Es ist kurz nach Mitternacht. Ich kann nicht mehr schlafen. Dabei müsste ich doch Schlaf nachholen nach der faszinierenden "Blutmond-Nacht" mit der totalen Mondfinsternis. Ab 4 Uhr hatte ich den blutroten Mond beobachtet, wie er vollkommen im Erdschatten verschwand um zwei Stunden später succesive wieder aufzutauchen. Die Vögel ließen sich von dem Ereignis nicht irritieren, allerdings mein iPhone. Irgendwann in dieser spannenden Zeit sprang die Zeitanzeige meines Handys eine Stunde zurück. Ich kann mir die Ursache bis jetzt nicht erklären, da mein Handy auf Zeitautomatik eingestellt ist und somit die südafrikanische Zeit gilt.

Nun, eine Nacht später schwirren zu viele Gedanken in meinem Kopf herum. Geplant ist für den Wochenbeginn ein Großeinkauf in Rundu. Aber häufig kommt es anders als man denkt. Die Mayana Grundschule lehnt plötzlich die Aufnahme unserer Vorschulkinder ab, da noch keine Zeugnisse vorliegen. Diese werden seit Jahren am Schuljahresende ausgestellt. Dazu muss ich ergänzen, dass nur ein Viertel der Kinder eine Vorschule besuchen können und somit gar nichts vorzuweisen haben. Marcus, mit ihm wollte ich zum Einkauf fahren, muss sich deshalb sofort mit den Verantwortlichen unserer Vorschule zusammensetzen.

Die Schüler der 10. Klasse der Kayengona Combined School schreiben ab 1. Oktober ihre Abschlussprüfungen. Die Prüflinge sind zum dritten Jahr infolge aufgefordert, internatsmäßig in der Schule zu wohnen. Zwei Klassenzimmer für 54 Schüler stellt die Schule in diesem Jahr dafür bereit. Im Gegensatz zu ihrem zuhause ist in der Schule Wasser und Elektrizität vorhanden. Wer kann, bringt eine Matratze mit, die mit weiteren Mitbewohnern geteilt wird. Es ist für mich unvorstellbar, wie man auf so engem Raum wohnen und schlafen kann. Die Schüler beweisen, es geht. Ich versuche sie mit Hilfe unserer Sponsoren mit Nahrung zu unterstützen. Deshalb fahre ich mit dem Lehrer Daniel nach Rundu. In fünf verschiedenen Supermärkten erledigen wir den Großeinkauf. Wir hoffen, dass das Essen für eine Woche reicht. 150 kg Maismehl, 36kg Makkaroni, 30 kg Reis, Backmehl, Fisch, Zwiebeln, Gewürze, Tomatenketchup, Speiseöl, Brot, Marmelade und Sirup, Suppenpulver, Gemüse, Äpfel, Bananen und Orangen, Knabbergebäck und Süßigkeiten, Toilettenpapier, Spülmittel. Die Ladefläche des Toyota HiLux und die Rücksitze sind voll bepackt. Zwei Mütter, die sich als Köche bereit erklärt haben und Schüler der 9. Klasse helfen uns später beim Abladen in der Schule. Die Zehner sind noch nicht eingetroffen. Bis 17 Uhr sollen sie sich einschreiben, dürfen während der drei Prüfungswochen das Schulterritorium nicht verlassen und können sich voll der Schule widmen. Die Meinung, die hier noch vorherrscht, dass jemand, der ein Buch in der Hand hält, in den Augen der Erwachsenen nichts tut, quasi faul herumsitzt, ist für unsere Generation nicht mehr vorstellbar. Ich erinnere mich an meine Oma, sie verlangte von mir, dass tagsüber meine Hände etwas tun. Dass ich eine Leseratte war, hatte sie aber akzeptiert.

Inzwischen ist der nächste Tag angebrochen. Ich bin erneut in der Schule und verteile an alle zum Examen angetretenen Schüler das benötigte Schulmaterial. Frau Mukoya, Lehrerin und Verantwortliche in der Prüfungszeit, motiviert in ihrer Rede nochmals alle. Sie berichtet stolz, dass ein ehemaliger Absolvent des Jahres 2007 für die Schule einen neuen Kühlschrank spendiert hat und "... erinnert Euch später einmal an Ingrid, hat jemals Eure Familie für Euch eine Banane kaufen können...? 

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