Es ist kurz nach Mitternacht. Das Froschkonzert am Okavango-Ufer nimmt an Lautstärke zu. Meine Gedanken beginnen zu kreiseln. Was ist geschafft, was ist unbedingt noch zu erledigen. Die letzte Woche meines Einsatzes ist angebrochen. Dass ich nicht all das erreichen werde, was ich mir vorgenommen oder auch anderen versprochen habe, musste ich bereits während meiner vergangenen Aufenthalte lernen.

Die Vorbereitung und Durchführung unseres Kinderfestes letzten Samstag übertrage ich an Markus. Er bekommt Angst und große Augen. Ich bespreche mit ihm was an Nahrung für etwa 120 Kinder benötigt wird, und ich übergebe ihm 1500 N$. Die Zeit während seines schlussendlich 6-stündigen Einkaufes in Rundu will ich für einen legalen Abstecher in Angola nutzen. Weshalb daraus nichts wurde, davon werde ich vielleicht später einmal berichten. 
Marcus erweist sich während des Kinder- und Sportfestes als guter Animateur. Während der vielen Spiele versteht er es, die Kinder vollauf zu begeistern. Gegen Ende bitte ich unsere zusätzlichen Helfer aus der Oberstufe die Brote zu schmieren, Äpfel, Bananen und Orangen zu halbieren.
Alle Kinder bekommen reichlich zu essen. Doch aus der anfänglich geforderten Reihe bildet sich ständig eine Traube, die mich immer weiter zum Tisch zurückdrängt. Bei den vielen schwarzen Händen verliere ich den Überblick. Hilfesuchend halte ich Ausschau nach Markus. Ich will nicht glauben, was ich jetzt sehe. Er sitzt genüsslich auf einem Baumstamm, in einer Hand eine 2-Liter-Flasche gefüllt mit verdünntem Fruchtsaft, in der anderen Brot und Obst. Erzürnt fordere ich ihn auf für Ruhe zu sorgen, damit alle Kinder ihr Essen bekommen können.
Zurück in der Lodge, bestelle ich für unsere Helfer Getränke und Toastbrote. Doch wer sitzt schon wieder am Tisch und isst, während wir anderen noch aufräumen bzw. duschen, mein Marcus. Ich brülle ihn an. "Kannst Du nicht einmal warten bis alle da sind? Du bekommst jederzeit genügend zu essen! Nimm Rücksicht auf die anderen!"

Der Kellner Isaak, der den Disput mitbekommt, schaltet sich ein: "Mein Vater hat mir beigebracht, man lässt keine hungrigen Kinder beim Essen zuschauen. Sie werden immer zuerst versorgt."

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