Zwei-Meter-Frau will groß rauskommen

Eine Hausfrau und ihr riesiger Auftritt, ein Eismacher und sein verrückter Kollege, eine Künstlerin und ihre rituelle Kunst.

Tanja Luckau, Hausfrau und Mutter von vier Kindern, hat Großes vor. Mit 1,95 Meter vom Scheitel bis zur Sohle gehört sie zu den besonders hochgewachsenen Frauen Deutschlands. Eine Hamburger Agentur, spezialisiert auf Damen mit Sonder- maßen, will die Chemnitzerin nun ganz riesig rausbringen. "Wir werden sie zu einer bundesweiten Marke aufbauen", so Agenturinhaber Heiko Weßling. "Gerade für Modenschauen, TV-Auftritte oder Werbefilme werden echte Typen gesucht." Als Tanja Luckau ihrem neuen Manager am Freitag in ihrer Wohnung auf dem Sonnenberg zuhörte, schaute sie zunächst skeptisch. "Eigentlich bin ich schüchtern", sagte sie. "Und auf so hohen Schuhen habe ich auch noch nie gestanden." Für ein Fotoshooting am Nachmittag in der Innenstadt hatte Weßling der 29-Jährigen Stiefel mit Mega-Absatz aus seinem Agenturfundus mitgebracht. Mit den hohen Hacken wuchs Tanja dann auf satte zwei Meter und neun Zentimeter an. "Da passe ich ja nicht mehr durch meine Wohnzimmertür", rief sie aus. Klar, DIN-genormt wie in Deutschland üblich, sind die meisten Türen ja auch nur knapp 1,99 Meter hoch. Und bei allem Spaß rund um Tanja Luckaus Aussichten auf eine Modelkarriere: Ein Zuckerschlecken ist das Leben mit einer solchen Größe für eine Frau nicht gerade. "Es fällt mir schwer, einen Job zu finden. Eine Lehre zur Malerin und Lackiererin musste ich absagen, weil sie körperlich einfach zu anstrengend für mich war", so Luckau. Außerdem werde sie im Supermarkt ständig gefragt, ob sie etwas aus dem oberen Regal holen könne. "Das tue ich natürlich gerne", sagte Tanja. "Schön wäre es aber, wenn ich dabei nicht jedes Mal mit 'junger Mann' angesprochen werden würde." Probleme, einen Partner zu finden, hatte sie allerdings nicht. Ihr Lebensgefährte Frank ist mit 1,83 Metern zwar einen Kopf kleiner als seine Freundin. Das sei ihm aber schnuppe. "Als ich sie kennenlernte, saß sie auf einer Bank", erinnerte er sich. "Als sie aufstand, dachte ich zunächst zwar: Oh je. Aber da hatte sie mich schon längst verzaubert."

Andreas Marschner, Eismacher und Cafébetreiber, schrammte am vorvergangenen Wochenende ganz knapp an der zweiten Runde im Wettbewerb um den besten Eiskreateur der Welt vorbei. Bei einer Messe im italienischen Rimini landete er in seiner Qualifikationsgruppe auf Platz zwei und verpasste damit den Einzug ins nächste Level. Der Chemnitzer ließ sich davon aber nicht die Laune verderben, sondern machte einen auf "Jetzt-erst-recht" und alberte mit Matthias Münz, einem Kollegen aus München, herum. Nicht irgendein Kollege. Münz gilt als verrücktester Eismacher Deutschlands, sorgte mit ausgefallenen Ideen wie Eis mit Weißwurst-, Sauerkraut- und Biergeschmack bundesweit für Furore. Noch dazu soll es in seiner Eisdiele in der bayerischen Hauptstadt aussehen wie bei Alice im Wunderland und aus den Boxen sollen Kinderlieder dröhnen. Will sich Marschner davon nun eine Scheibe abschneiden? "Nein, nein, unser Laden bleibt so wie er ist", sagte er gestern. "Aber es spricht doch nichts dagegen, mit Kollegen verrückte Ideen zur Eisproduktion auszuhecken." Zumal Marschner seinem verrückten Mitbewerber aus Bayern kaum nachsteht. "Bier-Eis habe ich auch schon hergestellt. Das war mal ein Gag zum Männertag", so der Chemnitzer. "Und auch Eis mit Tomate-Tabasco- und Gorgonzola-Aromen gab es bei uns schon."

Lydia Thomas, Künstlerin, hat ihren Lebensmittelpunkt von München zurück nach Chemnitz verlegt. Nach ihrem Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste hat sie nun ein Atelier in der Nähe des Stadtparks bezogen. "Ich kann hier hervorragend arbeiten", sagte sie am Freitag. Da lag sie in den letzten Zügen zur Vorbereitung ihrer aktuellen Ausstellung in der Innenstadt- galerie von Bernd Weise. Gemeinsam mit ihrer Akademiekollegin Brigitte Stenzel zeigt sie dort ab morgen Werke unter dem Titel "Ritus". "Kunst an sich ist für mich sehr rituell", so Lydia Thomas. "Bei ihrer Entstehung verfolge ich eine gewisse Arbeitsordnung." Kunst sei aber auch entlarvend, könne manchmal Masken sprengen. Mit dem Bild der Maske spielt sie auch in ihren Arbeiten: "Weil Masken etwas Mystisches, Geheimnisvolles und auch Beängstigendes an sich haben."

Marko Bullack, Darsteller am Schauspielhaus, musste am Sonntag doppelt ran. Er sprang für einen erkrankten Kollegen ein und wechselte dafür spontan an die Oper. Die Geschichte: Thomas Mäthger, mit mehreren Rollen im Stück "Südseetulpen" bedacht, musste sich vor der Aufführung krank melden. Schauspieler Marko Bullack wurde gefragt, ob er die drei Rollen Mäthgers übernehmen könne. Nun ist Bullack aber kein Sänger. "Deshalb sprang er auch nur für das szenische Spiel ein. Den musikalischen Part übernahm kurzerhand André Eckert, als Sänger vom Bühnenrand aus", erklärte Theatermitarbeiterin Uta Thomsen gestern. "Die ungewöhnliche Besetzung galt für die Vorstellungen am 21. und 29. Januar." Nur, am Sonntag kam noch dazu: Bullack war auch in seinem eigentlichen Job im Schauspielhaus gefragt. Denn nur drei Stunden nach dem Start der Operette "Südseetulpen" begann im Schauspiel die Komödie "Außer Kontrolle". Stress pur für Bullack. Damit er überhaupt pünktlich zu seiner Komödie antreten konnte, wurde er, ohne Blaulicht zwar, aber mit ordentlich Geschwindigkeit von der Oper ins Schauspielhaus chauffiert.

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