Warum Kinder einen Chemnitzer Stifter ehren

Eine neue Denkmal-Platte am Roten Turm erinnert an einen Unternehmersohn, der vor mehr als 150 Jahren lebte. Von seiner Großzügigkeit profitieren heute noch viele.

Kinder mit bunten Luftballons in den Händen: So wurde am Sonntagvormittag das Verlegen einer neuen Denkmal-Platte am Roten Turm gefeiert. Geehrt wurde damit der 1799 geborene Unternehmersohn Carl Christian Hübner. An Papierzetteln, die an die Ballons gebunden waren, hatten die Kinder ihre persönliche Wünsche geheftet.

Frieden, Gesundheit, ein bisschen mehr Geld. Das stand auf den Flugblättchen. Und: "Ich würde gern erfolgreich Fußball spielen." Dies hatte der 15-jährige Lucas drauf geschrieben. Seinen Nachnamen wollte der Jugendliche nicht nennen. Er verriet aber, dass er seit einiger Zeit in der familienorientierten Wohngruppe "Bananas" an der Bernhardstraße lebt. Die Einrichtung wird vom Verein Freundeskreis Indira Gandhi getragen. Dieser wiederum wird unterstützt von der kommunalen Kinder- und Jugendstiftung "Johanneum". Und hier kommt Carl Christian Hübner ins Spiel. Er gründete die Stiftung einst.

Als Lucas und seine Freunde auf die Denkmal-Platte mit Hübners Namen zeigten, hatten sie kurz zuvor erfahren, dass der Mann einst mit 30.000 Talern den Grundstock für die finanzielle Unterstützung ihrer heutigen Lebenssituation gelegt hatte. Es war 1855, als Hübner anlässlich eines Besuchs des sächsischen Königs Johann in Chemnitz der Stadt die damals riesige Summe übergab und damit die nach dem König benannte Stiftung ins Leben rief. Unter anderem in der Kattundruckerei seiner Eltern hatte Hübner einst Kinderarbeit beobachtet.

Inzwischen wird mit Hübners Stiftungsnachlass nicht nur der Freundeskreis Indira Gandhi unterstützt. Auch sozial benachteiligte Mädchen und Jungen, die Angebote der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (KJF) nutzen, profitieren von der Stiftung "Johanneum".

Carl Christian Hübner in die Reihe der Chemnitzer Persönlichkeiten aufzunehmen, denen mit Denkmal-Platten am Roten Turm gedacht wird, entschieden die Mitglieder des Rotary-Clubs Chemnitz. Sie ehrten in den vergangenen Jahren auf diese Weise mehr als 25 "Große Chemnitzer". Diesmal feierten sie nicht nur das Verlegen einer weiteren Denkmal-Platte, sondern zugleich den 875. Geburtstag der Stadt. Denn genau so viele Ballons waren es, die in den Himmel flogen.

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