Ich sitze im Flugzeug nach Doha und kann mich nicht auf die angebotenen Filme konzentrieren. Zu sehr beschäftigt mich all das Erlebte in den letzten drei Wochen.

Einige Schüler aus unserem Mayana Mpora Projekt haben den finanziell sehr kritischen Schritt gewagt zum Studium nach Windhoek zu gehen. Es ist nicht einfach sich durchzukämpfen. An der Universität in Rundu haben die erfolgreichen Absolventen der 12. Klasse nur die Möglichkeit ein Lehrer-, oder Ökonomiestudium  und seit diesem Jahr auch ein Studium zur Krankenschwester aufzunehmen. Alle anderen Studienrichtungen werden nur in Windhoek angeboten.

 

 

Für meinen letzten Tag in Windhoek treffe ich mich mit Studenten aus derKavangoregion zum Frühstück. Es ist ein sehr effektiver Gedankenaustausch. Jonas hat seine Ausbildung zum Dieselmotoren Mechaniker aufgeben müssen, wegen eines Finanzlecks, wie er selbst esbezeichnet. Er arbeitet inzwischen in einer KFZ-Werkstatt und kann später hoffentlich seine Ausbildung fortsetzen. Katarina studiert Sozialarbeit im zweiten Jahr und hat das Glück, erst nach dem Studium die Studiengebühren begleichen zu müssen. Moses studiert Pharmazie, diese Studienrichtung wurde leider um ein Jahr gekürzt, er will sich deshalb später um den Masterabschluss kümmern. Soweit es ihm möglich ist, absolviert Moses in der Krankenhausapotheke seine Praktikas und plant im Oktober in einer Apotheke in Rundu zu arbeiten. Das Arztstudium sollte auch um ein Jahr gekürzt werden, wie er berichtet. Dagegen haben sich die Studenten vehement und erfolgreich gewehrt. Eine Ärztin aus Deutschland, die inzwischen in den USA lebt, verbringt regelmäßig mehrere Monate im Jahr in Namibia und arbeitet hier in verschiedenenKrankenhäusern. Sie bestätigtemir, dass die Mediziner in Namibia eine gute Ausbildung erhalten und durchaus mit deutschen Ärzten mithalten können. "Ein Glück, dass die Studenten die Kürzung des Studiums verhindern konnten", sagt sie.

Ich erzähle den Studenten eine Begebenheit, die ich während meines letzten Besuches in der Mayana Grundschule erlebte. Ich laufe auf dem Schulhof entlang. Die Klassenzimmer sind wie gewöhnlich immer offen. Zwei Mädchen der zweiten Klasse, 7 Jahre alt, knien vor ihren Mitschülern und stemmen je einen schweren Stuhl mit ausgestreckten Armen nach oben. Die Lehrerin steht mit verschränkten Armen daneben und passt auf, dass die Kinder nicht schwach werden. Die Stühle bestehen aus Eisengestellen mit zwei Brettern.Ich gehe in das Klassenzimmer hinein und spreche eines der beiden Mädchen an, "Lelly, was machst Du denn da?". Erschrocken schickt die Lehrerin die beidenMädchen zurück auf ihren Platz. Ich unterhalte mich noch kurz mit der Lehrerin, um die Situation etwas zu entschärfen. Während meines Berichtes darüber an die Studenten fällt Katarina mir sofort ins Wort. Ja, wir mussten unsere Handtellerausgestreckt hinhalten und dann haben die Lehrer beim Schlagen den Stock diagonal darüber gezogen. Am Schlimmsten war es, wenn wir alle Fingerspitzen zusammenhalten mussten. Von diesen Schlägen bekamen wir geschwollene Fingerkuppen und konnten vor Schmerzen nicht schreiben. Ich glaube fast, dass Katarina in dem Moment jene Schmerzen wieder spürt, während sie mir mit Nachdruck die angewiesene Fingerhaltung vorführt. 

Ich erinnere mich an ähnliche Berichte meiner Großmutter. Sie war allerdings 1891 geboren. 



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