Warum Schandflecke Objekte mit großem Potenzial sein können

Gebäude, die aufgrund ihres schlechten Zustands keiner gern sieht, haben am Tag der Städtebauförderung im Mittelpunkt gestanden. In Zschopau wurde dabei gezeigt, welchen Ausweg es statt des Abrisses noch gibt.

Zschopau.

Als Tom Arnold mit den Teilnehmern dieses außergewöhnlichen Stadtrundgangs die Zschopauer Ludwig-Würkert-Straße entlang ging, hielt er kurz inne. Den neun Bürgern, die sich am Tag der Städtebauförderung für seine Tour interessierten, zeigte er während dieser Stunde eigentlich dringend sanierungsbedürftige Gebäude. Doch er blieb auch vor einer freien Fläche stehen - ein Parkplatz, hinter dem sich ein Blick in die Innenhöfe anderer Häuser bietet.

"So etwas nennt man Erlebnislücke", sagt der 31-Jährige. Eine davon sei noch zu ertragen. Aber mehrere zerstören das Stadtbild - so die Aussage des Innenstadtmanagers, der als Mitarbeiter der Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung seit zwei Jahren in Zschopau nach Lösungen sucht.

Torsten Kleditzsch

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Der Rundgang bot eine Chance, für dieses Thema zu sensibilisieren. Zum fünften Mal gab es den bundesweiten Tag der Städtebauförderung - und stets wurde dabei auch in Zschopau Besuchern das städtebauliche Engagement vor Augen geführt. Von erfolgreichen Sanierungsobjekten über aktuelle Baumaßnahmen bis hin zu den Schandflecken, die in Arnolds Augen gar keine sind. Für ihn sind es Objekte mit großem Potenzial - als Zuhause für Familien und als Teil eines Stadtbildes, das es möglichst in seinem ursprünglichen Charakter zu erhalten gilt. Doch mit der Sanierung ist das so eine Sache.

"Ein Problem sind die mitunter schwierigen Eigentumsfragen", erklärte der Innenstadtmanager während der Tour. Auch an der Bereitschaft von Eigentümern mangele es oft. Für Arnold schwer nachvollziehbar, zumal die Finanzierung solcher Projekte dank der Fördermittel gar nicht so unerschwinglich ist, wie mancher zunächst annehmen mag. "Die unrentierlichen Kosten werden gefördert", so der Experte. Also jenes Geld, das später über die Vermietung nicht wieder hereinzuholen ist. Bis zu 80 Prozent der Kosten könnten so aus Fördertöpfen kommen. Solche Gelder sind in der Zschopauer Altstadt schon reichlich geflossen. 33,3 Millionen Euro zwischen 1991 und 2018, um genau zu sein. Weitere 7,9 Millionen Euro stehen im Fördergebiet "Historischer Stadtkern" bis 2022 noch zur Verfügung. Laut Arnold liegt darin nicht nur für die Kommune eine große Chance. "Unser Anliegen ist es, auch private Eigentümer darauf aufmerksam zu machen, dieses Potenzial zu nutzen", so der 31-Jährige.

Schloss, Rathaus und Märkte haben bereits von der Förderung profitiert, auf den Seminargarten und das ehemalige Stadtcafé soll das auch bald zutreffen. Weitere Objekte, die folgen könnten, hat der Innenstadtmanager in eine Prioritätenliste eingestuft. Zur Kategorie 1 mit überdurchschnittlichem Sanierungsbedarf gehören sechs Gebäude. 21 Objekte sind der zweiten Kategorie zugeordnet. Doch um Fördermittel abzuschöpfen, ist kein Platz in dieser Liste nötig, sondern ein Standort im Fördergebiet. So wie das Eckgebäude an der Gabelsbergerstraße 2, das von der Gebäudewirtschaft gerade für 1,2 Millionen Euro saniert wurde und den Endpunkt des Stadtrundgangs darstellte. "Mehr als 50 Prozent wurden gefördert", sagt Geschäftsführerin Kerstin Rümmler. Die Eigenmittel zu stemmen, sei ein Kraftakt gewesen, aber es habe sich gelohnt.

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