Es ist 2 Uhr. Ein Hahn kräht, Grillen zirpen. In meinem Bungalow riecht es nach frischem Brot. Der Nachtschlaf ist vorbei. 40 Brote für unser heutiges Kinderfest sind in meinem Bungalow eingelagert neben Obst, Marmelade, Süßigkeiten, Keksen und Saftkonzentrat für 32 Liter Saft. Des weiteren haben wir am Vortag eingekauft - 6 Kuchen, 10 Liter Fruchtsaft, Knabbergebäck für unser Treffen am Nachmittag mit den älteren Schülern, die mir am Morgen schon beim Kinderfest helfen sollen. Mit den Großen werde ich später zu einem Motivationsgespräch für ihre Zukunft zusammensitzen. Wir besprechen Schulprobleme und Möglichkeiten zum Beruf. Es sind einige neue Schüler dabei, die die Grundschule mit der 7. Klasse beendet haben. Erfahrungsgemäß sind sie noch sehr schüchtern. Für die Schüler am Nachmittag habe ich vergangene Woche zusammen mit Marcus einige Schulkleidung besorgt, Wörter- und Lehrbücher, Taschenrechner und diverses Schulmaterial. Erstmals haben sich die Internatsschüler auch diverse Körperpflegemittel und Kaltwaschpulver gewünscht. Dies alles zusammen mit mehreren Paketen, die ich im Voraus nach Namibia geschickt hatte, lagert mehr oder minder sortiert in und vor meinem Bungalow. Ich fühle mich echt nicht mehr wohl in diesem Chaos! Wenn dieses Wochenende vorbei ist, hoffe ich so langsam wieder Durchblick zu bekommen. 


Für heute hoffe ich, dass Lukas Vikere meine kurzfristig per Email gesandte Einladung für das Gespräch heute Nachmittag erhalten hat. Er selbst wurde als Schüler durch die N'Kwazi Lodge unterstützt. Später hat Desiré, die Tochter der Wirtsleute, ihn täglich mit dem Auto nach Rundu zum Studium mitgenommen. Er stand immer mit leerem Magen am Straßenrand, deshalb hatte Desiré täglich Pausenbrot für ihn dabei. Inzwischen ist Lukas erfolgreicher Lehrer an der Nordgreen Schule in Rundu und wird bestimmt sehr motivierend für unsere älteren Schüler sein. 




 

Das erneute Krähen eines Hahnes erinnert mich daran, dass ich doch nochmals die Augen schließen sollte. Der Tag mit den vielen Kindern wird erfahrungsgemäß sehr anstrengend werden. 

 

Übrigens, vor zwei Tagen lag ein Hahn mit zusammengebundenen Beinen vor meinem Bungalow. Es war ein Geschenk von Elisabeth, Kellnerin in der N'Kwazi Lodge. Sie wollte sich bei mir für meine jahrelange Arbeit für ihr Dorf bedanken. "Der Hahn wird in der Küche gerupft und zubereitet und dann kannst Du ihn essen." Mir hatte es fast den Magen umgedreht, bis endlich folgende Lösung gefunden war. Der Hahn darf einige Hennen bei den Wirtsleuten beglücken und ich tausche ihn gegen gefrostete Hühnerkeulen ein. Ab sofort werde ich bei jedem Hahnenschrei an mein kostbares Geschenk erinnert. 

 

Jetzt ist es bereits 3:57 Uhr, mein Hahn kräht erneut, ich hoffe ich finde doch noch ein bis zwei Stunden Schlaf.

 

 


 

>> Zur Bilderstrecke

Weitere Blog-Einträge