Die Handarbeitsgruppe hat in den letzten Monaten 29 Patchworkdecken aus Wollquadraten hergestellt, die von vielen fleißigen Frauen in Deutschland und einer Frau aus den Niederlanden gestrickt oder gehäkelt wurden und die ich nun alten Leuten übergeben möchte. Außerdem habe ich Kleidungsstücke und Spielzeug dabei. Mit all diesen Sachen möchte ich zur Kirche gehen. "Das ist eine gute Idee," meint Marcus, "Am Samstag wird der erste Pfarrer unserer Full Gospel Church beerdigt, der die Kirche geweiht hat. Da sind am Sonntag viele Leute in der Kirche. Mit 4 gefüllten großen Kartons erreichen wir die Kirche."
Hier sind noch die Aufräumarbeiten in vollem Gange, da Mitglieder des Chores "Living Water of Full Gospel Church of God in Namibia" in der Kirche übernachtet haben. Sie erteilten mit ihrer Musik dem verstorbenen 94-jährigen Pastor ihre letzte Ehre. Heute während des Gottesdienstes am Tag nach der Beerdigung erheben sich immer wieder einzelne Personen im Gedenken an den Verstorbenen, berichten Einzelheiten über gemeinsame Begegnungen mit ihm und stimmen jeweils ein Lied an, welches stimmgewaltig fortgesetzt wird. Als es dann schließlich zur Verteilung der mitgebrachten Gaben gehen soll, werde ich um eine kleine Ansprache gebeten. Und zum Höhepunkt soll ich, die nie ein Solo gesungen hat, in der vollen Kirche lauthals ein deutsches Lied singen, ohne Unterstützung der Gemeinde. Mir wird heiß und kalt. Zum Glück fällt mir rechtzeitig der mich sehr beeindruckende Film "Kinshasa Symphony" ein. Das Synfonieorchester aus dem Kongo probt in diesem Film Beethovens 9. Sinfonie. Ich fasse mir ein Herz und singe "Freude schöner Götterfunken". Bei den Worten "alle Menschen werden Brüder" versagt meine Stimme. Ich kämpfe gegen Tränen an. Zu vieles ist in der letzten Woche auf mich eingestürmt.

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