Wenn Azubis das Kommando übernehmen

Angehende Kinderkrankenpfleger leiten derzeit eine Station am Klinikum. Noch dürfen sie nicht alle Aufgaben erledigen.

Die Notfallambulanz befindet sich auf der Station der Kinderchirurgie im Klinikum an der Flemmingstraße gleich in der Nähe des Eingangs. Etwa zehn Notfälle werden täglich behandelt, Knochenbrüche ebenso wie die blutende Wunde nach dem Sturz vom Fahrrad. Dort treffen sich verängstigte Kinder und besorgte Eltern. "Die Notfallambulanz ist auf der Station der Arbeitsort, der die größte Herausforderung bietet", sagt die leitende Stationsschwester Katja Erfurth. Für Aylin Onat hat dort ihre bisher größte Aufgaben im noch kurzen Berufsleben begonnen. Seit Sonntag leitet die 21-Jährige mit weiteren 20 Auszubildenden im dritten Lehrjahr die Station mit 21Betten für Kinder bis 16 Jahre. Die Azubis lernen an der Medizinischen Berufsfachschule des Klinikums den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers.

Das Projekt, bei dem Lehrlinge die Aufgaben von Vorgesetzten und ausgelernten Mitarbeitern übernehmen, ist aus anderen Berufszweigen bekannt. Im Klinikum wird es erstmals getestet. Die Auszubildenden erledigen selbstständig und als Team alle pflegerischen und organisatorischen Aufgaben auf der Station, sagt Klinikum-Sprecherin Stella Volmer. Oberarzt Jörg Neser sieht darin eine wichtige Vorbereitung auf das Berufsleben. "In der Praxis müssen sie später voll verantwortlich arbeiten." Die jungen Leute könnten auf diese Weise Sicherheit durch selbstständiges Arbeiten bekommen und sich selbst vertrauen lernen. Annett König, Leiterin der Berufsschule, sieht in der Übernahme der Station durch die Azubis eine gute Prüfungsvorbereitung. "Unser Ziel ist es, das Projekt regelmäßig durchzuführen." Sie berichtet, dass sich die Lehrlinge ausführlich auf die Arbeit auf der Station der Kinderchirurgie vorbereitet hatten. "Sie haben beispielsweise die Krankheitsbilder nochmals durchgeackert", sagt sie.

Gleich am ersten Tag hat Aylin Onat zusammen mit einer Ärztin einem kleinen Patienten nach einem Unterarmbruch eine Schiene angelegt, erzählt sie. Sie war als Azubi bereits in der Notfallambulanz tätig. "Es macht mir großen Spaß, dort zu arbeiten. Ich bin in der Ambulanz als einzige Schwester im Einsatz." Doch auch wenn Azubis das Kommando auf der Kinderchirurgie übernommen haben, die ausgelernten Pfleger begleiten die angehenden Kollegen auf Schritt und Tritt. Einige Arbeitsschritte, etwa Telefonate annehmen, mit Patienten und Eltern sprechen, den Dienstplan erarbeiten oder Medikamente bestellen, dürfen die Lehrlinge eigenverantwortlich. Doch bei der Begleitung eines Patienten in den OP-Saal muss ebenso ein examinierter Pfleger dabei sein, wie bei der Tablettenübergabe oder beim Setzen einer Spritze.

Die 19-jährige Emilie Preuß ist während des Projektes eine von drei leitenden Stationsschwestern. "Ich hatte Respekt vor der Aufgabe. Aber ich kann jetzt zeigen, was ich gelernt habe. Und vielleicht muss ich mir auch eingestehen, was ich noch nicht kann", sagt die Auszubildende.

Bei Eltern von Patienten kommt das Projekt gut an. "Es ist wichtig, den Nachwuchs zu fördern. Ein Unsicherheitsgefühl habe ich nicht", sagt eine Mutter. Ihr neun Monate alter Sohn steht nach einem Sturz unter Beobachtung. An das dazu notwendige Gerät haben die angehenden Pfleger den Jungen selbst angeschlossen, examinierte Schwestern standen im Hintergrund parat. "Es war toll, die Jugendlichen arbeiten zu sehen", sagt die Mutter.

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