Ich sitze im Intercape Bus von Rundu nach Windhoek und verarbeite gedanklich die letzten Stunden.

Am Vorabend stehen Angestellte der n'Kwazi Lodge vor meinem Bungalow. '"Hast Du Kleidungsstuecke fuer uns uebrig?" Ich hatte schon Einiges bereitgelegt. Ich gebe, was ich entbehren kann. "Teilt alles auf! ... Schuhe?... Ich habe nur drei Paar: Wandersandalen, Crocs und Sportschuhe, die benoetige ich alle." 'Welch Reichtum', lese ich in ihren Augen.
Heute Abend verabschieden wir uns alle mit Wehmut und vielen Umarmungen.  "Du tust so viel fuer unsre gesamte Gemeinde. Wir schaetzen Dich. God bless you - Gott beschuetze Dich. Bleib gesund und komme bald wieder." Valerie und Wynand, die Wirtsleute, bringen mich mit ihrem Auto nach Rundu. Wir warten. Eine Stunde ist der Bus bereits ueberfaellig. "Vor einem Jahr kam der Bus erst morgens 5:20 Uhr und zuckelte bis Tsumeb, wo er repariert werden konnte", hoere ich hinter mir. Zum Glueck hat mein Bus nur 80 Minuten Verspaetung. Ich darf wegen ueberfuellung meinen Rucksack nicht wie sonst in den Bus mitnehmen. Der Rucksack landet im Anhaenger. "Aber bitte sei vorsichtig, da sind zerbrechliche Dinge drinnen." Erst viel spaeter realisiere ich, dass meine Kamera und vor allem auch meine warmen Sachen nun im Anhaenger sind. Nach 3 Uhr wird es empfindlich kalt. Der junge Herr neben mir laesst immer wieder seine langen Oberschenkel auf meine Beine fallen. Er ist im Tiefschlaf. Ich sitze schon die ganze Zeit unangenehm eingeengt und friere. Neidisch schiele ich auf die Nachbarsitze. Hier teilt eine Mitreisende ihr gesamtes Bettzeug - Kopfkissen mit Steppdecke in rosa-weiss-karierter Flanellbettwaesche. Beim naechsten Busstopp frage ich die Besatzung nach einer Decke. "Nein, haben wir nicht, aber wir drehen die Klimaanlage zurueck." Ich lege meine Arme - dank Yoga - in voller Laenge auf den Ruecken und presse sie gegen die Lehne. Ploetzlich schubst mich die Dame mit dem Bettzeug an und legt mir ihre Fleecejacke auf die Beine "Bis Windhoek." "Oh, thank you so much." Mir rollen auf einmal Traenen uebers ganze Gesicht. Die ganze Anspannung der letzten Zeit loest sich.
Es war eine schoene aber auch anstrengende und zu kurze Zeit mit Erfolgen und auch Misserfolgen, kein Urlaubsgenuss, wie mancher vielleicht vermutet. Ich musste erneut erst vieles akzeptieren. Die Uhren gehen anders

Manches Mal war ich verzweifelt. Warum tu ich das? Jedoch beim Abschied, auf die entscheidende Frage aller, antworte ich:
"Ich komme naechstes Jahr wieder - wenn ich gesund bleibe."

Weitere Blog-Einträge