Der Gesundheitsminister aus Namibia kommt, Erinnerungen werden wach Zusammen mit Marcus fahre ich mit dem Auto nach Rundu. Auf der Schotterstraße wird heute mit einer schweren Maschine die Straße gewartet, die Schotterstraße oder auch "Gravel Road" wird aufgekratzt, aufgerüttelt und anschließend glattgewalzt.

Marcus lacht und erklärt seine plötzliche Heiterkeit "Für morgen ist hoher Besuch angekündigt, da muss schnell noch alles ausgebessert werden." Auf dem Weg in die Stadt stoppen wir als erstes am Maria Mwengere Gymnasium, auch hier wird gewerkelt. In der Aula der Schule wird alles geputzt, Männer und Frauen sind damit beschäftigt. An den beiden sich gegenüber liegenden Büros des Staates und des Stammes der Shambyus herrscht ebenfalls reges Treiben. Der Garten muss noch verschönert werden. Auf dem Trans Caprivi Highway, der Bundesstraße 8, werden Schlaglöcher ausgebessert. Anstelle einer mobilen Baustellenampel zur Regelung des Verkehrs stehen zu beiden Seiten der Kurzbaustellen Frauen, die den Verkehr mit Schildern Stop und Go regeln.

Diese heutige Aktion erinnert mich sehr an meine Zeit vor dem Mauerfall der DDR. Erich Honecker übernachtete während seines Besuches von Karl-Marx-Stadt öfters im Gästehaus am Ortseingang von Limbach-Oberfrohna. Er hatte seine eigene Autobahnabfahrt Kändler in der Nähe der Kleinstadt. Die Straße wurde vor seiner Ankunft immer frisch geteert bis zur Straßensenke, soweit er vom Gästehaus Einblick hatte.

Wir Menschen sind selbst Schuld an unserer Unzufriedenheit. Warum decken wir Schandflecken zu und tun so als sei alles in bester Ordnung. Wir dienern vor der Regierung, sie soll geblendet werden. Erst nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, zeigen wir unseren Unmut.

Helmut Lauschke berichtet in seinem Buch "Pendelblick" unter anderem über die Vorbereitung des Besuches der Queen in seiner Klinik im Norden Namibias, im Ovamboland. "Es wurde alles geputzt und gewienert, die Menschen waren stolz über ihr Ergebnis, inzwischen stinkt es wieder um den Klinikbereich herum nach Urin." In dem Buch beschäftigt sich der inzwischen pensionierte Arzt mit der Entwicklung von Namibia in der Zeitspanne 20 Jahre vor Erreichen der Unabhängigkeit und 20 Jahre danach. Die SWAPO unter Führung von San Nujoma kämpfte um die Unabhängigkeit seines Landes und gegen die Armut. Ersteres hat sein Volk 1990 erreicht. Die Armut wurde nicht damit bekämpft. Das Thema ist in Vergessenheit geraten.

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