Wie sich Chemnitz innerhalb eines Jahrhunderts verändert hat

Krieg, Abrisse und Neubauten haben der Stadt an vielen Stellen ein völlig anderes Gesicht gegeben. Das dokumentiert jetzt ein weiterer Bildband.

Zentrum.

Wären da nicht der Schloßteich und der Küchwald, könnte man annehmen, auf zwei verschiedene Städte zu blicken. Doch beide Luftbilder zeigen die Chemnitzer Innenstadt, Teile des Kaßbergs und des Schloßbergs - im Abstand von 90 Jahren. Vor allem im Zentrum sind bis auf die Rathäuser und die Jakobikirche kaum ein Gebäude und kaum ein Straßenverlauf auf beiden Fotos dieselben.

Was für Passanten am Boden nur schwer nachzuvollziehen ist, machen Luftbilder aus ähnlichen Perspektiven dokumentarisch deutlich - die Veränderungen ganzer Stadtgebiete durch Krieg, Abrisse und Neubauten. Aus dieser Überlegung heraus starteten Ballonfahrer vom Chemnitzer Verein für Luftfahrt und der Verlag Heimatland Sachsen vor mehreren Jahren ein ungewöhnliches Projekt. Auf der Grundlage von Luftbildern aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, von denen sich die meisten in den Privatarchiven von Vereinschef Christian Köhler und Verlagsgeschäftsführer Jörn Richter fanden, fertigten Ballonfahrer auf ihren Luftreisen neue Fotos aus möglichst den gleichen Höhen und Blickwinkeln.

"Chemnitz - Luftbilder im Jahrhundertblick" heißen dieses Projekt und ein Bildband, dessen erster Teil vor genau einem Jahr im Verlag Heimatland Sachsen erschienen ist. Begleitet wurde seine Präsentation von einer Ausstellung großformatiger Bildpaare in der Galerie Roter Turm. Die Aufnahmen zeigten vor allem die Innenstadt, den Kaßberg und das Schloßviertel. Die Ausstellung stieß auf so großes Interesse, dass sie im diesjährigen Sommer noch einmal an gleicher Stelle wiederholt wurde.

Schon bei der Premiere im September 2018 hatten Richter und Köhler angekündigt, dass in diesem Jahr ein zweiter Teil des Bildbandes folgen wird. Denn zu den noch unveröffentlichten Fotos aus ihren eigenen Archiven kamen weitere Aufnahmen hinzu, die nach Erscheinen des ersten Teils und damit einhergehenden Aufrufen in der "Freien Presse" von Chemnitzern zur Verfügung gestellt wurden. Und die Ballonfahrer, die im Laufe der vergangenen Jahre auf etwa 200 Fahrten insgesamt mehr als 60.000 Luftbilder angefertigt haben, fanden darunter genügend Fotos, die sich für Bildpaare zum Vergleich mit dem Aussehen bestimmter Stadtgebiete vor 80 bis 100 Jahren eigneten.

Am Freitagnachmittag ist es nun soweit. Auf der Kinoebene der Galerie Roter Turm präsentieren Köhler und Richter als Herausgeber ab 16 Uhr den zweiten Teil des Bildbandes. Auf insgesamt 100 Seiten enthält er 46 Bildpaare - eines mehr als der erste Teil. Im Mittelpunkt stehen diesmal Aufnahmen von Industriestandorten wie den Hartmann- und den Wanderer-Werken, der Kauffahrtei und der Schönherrfabrik und damit auch von heutigen Chemnitzer Stadtteilen. Vertreten sind beispielsweise Altchemnitz, Altendorf, Bernsdorf, Rabenstein, Schönau und der Sonnenberg.

Bei der heutigen Präsentation wird Christian Köhler erklären, wie akribisch die Ballonfahrten geplant werden mussten, damit die gewünschten Luftbilder von dem nicht steuerbaren Fluggerät aus gelingen. Jörn Richter wird über historische Chemnitzer Industriestandorte sprechen. "Nachdem die Unternehmen bis dahin für Druckgrafiken oft aus der Perspektive von Luftbildern gezeichnet worden waren, wurden sie in den 1920er-Jahren tatsächlich von Flugzeugen aus fotografiert", so der Verleger. Außerdem wird der Unternehmer Lars Fassmann über die Architektur des Sonnenbergs in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sprechen.

Buchpräsentation "Chemnitz - Luftbilder im Jahrhundertblick" Teil 2, am heutigen Freitag, 16 Uhr, in der Galerie Roter Turm, Kinoebene, Eintritt frei.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...