Zeitung im Unterricht: Das lesen die Lichtenauer Oberschüler

Wie entsteht eigentlich die "Freie Presse"? Antworten auf diese Frage bekommen Schüler bei einem Projekt. Neuntklässler haben noch andere Beweggründe, die Tageszeitung zu lesen.

Lichtenau.

Der "Freie Presse"-Bericht auf der Seite Zeitgeschehen vom Dienstag ist nicht aktuell, dafür sehr lang, hat ein schwarz-weißes Foto als Illustration. All das sind keine Kriterien, warum junge Leute den Artikel "Die Wochenkrippenkinder" von Ulrike Abraham lesen würden. Aber für die 21 Schüler der Klasse 9b der Oberschule Lichtenau ist das anders.

Es ist Dienstagvormittag, eine Doppelstunde Deutsch bei Kerstin Zenkner. Die Neuntklässler beteiligen sich am Projekt "Zeitung im Unterricht". Vier Wochen lang lesen sie die "Freie Presse". Von der Deutschlehrerin erfahren sie, dass es verschiedene Genres wie Nachrichten, Reportagen, Interviews und Porträts gibt, die informierend sind. Meinungsäußernde Beiträge sind hingegen Kommentar, Leitartikel und Rezensionen. So viel zur Theorie. Selbst müssen sie anhand der aktuellen Zeitung die Artikel einordnen. Doch zuerst wird ausgewählt, gewichtet und diskutiert - beispielsweise über die Krippenkinder.


"Ich bin heute früh selbst neugierig auf den Artikel geworden", sagt die 59-jährige Lehrerin. Sie habe allerdings noch keine Zeit gehabt, ihn vollständig zu lesen. Aber das Thema sei interessant, das habe auch ein Gespräch im Kollegenkreis ergeben. Einige erzählten, dass es in der Region zu DDR-Zeiten auch eine Wochenkrippe gegeben habe. Mütter, die in rollender Woche arbeiteten - also Schichtarbeit in einem Betrieb, in dem 24 Stunden lang produziert wird - , gaben Montagfrüh ihr Baby in die Krippe und holten es am Freitagnachmittag wieder ab. "Das wäre nichts für mich gewesen", sagt eine Schülerin. Die Lehrerin pflichtet ihr bei. Im Beitrag wird eine Mutter vorgestellt, die ihr erstes von drei Kindern aus Mangel an Kindereinrichtungen in einer Wochenkrippe betreuen ließ. Hat es den Kindern geschadet oder nicht?, ist die Frage. Eine Studie hat dazu neue Erkenntnisse hervorgebracht.

Doch nicht alle Schüler interessieren sich für diesen Artikel. "Für mich war heute der Fußball das Wichtigste", sagt Max Walther. Der 15-Jährige spielt selbst aktiv in der B-Jugend von SV Wacker Auerswalde. Er habe das Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Nordirland nicht im Fernsehen gesehen und so interessiere ihn jetzt das Ergebnis und der Bericht. Auch Vincent Kroll hat zuerst den Sport-Teil aufgeschlagen, selbst aktiver Fußballer bei Ifa Chemnitz. Dann interessieren noch die neuesten Informationen über Johnson und den Brexit sowie das Elektroauto aus Zwickau.

"Für mich sind die Kreuzworträtsel spannend", sagt Nora Schumann. Fast täglich löse sie eins, manchmal auch mit Hilfsmitteln, gesteht die 14-Jährige. Shoshana Hösel gibt zu, dass sie generell viel liest, "vor allem dicke Bücher", so die 14-Jährige. Sie will Erzieherin werden. Lilli Török hält die Zeitung vom Vortag hoch. "Ich bin am Beitrag ,Vermisst im Osten' hängengeblieben", sagt die 16-Jährige. Das Schicksal eines verschollenen Urgroßvaters habe sie sehr bewegt. Die Geschichten interessierten sie auch im wahren Leben. Deshalb wolle sie Polizistin werden und bei der Kripo arbeiten.

Schnell ist die Doppelstunde vorbei. Die Klingel ertönt. Die Schüler wollen am liebsten weitermachen und schlagen der Deutschlehrerin vor, andere Fächer zu streichen. Seit drei Jahren unterrichtet Kerstin Zenkner die Klasse und will sie bis zur zehnten Klasse führen. "Bei den Prüfungen wird auch Wissen zur Zeitungsarbeit verlangt", sagt die Chemnitzerin. Das Zeitungsprojekt sei dabei ein gute Möglichkeit, abwechslungsreich und interessant das Thema zu ergänzen. Am Ende des vierwöchigen Projektes sollen die Schüler eine Zeitung aus verschiedenen Genres selbst gestalten.


Was bedeutet Zeitung im Unterricht?

Das Projekt "Zimu - Zeitung im Unterricht" gibt Schülern der Klassen

7 bis 10 Gelegenheit, vier Wochen die "Freie Presse" kostenlos zu lesen und so einen Einblick in die Zeitung zu bekommen. Hauptprojektpartner ist der Energieversorger Envia M. Der Weg durch die Medienwelt kann auch via Tablet begleitet werden. Die Firma Komsa AG Hartmannsdorf stellt dafür mehrere Klassensätze an Tablets zur Verfügung. Anmeldungen für das Zimu-Projekt, speziell von Tabletklassen, werden noch angenommen. Auch eine Besichtigung des Druckhauses der "Freien Presse" ist möglich.

Ab September beteiligen sich neben der Oberschule Lichtenau auch die Pestalozzi-Schule in Limbach-Oberfrohna, die Europäische Oberschule Hartmannsdorf und Chemnitzer Schulen am Zimu-Projekt. Anmeldungen durch die Schulen sind jederzeit noch online möglich unter www.freiepresse.de/zeitung-im-unterricht

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...