "Freie Presse" beantwortet hierzu die wichtigsten Fragen.

Warum ist der CFC erneut in wirtschaftlichen Schwierigkeiten?

Im Etat des Vereins für die laufende Regionalliga-Saison fehlen rund 493.000 Euro, sagt Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Zugleich räumt er ein, dass das Budget eigentlich einen Überschuss in Höhe von 250.000 Euro ausweisen müsste - zur Risikoabdeckung, wie Siemon betont. Gründe für das Defizit nennt der Jurist auch: Zum einen fehlten 250.000 Euro, weil der Energieversorger Eins als CFC-Sponsor ausgestiegen ist, zum anderen seien die Einnahmen aus der Vermarktung des Stadionnamens weggefallen - noch einmal 250.000 Euro. Hinzugekommen seien geringere Einnahmen durch den neuen Trikotsponsor - die Sparkasse zahle 150.000 Euro weniger als der bisherige Sponsor.

Was hat der Insolvenzverwalter bisher getan, um den Verein zu sanieren?

Nach eigenen Angaben seien zunächst einmal viele Ausgaben reduziert worden, die Summe für den Spielerkader sei so von 3,2 Millionen Euro auf nunmehr 1,8 Millionen Euro gesenkt worden. Hinzu kämen Kostenreduzierungen im Nachwuchsleistungszentrum. Außerdem gebe es Einnahmenerhöhungen, zum Beispiel durch einen neu organisierten Ticketverkauf. Ziel sei es hier, sagt Siemon, überhaupt keine Tickets mehr im Tagesverkauf zu veräußern, sondern alle Eintrittskarten vorab online an den Fan zu bringen. Außerdem rechnet Siemon mit Mehreinnahmen in Höhe von 300.000 Euro durch die Neuvergabe des Fanshops.

Was fordert der Insolvenzverwalter von der Stadt?

Weil all die Maßnahmen nicht ausreichen, um das Budget des Vereins für diese Saison auszugleichen, fordert Siemon von der Stadt 750.000 Euro - quasi als Prämie, dass die Regionalliga-Mannschaft auch künftig ihre Heimspiele im städtischen Stadion an der Gellertstraße austrägt. Sollte das Team aufsteigen und in der nächsten Saison wieder in der Dritten Liga antreten, sollte der Zuschuss der Stadt auf 1,25 Millionen Euro anwachsen. Als Gegenleistung bietet Siemon an, dass der CFC "das Bollwerk gegen Rechtsextremismus" in Chemnitz sei, dass sich der Verein verpflichte, für Stadt und Region zu werben und für ein "gesellschaftspolitisches Fortkommen der Stadt Chemnitz" zu sorgen, was auch immer damit gemeint ist.

Darf die Stadt überhaupt Geld an den CFC zahlen?

Sportförderung als solche durch eine Kommune ist legitim, aber nur, wenn dabei keine Diskriminierung Dritter stattfindet, sagt Ludwig Gramlich, Professor für Öffentliches Recht an der TU Chemnitz. Eine Diskriminierung Dritter wäre eine Wettbewerbsverzerrung. Die Frage von städtischen Hilfen für einen Fußballverein sei ein komplexes und riskantes Problem, vor allem für die Stadt, fügt er hinzu. Hintergrund ist das Beihilferecht der EU, das besagt, dass geldwerte Leistungen aus öffentlichen Mitteln der EU-Kommission angezeigt werden müssen und damit genehmigungspflichtig sein können. Die EU will damit verhindern, dass die öffentliche Hand zu Wettbewerbsverzerrungen führt.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Stadträte auf die Forderungen des Insolvenzverwalters eingehen werden?

Höchst unwahrscheinlich. Obwohl sich die Fraktionen des Stadtrates bisher noch nicht öffentlich zu den Vorgängen geäußert haben, ist hinter vorgehaltener Hand von vielen Ratsmitgliedern zu hören, dass die Forderungen des Insolvenzverwalter völlig unrealistisch seien. Es scheint daher derzeit kaum vorstellbar, dass eine Stadtratsmehrheit Zuschüsse an den CFC befürwortet.

Was passiert, wenn dem CFC während der laufenden Spielzeit das Geld ausgeht?

Sollte der gesamte Verein aufgrund der fehlgeschlagenen Sanierung aufgelöst werden müssen, verschwindet der Chemnitzer FC von der Fußball-Landkarte. Der Verein müsste neu gegründet werden und in der untersten Liga (Kreisklasse) neu anfangen - es sei denn, er findet einen kooperierenden Verein und übernimmt dessen Spielrecht für eine höhere Liga. Sollte lediglich das Geld für die Finanzierung des Spielbetriebs in der Regionalliga ausgehen, müsste der Verein seine Mannschaft zurückziehen. "Dann gilt er als erster Absteiger, alle Ergebnisse werden annulliert", sagt Holger Fuchs vom Nordostdeutschen Fußballverband. Sollte der CFC dann nachweisen können, dass der Etat für die Oberliga gedeckt werden kann, würde er ab der kommenden Saison dort eingegliedert. Wenn nicht, steigt er in die Landesebene ab. Das Spielrecht für die Landesliga Sachsen ist nicht an ein Lizenzierungsverfahren gebunden, so Alexander Rabe vom Sächsischen Fußballverband. "Sollte der CFC als Verein also weiterbestehen, könnte er nach einem Rückzug der Mannschaft aus der Regionalliga und einem Verzicht auf die Oberliga in die Landesliga eingegliedert werden."

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
5Kommentare
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  • 4
    0
    franzudo2013
    23.10.2018

    Wer ist der Peter Zwegat für den CFC?
    Raus aus den Schulden mit einem tragfähigen Konzept?
    Wahrscheinlich macht es die Mischung?
    Stundung Stadionmiete, moderate Preiserhöhung Tickets, gute Mitgliederarbeit, gute Sponsorenarbeit....
    Funktioniert offensichtlich nicht ohne die Lernwirkung eines Konkurses.
    Als Aussenstehender könnte man meinen, die Not ist bereits groß genug.....

  • 9
    2
    Sepiadiver
    23.10.2018

    Von der Stadt kommt sicher kein Geld, die können und wollen nicht. Wenn also die Investorensuche erfolglos bleibt, dann wird der Konkurs nicht ausbleiben.
    Schade um das Stadion.

  • 9
    8
    881924
    23.10.2018

    Auch wenn es richtig wehtut vor allem weil es zurzeit sportlich läuft aber manchmal hilft nur ein richtiger Neuanfang

  • 9
    4
    Blackadder
    23.10.2018

    Wie?

  • 4
    5
    mathausmike
    23.10.2018

    Und was passiert ,wenn der CFC das Geld doch aufbringt? (*_*)



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