Freitag morgen, 80 Minuten vor Sonnenaufgang, stockdunkle Nacht, kein Vogelgezwitscher, große Regenzeit - 

In einer Stunde werde ich auf dem Schulbus sitzen, das ist ein durch das Mayana Mpora Projekt selbst gebauter Anhänger, mit dem 40 Kinder zu unserer Vorschule gefahren werden. Seit nun fast einem Jahr rollt der Schulbus morgens und am frühen Nachmittag mit den Kindern durch die Flutebene. Seit zehn Jahren bestand dieser Traum, die Kinder mit dem Schulbus zur Vorschule bringen zu können, denn die kleinen vier- bis sechsjährigen Kinder wohnen zum Teil über 1 Stunde Fußweg entfernt von der Schule. Manches Mal, so berichteten uns die Lehrerinnen, mussten sie Kinder auf ihrem Heimweg unter ihren Arm klemmen, da sie müde waren und nicht mehr laufen konnten. Der „Schulbus“ ist eine tolle Errungenschaft, finanziell ermöglicht durch Spenden an das Vorschulprojekt.

Wir rollen durch die Flutebene, sie ist ausgetrocknet, keine einzige Wasserlache ist zu sehen. Und das jetzt während der großen Regenzeit! Seit ich vor einer Woche hier in der Kavango Region angekommen bin, hat es nur ein kurzes heftiges Gewitter gegeben. Die kleinen Felder rings um die Hütten der Familien sehen trostlos aus. Traditionell wird während der Kleinen Regenzeit im November / Dezember die Aussaat begonnen. Doch bei der großen Trockenheit wird es für die Menschen und Tiere wieder ein sehr hartes Jahr werden und sehr schwierig sein, mit eigens erwirtschafteter Nahrung zu überleben. Die Kavangos sind traditionell Flussbewohner und Substititionswirtschaftler, also Selbstversorger. Sie bauen sich ihre Nahrung selbst an, sammeln Früchte und Nüsse im Busch. Das Fleisch verstorbener Rinder und das der Fische aus dem Okavango Fluss wird für schwere Zeiten auf den Dächern aus Riedgras getrocknet. Doch wenn die Ernte ausbleibt, wie vermutet, wird es sehr schwierig für die Kavangos. Viele Familien verfügen über kein Einkommen, die Arbeitslosenrate ist sehr hoch. Altersrente oder Waisenrente sind nicht ausreichend für eine mehrköpfige Familie.

Die Regierung ist wie in so manchem trockenen Jahr verpflichtet, ihre Menschen in den Regionen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Doch die trockenen Jahre mit lebensnotwendigen Hilfsaktionen, die ich bislang in Namibia erlebte, haben mich gelehrt, dass diese durch die Regierung sehr schleppend voran gehen und im Großen wie im Kleinen durch Korruption geprägt sind. 

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