Wiederbelebt: Aus alter Platte wird neuer Kindergarten

"Fridolin" heißt die Einrichtung in Kappel, die gestern ihre Türen öffnete. Auf dem Weg, den Mangel an Betreuungsplätzen zu beheben, ist sie nur ein kleiner Schritt.

Kappel.

Als Neubau geht die Kindertagesstätte Fridolin nicht durch. Aber eine neue Ausstattung, Sanitäranlagen und ein farbenfroher Anstrich haben aus dem Plattenbau, der als Übergangs-Kita diente, wenn andere Kindergärten saniert wurden, ein Haus gemacht, in dem sich Kinder wohlfühlen können.

Am Freitag beginnt der Betrieb der Einrichtung an der Straße Usti nad Labem unter der Regie der Kindervereinigung Chemnitz. Der Verein betreibt insgesamt sechs Kindergärten. Den Zuschlag für die neue Einrichtung erteilte der Stadtrat im Oktober 2015. Darum sei nicht viel Zeit geblieben. "Wir konnten nicht die Welt einreißen", sagt Mathias Hofmann, geschäftsführender Vorstand. Die zehn Pädagogen, darunter zwei Männer, werden ab Freitag zunächst für neun Kindergarten- und neun Krippenkinder da sein. Monatlich werden es dann mehr Kinder, bis im September die volle Belegung mit 66 Kindergarten- und 24 Krippenkindern erreicht sein wird, erklärt Hofmann.

Obwohl in Chemnitz die Kita-Plätze nicht ausreichen, habe es keine massenhaften Anmeldungen für Fridolin gegeben, sagt Hofmann. Er erklärt das damit, dass die meisten Eltern einen Platz in Wohnortnähe suchen würden. Allerdings gebe es durchaus Eltern, die aus ganz anderen Stadtteilen kommen. Dazu gehören Michael und Brunhild Schlegel. Das Paar lebt in Reichenhain, doch Sohn Christoph wird ab September die Kita Fridolin besuchen. Er wird dann ein Jahr alt sein. In der Straße, in der die Eltern wohnen, gibt es zwar eine Kita. Die hätte ihre Anmeldung aber entgegengenommen und erst ein halbes Jahr später gesagt, dass sie gar keine so jungen Kinder aufnehme. Für viele andere Kitas sei es dadurch zu spät gewesen, sie waren voll. Darum seien sie nun erleichtert, sagen die Eltern. Ein Zufall versüßt ihre Wahl: Michael Schlegel besuchte selbst als kleines Kind genau diesen Kindergarten.

Einen weiten Weg hätte auch Susann Josefus in Kauf genommen. Zwei ihrer Kinder besuchten bereits eine Einrichtung der Kindervereinigung. Für ihren jüngsten Spross, die drei Monate alte Liv, habe sie das auch gewollt, sagt sie. Da sie in Schönau wohnt, habe sie es nun aber gar nicht weit. Liv soll ab Januar die Kita besuchen. Ob das wirklich klappt, sei aber noch unklar, denn eine Zusage werde sie erst im Sommer erhalten. "Bis dahin sitzt man auf heißen Kohlen", sagt die Mutter.

Die 139 Kindergärten der Stadt sind nahezu ausgebucht. Darum hat die Stadt beschlossen, neue Kitas von freien Trägern errichten zu lassen. Aktuell saniert der Caritas-Verband auf dem Sonnenberg einen Plattenbau, um dort im Herbst 2017 eine Kita zu eröffnen. Komplett neu gebaut werden wird in Altendorf, Reichenbrand und auf dem TU-Campus. Sie sollen im Januar 2017 ihren Betrieb aufnehmen. Insgesamt entstehen so rund 500 neue Plätze. Das wird allerdings nicht genügen. Wie viele genau gebraucht werden, analysiere die Stadtverwaltung derzeit, sagte eine Sprecher. Die Bedarfsplanung 2017/2018 soll dem Stadtrat im Juni vorgelegt werden.

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