In unserem Projekt Mayana Mpora Foundation unterstützen wir seit vielen Jahren eine Großmutter mit den zwei ihr anvertrauten Enkelkindern, Bernita ist inzwischen zwölf Jahre alt und Bela Fine acht Jahre alt.


Mit Hilfe von Sponsoren bekommen diese Kinder jährlich eine neue Schulkleidung und Schulmaterial. Des weiteren bringen wir monatlich zur Familie 20 Kilogramm Maismehl und von Zeit zu Zeit zusätzliche Nahrungsmittel und Kaltwaschmittel. Die Patenfamilie von Bernita schickt mir vor jeder meiner Reisen ein Päckchen für ihr Patenkind, welches ich zusammen mit zusätzlicher Kleidung für das zweite Mädchen zur Großmutter nach Hause bringe. Solange Großvater Andreas noch lebte, standen drei spärliche Hütten im Kraal der Familie. Nachts arbeitete Andreas als Wachmann in der N‘Kwazi Lodge und ab und an besserte er die Hütten aus. Eine Hütte beherbergte die Schlafstätte der Großeltern und die zweite Hütte, dessen Dach der Großvater mit Reetgras neu gedeckt hatte, diente als Schlafzimmer der beiden Kinder. Die dritte, sehr baufällige Hütte, diente als Küche. Ein paar wenige Mais- und Hirsepflanzen wuchsen während der Regenzeit am Rand des Kraals. Seit der Großvater vor etwa fünf Jahren verstorben ist, merken wir, dass die Kinder unterversorgt sind. Während jedes meiner Aufenthalte besuche ich zusammen mit Marcus die Großmutter. Wir sprechen eindringlich mit ihr bezüglich der Nahrung für die Kinder und ebenso über ihre notwendige Anleitung der Kinder zum Wäsche waschen. Die Großmutter ist nicht gewillt den Kindern beizubringen, wie am Fluss Wäsche gewaschen wird. Andere sechs- oder siebenjährige Kinder kommen zurück vom Fluss mit sauber gewaschener Schulkleidung. Ich bitte diese Kinder, doch einmal die Kinder der Großmutter mit zum Fluss zu nehmen und ihnen dieses beizubringen. Wenn ich in die Schule komme, schämt sich das zwölfjährige Mädchen jedes Mal wegen ihrer schmutzigen Kleidung. Von der Großmutter hörte ich nur die Entschuldigung, sie habe kein Kaltwaschmittel und so brachte ich häufig welches aus Rundu mit. Es hat lange gedauert, doch inzwischen festigt sich der Gedanke in mir, dass meine meisten Gaben bei ihren Nachbarn in Bier umgesetzt werden. 

Anlässlich meiner Kinderfeste bringt Bernita regelmäßig eine Plastiktüte mit und verstaut alles Essbare darin, um dies mit nach Hause zu nehmen, während ihre kleinere Schwester alles vor Ort verzehrt.

In der Schule erfuhr ich erstmalig Ende letzten Jahres, dass die beiden Kinder das Klassenziel wegen öfteren Wegbleibens von der Schule nicht erreichen werden. Als Entschuldigung dafür berichtet das größere Mädchen den Lehrern, dass sie hungrig seien und sie nicht genug Kraft für den weiten Weg zur Schule haben. Wenn sie dann von der Schule nach Hause kämen, sei die Hütte der Großmutter mit den Nahrungsmitteln abgeschlossen. 

Inzwischen ist der Bereich der Familie total verwahrlost, es steht nur noch die Hütte der Großmutter, die mit mehreren Planen abgedeckt ist. Daneben ist ein restliches Stück Mauer der Hütte der Kinder zu erkennen. Die alte Dachkonstruktion liegt herum. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass die Mutter der Kinder ein drittes etwa 4-jähriges Kind bei der Großmutter abgeladen hat. Ich frage die Großmutter, ob sie sich um zusätzliche Nahrungsmittel bemüht. Andere Frauen und Kinder sammeln Früchte und Nüsse im Busch oder bauen Mutete an, dies ist ein traditionelles Gemüse. Die Großmutter lebe mit den nun drei Kindern von 20 kg Maismehl im Monat.

Vor meiner Abreise Ende letzten Jahres bespreche ich mit Marcus, dass die beiden Schülerinnen mit Schuljahresbeginn im Januar die Woche über in einem nahe gelegenen Internat wohnen, wir übernehmen für die Kinder die Internatskosten und im Gegenzug bekommt die Großmutter kein Maismehl mehr. Ein Gespräch darüber mit der Mutter der Kinder muss stattfinden, Marcus wird es übernehmen. Im Endeffekt verweigert sich die Mutter, sie ist nach Otjiwarongo gezogen, wo sie einer Arbeit nachgeht und 1500 namibische Dollar verdient. Sie schickt kein Geld für die Kinder nach Hause, erfahren wir von der Großmutter.

Im neuen Schuljahr sind bereits drei Monate vergangen. Ich frage die verantwortliche Lehrerin der Kinder, warum sie nicht die Sozialarbeiterin einschaltet. Das sei schwierig und mit Ausfüllen von verschiedenen Formularen verbunden. Die Schule habe nun dafür gesorgt, dass Bernita, die bereits wieder zwei und eine halbe Woche der Schule fernblieb, die Woche über in der Familie des Onkels väterlicherseits wohnt. Ich bin unzufrieden mit der gesamten Situation der drei Kinder, ich weiß ich kann nichts ändern. 

Nachsatz: Ich besuche heute nochmals den Kraal der Großmutter und lasse mir unter anderem die Schulkleidung von Bela Fine zeigen, der Schülerin der zweiten Klasse. „Morgen ist Montag, da bin ich in der Schule und möchte ein sauber gekleidetes Mädchen sehen“, verabschiede ich mich von der Großmutter.

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