Wenn frühere Supermärkte zu Schandflecken werden

Vor allem Anwohner beklagen sich immer wieder über den Zustand geschlossener Kaufhallen und fragen nach deren Zukunft. Vier Beispiele.

Nur die Stadtteile unterscheiden sich. "Was passiert mit der früheren Edeka-Kaufhalle?", fragen "Freie Presse"-Leser vom Sonnenberg, aus Siegmar, Morgenleite und Hutholz unisono. Alle beklagen das ungepflegte Aussehen der Umgebung der vier geschlossenen Einkaufsmärkte, das zu wilder Müllentsorgung geradezu einlade. Der Markt an der Bruno-Granz-Straße in Morgenleite sei zudem zu einem Treffpunkt junger Leute geworden, die bis spät in die Nacht Lärm verursachen und damit Anwohner stören.

Anfragen der "Freien Presse" bei der Edeka-Handelsgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen führen in allen Fällen zum gleichen Ergebnis: Edeka sei nicht im Besitz der Objekte und habe daher keinen Einfluss auf den derzeitigen Zustand der Gebäude und ihrer Außenanlagen, erklärt eine Sprecherin. Einige Anwohner hätten sich mit demselben Anliegen bereits direkt an Edeka gewandt. "Allerdings können wir hier jedoch keine Abhilfe schaffen. Wir haben die Stadt Chemnitz bereits um Unterstützung gebeten", so die Sprecherin.

Wem die leer stehenden Immobilien derzeit gehören, ist - schon allein aus Datenschutzgründen - weder von Edeka noch von der Stadtverwaltung zu erfahren. Immerhin liegen die Schließungen zum Teil auch schon fast zwei Jahrzehnte zurück. Die Märkte an der Walter-Ranft-Straße in Hutholz und an der Bruno-Granz-Straße wurden von Edeka bereits Mitte des Jahres 2000 aufgegeben. Der Umsatz in beiden Kaufhallen sei zu niedrig gewesen, lautete in beiden Fällen die Begründung seitens der Handelsgenossenschaft. Die Gebäude wurden nach Angaben von Edeka anschließend zurückgegeben an ihren vorherigen Besitzer, die Konsumgenossenschaft Chemnitz. Da sich der Konsum damals im Gesamtvollstreckungsverfahren befand, wollte er Käufer für die Märkte finden.

Zumindest an der Bruno-Granz-Straße muss das auch gelungen sein. Denn 2010/11 ließ ein neuer Eigentümer Teile des ehemaligen Versorgungszentrums, zu dem der Edeka-Markt gehört hatte, abreißen und einen neuen Netto-Markt errichten. Im Gebäude des Edeka-Marktes befand sich noch bis November 2009 ein Getränkemarkt, dem nach "Freie Presse"-Informationen wegen Umbauplänen gekündigt wurde. An Stelle des Edeka-Marktes wollte der Vermieter eine Spielothek einrichten, was die Stadtverwaltung jedoch mit Verweis auf eine Spielothek im nahegelegenen Vita-Center ablehnte. Seitdem ist es still geworden um das ehemalige Versorgungszentrum.

Der Edeka-Markt an der Würzburger Straße wurde Ende Mai 2015 geschlossen - ebenfalls wegen rückläufiger Umsätze, wie sein letzter Betreiber damals begründete. Zugleich berichtete er, das Marktgebäude bereits 2008 an einen Immobilienmakler verkauft zu haben. Mit derselben Begründung, nämlich fehlender Wirtschaftlichkeit, wurde Ende September 2017 die Kaufhalle an der Sterzelstraße dicht gemacht. Mit dem Rewe-Markt in Rabenstein und dem Edeka-Markt am Bahnhof Siegmar sei zu große Konkurrenz entstanden, hieß es.

Die Stadtverwaltung bestätigt auf Nachfrage, dass sich alle vier früheren Edeka-Märkte heute in Privatbesitz befinden. Für den ehemaligen Markt an der Würzburger Straße sei bislang kein Nachnutzungskonzept bekannt. Der Eigentümer sei wiederholt aufgefordert worden, die Sicherung seines Gebäudes vorzunehmen. Für den geschlossenen Markt an der Sterzelstraße liege im Rathaus dagegen ein Antrag auf Erteilung eines Bauvorbescheides vor. Demnach soll das Marktgebäude abgerissen und an seiner Stelle ein Mehrfamilienhaus errichtet werden. Ob die Stadt dem zustimmen wird, ist noch nicht bekannt.

Der Eigentümer des ehemaligen Edeka-Marktes an der Bruno-Granz-Straße wohnt laut Stadtverwaltung außerhalb von Chemnitz und hat eine ihm bereits erteilte und zuletzt bis Februar 2018 verlängerte Baugenehmigung für die erneute Nutzung des Gebäudes mit Ladeneinheiten verfallen lassen, ohne deren erneute Verlängerung zu beantragen. Aktuelle Vorstellungen des Eigentümers für die Entwicklung der Immobilie lägen dem Rathaus nicht vor. "Solange von dem Gebäude keine Gefahr ausgeht, hat die Stadt keine Eingriffsmöglichkeiten", wird erklärt. Zu den von Anwohnern geschilderten nächtlichen Ruhestörungen in diesem Bereich erklärt die Stadtverwaltung, nach 22 Uhr könnten sich Betroffene an die Polizei wenden.

Eine Anfrage vom Montag zum leer stehenden Markt-Gebäude an der Walter-Ranft-Straße blieb bisher unbeantwortet.

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