Wenn nur ein Umweg sicher zur Schule führt

In Bernsdorf kommen zahlreiche Schüler täglich an einer Kreuzung vorbei, an der es weder Ampel noch Zebrastreifen gibt. Eltern sind besorgt - die Schulleiterin sieht aber kein Problem.

Bernsdorf.

Der Mensch ist ein bequemes Tier, sagt Jana Mittag. Statt Umwege zu laufen, nehme er am liebsten den kürzesten Weg. Da diese Regel nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder gelte, komme es allerdings für einige Schüler der Heinrich-Heine-Grundschule in Gablenz auf ihrem Schulweg immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die Elternsprecherin des an die Schule angeschlossenen Horts "Sonneninsel" hat beobachtet, dass viele Schüler auf ihrem Schulweg die Wartburgstraße an der Kreuzung zur Vettersstraße überqueren - eine Ampel, Verkehrsinsel oder einen Zebrastreifen findet man dort allerdings nicht.

Auch Eyad Al Khudr macht sich deswegen Sorgen. Drei seiner Kinder gehen in die Heinrich-Heine-Grundschule, er hat sich wegen des Problems bei der "Freien Presse" gemeldet. Besondere Sorge bereite ihm, dass viele Autos auf der Wartburgstraße, die Gablenz mit dem Campus der Technischen Universität verbindet, mit überhöhter Geschwindigkeit fahren würden. Zudem problematisch: Viele Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, würden in der Wartburgstraße halten und dabei von anderen Fahrzeugen überholt werden. Dann sei die Situation besonders schwierig einschätzbar. "Selbst ich als Erwachsener tue mich schwer, auf die andere Straßenseite zu kommen", sagt Al Khudr.

Die Schulleiterin sieht die Situation jedoch als unkritisch an. Sie verweist auf eine Ampel an der Kreuzung der Wartburgstraße zur Bernsdorfer Straße. "Das ist ein Umweg von ungefähr 100 Metern. Ein sicherer Schulweg existiert, die Kinder müssen ihn nur gehen", erläutert sie ihre Sichtweise. Hinzu komme, dass es ein "Ding der Unmöglichkeit" sei, an der Kreuzung zur Vettersstraße eine Ampel aufzubauen. Dadurch würde der Verkehrsfluss lediglich unnötig ins Stocken geraten.

Jana Mittag will das nicht gelten lassen - allein wegen des Arguments der Bequemlichkeit. Wenn zumindest ein Zebrastreifen geschaffen werden könnte, würde das bereits helfen. Auch Eyad Al Khudr glaubt, dass nur wenige Kinder mit einem schweren Ranzen auf dem Rücken Extrawege laufen würden. Laut Mittag habe es von Seiten der Elternschaft sogar schon eine Anfrage an Baubürgermeister Michael Stötzer in dieser Sache gegeben. Er habe versprochen, sich der Sache anzunehmen. Seitdem habe sie aber nichts mehr in dieser Hinsicht gehört.

Auf Anfrage der "Freien Presse" sagte Stötzer, dass er das Thema auf dem Schirm habe. Er verspricht, dass sich an der Kreuzung etwas tun werde. Im nächsten oder übernächsten Jahr werde es voraussichtlich im Haushalt der Stadt eingeplant. Welche konkrete Veränderung es geben soll, könne er aber noch nicht sagen. Einen Wink mit dem Zaunpfahl gibt er trotzdem: Vor einiger Zeit habe es an der Stelle mal eine Baustellenampel gegeben, worüber viele Eltern recht glücklich gewesen seien. "Generell ist es natürlich so, dass Ampeln sicherer sind als zum Beispiel ein Zebrastreifen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...