Wie das Rathaus für Ruhe an der Bornaer Straße sorgen will

Die Verbindung zwischen Leipziger und Blankenburgstraße soll in einen Aktionsplan aufgenommen werden. Tempo 30 ist aber nicht vorgesehen.

Borna-Heinersdorf.

Nachdem alle bisherigen Versuche gescheitert sind, Anwohnern und Fußgängern an der Bornaer Straße mehr Ruhe und Sicherheit zu verschaffen, plant die Stadtverwaltung jetzt einen weiteren Schritt. Die Strecke zwischen Leipziger Straße und Blankenburgstraße soll als einer der lautesten Straßenabschnitte von Chemnitz in den Lärmaktionsplan der Stadt aufgenommen werden. In seiner Sitzung am morgigen Mittwoch wird der Stadtrat darüber abstimmen.

Im Lärmaktionsplan, der erstmals 2011 beschlossen und 2017 aktualisiert wurde, sind bisher solche Hauptverkehrsstraßen mit vielen Anwohnern wie der Südring, die Neefestraße, Annaberger, Zschopauer, Dresdner und Frankenberger Straße mit sogenannten Steckbriefen enthalten. Darin werden jeweils die Situation beschrieben und Möglichkeiten zur Lärmreduzierung vorgeschlagen. Ziel sei es, diese Problemstrecken bei städtischen Planungen zu berücksichtigen, um die Lärmpegel unter die Schwelle der Gesundheitsgefährdung zu senken. Regelmäßig soll überprüft werden, welche der empfohlenen Maßnahmen umgesetzt wurden und was sie gebracht haben.

Anwohner der Bornaer Straße beklagen schon seit vielen Jahren vor allem zwei Probleme: zum einen Verkehrslärm besonders von Lastwagen, die vom frühen Morgen bis zum späten Abend und teilweise auch nachts - mitunter schneller als erlaubt - auf dieser Parallelstrecke zur Autobahn 4 zu und von Gewerbegebieten und dem Hauptzollamt unterwegs sind. Zum anderen gibt es an der mehr als zwei Kilometer langen Strecke, die auch Schulweg ist, keine durchgängigen Gehwege und nur wenige sichere Übergänge für Fußgänger.

Zur Lösung beider Probleme forderte eine Bürgerinitiative jahrelang eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30, die von der Stadtverwaltung 2011 auch angeordnet wurde. Drei Jahre später musste sie jedoch auf Weisung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr wieder aufgehoben werden, nachdem ein im Stadtteil ansässiges Unternehmen Widerspruch gegen das Tempo 30 eingelegt hatte.

Nachdem im März dieses Jahres eine Fußgängerin beim Überqueren der Bornaer Straße angefahren und schwer verletzt worden war, hatte das Tiefbauamt erneut einen Tempo-30-Abschnitt ausgewiesen und geprüft, ob im Bereich von Sparkassen- und Postfilialen, Lebensmittelgeschäft, Bäckerei und Bushaltestellen ein oder zwei Fußgängerüberwege angelegt werden können. Zählungen hätten jedoch ergeben, dass die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind, lautete das Fazit.

Auch in den jetzt vorgeschlagenen Steckbriefen für die Abschnitte zwischen Leipziger und Wittgensdorfer sowie zwischen Wittgensdorfer und Blankenburgstraße steht, dass für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf weniger als Tempo 50 keine Ansatzpunkte vorhanden seien. 2017 wurden laut Stadtverwaltung auf beiden Abschnitten zwischen 8000 und 10.500 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden gezählt, jedes 20. davon sei ein Lastwagen gewesen.

Um die Lärmbelastung zu senken, empfiehlt das Umweltamt, bei turnusmäßigen Fahrbahninstandsetzungen weiter sogenannten Flüsterasphalt einzusetzen, wie er bereits zwischen Leipziger und Köthensdorfer Straße aufgebracht sei. Außerdem sollten Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt und geprüft werden, ob ein sogenanntes Dialogdisplay - das sind elektronische Tempo-Anzeigen mit Gesichtsausdruck -aufgestellt werden kann. Ziel, so das Umweltamt, sei ein Interessenausgleich zwischen Lärmschutz, Fußgängern und Sicherung des Wirtschaftsverkehrs.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    5
    DTRFC2005
    24.09.2019

    , @MuellerF:Theoretisch ist das Richtig, doch die 30 als vermutlich regulierender Versuch war absolut nicht das gelbe vom Ei. Die Fußgänger waren dadurch auch nicht wesentlich sicherer, da viele Autofahrer die 30 als Empfehlung sahen und fuhren wie es ihnen genehm war . Fußgänger und vor allem Kinder waren derart Gefrustet, daß sie über die Straße rannten, da sie sonst gar nicht hinüber kamen.

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    1
    MuellerF
    24.09.2019

    Der Lärm ist das Eine- den müssen aber auch andere Anwohner stark befahrener Straßen ertragen. Warum aber in einer Straße, wo teilweise beidseitig Bürgersteige fehlen, keine 30er Zone eingerichtet wird, ist mir unklar. Die Sicherheit für Fußgänger würde sich gegenüber 50 km/h deutlich erhöhen.

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    1
    DTRFC2005
    24.09.2019

    Flüsterasphalt, klingt nett, ist es aber nicht. Es braucht nur ein Rissen oder Löchlein im Belag und schon wird aus Flüstern mehr Lärm als vorher. Es wäre eine gute Idee, nur mal so zum darauf herum kauen, den LKW Verkehr dort hin umzuleiten wo dessen Fracht hin soll. Warum müssen Zollfahrzeuge, Aldi und Netto LKWs u.a schon von der Autobahn Mitte Nord abfahren und über die Bornaerstraße donnern.Warum nicht Glösa abfahren? Der Weg ist zudem kürzer, aber das Teilstück von höchstens 300 Metern mit der 30 auf der Chemnitztal Straße ist vielen wohl zu langsam. Was der Flüsterasphalt wirklich bringt , kann jeder Anwohner ca. ab halb vier in der Früh hören. Dann beginnt der Autobahn Verkehr sich langsam aufzuschlucken, was mehr als überdeutlich zu hören ist.Ich habe ja ganz die nächtlichen Rennfahrer vergessen., die mit quietschenden Reifen des Nächtens die Wittgensdorfer, Leipziger und Bornaer Straße Runde drehen. Liebe Polizei oder Ordnungshüter, hier könnte man ganz viel Geld in Kurzer Zeit einnehmen, würde man ein paar Blitzer aufstellen.



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