Wie es mit den Großprojekten in der Chemnitzer Innenstadt weitergehen soll

Neben den Vorhaben an der Johanniskirche und am Tietz stehen weitere Konzepte im Fokus von Bauleuten und Stadtplanern. Die Chemnitzer sollen ein Wort mitreden.

1 - Neuer Firmensitz Eins: Die Arbeiten auf der aktuell größten innerstädtischen Baustelle liegen nach Angaben von Baubürgermeister Michael Stötzer im Plan. Zwischen Archäologiemuseum Smac und dem Johannisplatz entstehen ein Hotel und der neue Unternehmenssitz des Energieversorgers Eins, im Hinterhof zudem ein Parkhaus. "Der Rohbau soll im Frühjahr 2020 fertig sein", so Stötzer. Für den derzeitigen Unternehmenssitz - das sogenannte Stadtwerkehaus an der Augustusburger Straße - könnte sich die Stadt eine Umnutzung zum Wohnhaus vorstellen. "Neue Wohnqualität wird in der Innenstadt ja sehr gut nachgefragt", gibt Stötzer zu bedenken. "Büros wären aus unserer Sicht aber auch in Ordnung", so der Bürgermeister.

2 - Wohnen und Einkaufen am Getreidemarkt: Die archäologischen Grabungen auf dem einst vor allem als Parkplatz genutzten Areal zwischen Loh- und Innerer Klosterstraße haben länger gedauert als erwartet. Doch im Herbst sollen laut Rathaus die dort verlaufenden Versorgungsleitungen umverlegt werden. Der Bau eines neuen Wohn- und Geschäftskomplexes einschließlich eines großen Einkaufsmarktes wird sich voraussichtlich über rund zweieinhalb Jahre hinziehen. Dank einer Tiefgarage soll sich die Anzahl der Stellplätze im Vergleich zur Situation vorher in etwa verdoppeln.

3 - Stadthallenpark: Eines der umstrittensten Projekte ist die mögliche Bebauung eines Teils der Grünanlage zwischen Galerie Roter Turm und Brückenstraße. Laut Baubürgermeister Stötzer will die Stadt das Thema kommenden Monat auf der internationalen Immobilienfachmesse Expo Real in München vorstellen. Von einer solchen Bebauung entlang der Straße der Nationen verspricht sich insbesondere der Einzelhandel Belebungseffekte für den Einkaufsstandort Innenstadt. Unter den Chemnitzern und auch im Stadtrat gehen die Meinungen indes auseinander. Anfragen bei großen Einzelhandelsketten seien bislang ebenfalls auf eine eher mäßige Resonanz gestoßen, heißt es. "Wenn man dort unbedingt bauen will, dann muss es schon einen guten Grund geben", so Stötzer. Befürworter verweisen unterdessen darauf, dass nach der geplanten Umgestaltung der Brückenstraße im Zuge des Baus einer neuen Straßenbahnverbindung auch dort künftig mehr Grün zu finden sein wird als heute. Ein Neubau am Rande des Parks fiele mithin weniger ins Gewicht.

4 - Behördenkomplex Brückenstraße: Weil er zwischen Innenstadt und Brühlviertel wie ein Riegel wirkt, ist der in den 1970er-Jahren entstandene Bürokomplex nicht unumstritten. Der Freistaat Sachsen als Eigentümer hält ihn für unentbehrlich, will im Hinterhof sogar noch weitere Bürogebäude errichten, unter anderem für die Landesdirektion und mehrere Gerichte. Ab dem kommenden Jahr soll der Komplex trockengelegt und die Fassade erneuert werden. Um die Barrierewirkung zu verringern, war zwischenzeitlich auch ein größerer Durchbruch diskutiert worden. Stadtplaner aber halten das nach Rathausangaben mittlerweile für keine gute Idee mehr. Ein allzu großer Durchbruch würde ihrer Einschätzung nach zu viele Passanten von der Straße der Nationen abziehen, die wiederum zu einer Haupteinkaufsstraße entwickelt werden soll. "Sogenannte Lauflagen fehlen uns in Chemnitz bislang", sagt Jörg Knöfel vom Einzelhandelsausschuss der Industrie- und Handelskammer.

5 - Theaterquartier: Mit annähernd zwölf Hektar ist das Viertel zwischen Karl-Marx-Monument, Stadtbad, Busbahnhof und Straße der Nationen deutlich größer als die Kern-Innenstadt rund ums Rathaus. Nach Überlegungen von Stadtplanern sollen dort die unbelebten Grünflächen und Hinterhofparkplätze innerhalb mehrerer Jahrzehnte grundlegend umgestaltet werden - in Anlehnung an die frühere Karreebebauung. Das Gebiet ist derzeit gekennzeichnet sowohl von markanten Gebäuden wie dem Opernhaus als auch von Plattenbauten. Auch ein neues Schauspielhaus soll dort in Nachbarschaft zur Oper entstehen - ob unmittelbar dahinter oder im Bereich Schillerplatz/Karl-Liebknecht-Straße, ist noch offen. Noch für dieses Jahr plant die Stadtverwaltung laut Baubürgermeister Michael Stötzer zu diesen Überlegungen eine große Bürgerbeteiligung. "Wir wollen die Chemnitzer miteinbeziehen", kündigte er an.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 16
    8
    701726
    04.09.2019

    Wir haben ja noch keine leer stehenden Bürogebäude und Bäume haben wir auch viel zu viele in der Stadt und die wunderschöne Blumenrabatte am Stadthallenpark muß auch weg macht doch viel zu viel Arbeit. Hauptsache die Herrschaften die dies beschließen haben ein groooßes Haus mit grooooßen Garten . Alles Wahnsinn und Geld zum einkaufen hat die nächste Generation bei den Löhnen und Renten auch nicht mehr.

  • 15
    6
    Deluxe
    04.09.2019

    Und gleichzeitig spricht man vom Klimawandel, wird die Hitze in dicht bebauten Innenstädten immer unerträglicher und ist von grünen Lungen und Mikroklima die Rede.

    Na was denn nun?

    Das sozialistisch gestaltete Zentrum Karl-Marx-Stadts hatte bei all seinen Nachteilen einen großen Vorteil:
    Licht und Luft in der Innenstadt.
    Das alles wird jetzt rückgängig gemacht. Stadthallenpark, Johanniskirchplatz und all die Häuser, die seit 1990 errichtet wurden. Gerade auch rund ums Rathaus.

    Man sollte sich überlegen, ob die Betonierung innerstädtischer Parkanlagen noch zeitgemäß ist

  • 24
    8
    MuellerF
    04.09.2019

    " Stadthallenpark: [...]Von einer solchen Bebauung entlang der Straße der Nationen verspricht sich insbesondere der Einzelhandel Belebungseffekte für den Einkaufsstandort Innenstadt. Unter den Chemnitzern und auch im Stadtrat gehen die Meinungen indes auseinander. Anfragen bei großen Einzelhandelsketten seien bislang ebenfalls auf eine eher mäßige Resonanz gestoßen, heißt es.[...]"

    Es steht eher zu vermuten, dass sich der Bauherr Kellnberger mit diesem Projekt "Belebungseffekte" für sein Konto verspricht. Dafür soll der einzige wirklich innerstädtische Park (der sowieso eher klein ist) teilweise verbaut werden-dieser Unsinn muss verhindert werden!



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