Ich sitze im Airbus A380 mit 502 Passagieren an Bord. Die Nacht ist vorüber, aber noch immer liegen 90 Minuten bis Johannesburg vor mir. Gegen Mittag fliege ich weiter nach Windhoek. Die Zeit bis dahin wird schnell vergehen, da ich für den Anschlussflug mit Air Namibia neu einchecken muss. Bei meinen bisherigen Flügen mit South African Airways oder Air Namibia bekam ich alle Bordkarten beim Einchecken. Heute ist mehrfaches langes Anstehen im Sicherheitsbereich des Flughafens in Joh-Burg angesagt und das ohne das nötige Trinkwasser. Bis zum Boarding bleiben mir dann gerade noch 20 Minuten für einen heißen Kakao und eine Flasche Wasser. Was wird mich dieses Mal zum Hilfseinsatz erwarten? Trotz zweimaliger Einsätze pro Jahr seit 2009 scheint nichts zur Routine zu verkommen, Überraschungen sind sicher.

Am meisten beschäftigt mich nun die Frage, bekommen wir unsere Naimi wieder? Naimi, ein 6-jähriges Mädchen, wurde in diesem Jahr zuerst im Februar und ein zweites Mal im Mai durch ihren leiblichen Vater von der Schule weg nach Angola entführt. Der Vater, angolanischer Staatsbürger, ist inzwischen an AIDS verstorben. Er holte seine kleine Tochter aus Eigennutz nach Angola, damit sie ihm den Haushalt führt, wie z.B. Wasser holen und Essen kochen.
Naimi ist bis heute noch nicht wieder in ihrer Familie in Namibia angekommen. Sie lebt inzwischen bei der Schwester ihres Vaters im 540 km entfernten Menonge in Angola. Sie hat keinen Zugang zur Schule. Es besteht die Gefahr, dass das Kind in Angola zur Prostitution herangezogen wird. Naimis Mutter wollte Ende Juli, nachdem sie alle erforderlichen Nachweise zusammen hatte, ihre Tochter abholen und bekam durch unser Mayana Projekt von Marion Lorenz das Ged für die Reise nach Angola.
Die Mutter hatte allerdings nicht bedacht oder bestimmt auch nicht gewusst, dass sie sich als Namibier von der Grenze aus nur 45km im Inland von Angola bewegen darf. Unbedarft schließt die Mutter in Menonge ihre Naimi in die Arme, wird aber kurzerhand von der Polizei aufgehalten. Die Mutter muss eine hohe Strafe zahlen, die Valerie, die Wirtin der n'Kwazi Lodge, überweist. Ihr Kind darf die Mutter nicht mitnehmen. Sie bekommt von der Polizei ein Visum ausgestellt, dass sie Naimi zwei Monate später am 28.9.2015 "fussläufig" aus Menonge abholen darf.

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