Ein Wochenende ist vorüber mit so ereignisreichen Tagen, dass nach kaum einmal 2 Stunden Nachtschlaf meine Gedanken mit mir Karussell fahren. 

So gehe ich gedanklich zurück zum Freitag. Für die 40 Kinder unserer Vorschule gestalte ich eine kleine Geburtstagsfeier. Wir sprechen darüber, was ein Geburtstag ist. Das Wort ist den 5- bis 6-jährigen Kindern hier in der Kavangoregion völlig unbekannt. 

Mit lustigen Spielen und Geburtstagskuchen vergeht die Zeit bis zum Öffnen meines geheimnisvollen Kartons sehr schnell. Die Mädchen und Jungen sind gleichermaßen begeistert beim Anblick der vielen Autos, die ich von verschiedenen kleinen und großen Sponsoren zusammengepackt habe. Danke auch Dir, Lewis.

Ich kann mich nicht sehr lange in der Vorschule aufhalten, da das Wochenende vorbereitet werden muss. Mit meinen zwei Helfern Maggie und Marcus bespreche ich die notwendigen Einkäufe, die sie an diesem Tag noch allein erledigen sollen. So benötigen wir für das geplante Kinderfest mit etwa 150 Kindern am Samstag Vormittag Brote, Marmelade, Saft, Äpfel, Orangen und Süßigkeiten. Für die Gesprächsrunde am Nachmittag mit 18 gesponserten Schülern der Klassen 8-12 in der n'Kwazi Lodge planen wir Kuchen, Saft und Knabbergebäck ein. Am Sonntag sind dann nochmals 50 Kinder zur Lodge eingeladen, wo wir Armbänder knüpfen wollen und Briefe an die Sponsoren schreiben bzw. malen werden. Auch diese Kinder bringen Appetit mit.

Während meine Helfer die Einkäufe tätigen, besuche ich mit Touristen eine Großfamilie im Dorf. Die Familie besteht aus 32 Mitgliedern, wobei zwei Zwillingsschwestern das Oberhaupt darstellen. Die Urgroßeltern kümmern sich um Kindeskinder, deren Eltern entweder verstorben sind, einer weit entfernt gelegenen Arbeit nachgehen oder sich als Tagelöhner anbieten. Der Kraal dieser Sippe ist sehr gut geführt, pure Armut aber Sauberkeit. Jedes Familienmitglied hat seine Aufgabe. Zum Stampfen des Getreides zu Mehl in Holzmörsern benötigen die Frauen und Kinder etwa vier Stunden bei Hirse und sieben Stunden bei Mais. Das erzählen sie zumindest den Touristen. Die Menschen leben in gefühlten Zeiträumen. Die Kinder holen vom etwa 2 km entfernten Fluss das Wasser in 5- oder 10-Liter-Kanistern, Frauen tragen bis zu 30-Liter-Kanister auf ihrem Kopf. (Frauen und Kinder aus anderen Sippen laufen bis zu 5 Kilometer um Wasser zu holen und das mehrmals am Tag.) Ein außerhalb ihres Kraals befindlicher Backofen versetzt mich in Staunen: eine Blechtonne schräg im Sand vergraben, an deren Öffnung glimmt ein Holzfeuer, ein Ofenblech mit flachen Teigbällchen wird hineingeschoben. Dieses Gebäck versucht die Familie später zu verkaufen. 

Die Touristen führe ich weiter in einen Gemüsegarten, den 12 Familien gemeinsam bewirtschaften. Es ist nicht einfach bei der großen Hitze und Trockenheit das Gemüse heranzuziehen. Für den Humus im reinen Sandboden sammeln die Frauen getrockneten Kuhdung ein. Wasser holen sie aus einem nahegelegenen Wasserloch. Eine zweite Wasserquelle hinter dem Garten ist bereits versiegt. Als Brause zum Gießen ihrer Pflanzen nutzen die Frauen Blechdosen, deren Böden sie durchlöchert haben. 

Mit den Touristen komme ich anschließend noch in den Genuss einer entspannten Sonnenuntergangs-Bootsfahrt.

Zurück in meinen Bungalow erschlägt es mich fast. Der Großeinkauf von Marcus und Maggie befindet sich darin. Unter anderem strömen 40 Brote ihren Duft aus. Es ist ja nur für eine Nacht, denke ich mir.

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