In Vorbereitung meiner Aufenthalte in der Kavangoregion Ost beschäftige ich mich öfter mit Nachrichten aus Namibia. Mich bewegt eine Frage, warum mussten Ende Januar 2016 sieben Familienmitglieder einer Sippe, 2 Mütter und ihre 5 Kinder, nach dem Verzehr einer Maisbrei-Mahlzeit qualvoll sterben?  Es herrscht Hungersnot unter der armen Bevölkerung in der Kavangoregion Ost. Ihr Hauptnahrungsmittel ist Porridge, der traditionelle Maisbrei. Die eigene Ernte vom Mai vergangenen Jahres ist längst verzehrt, die Preise für Maismehl, welches zum großen Teil aus Südafrika importiert werden muss, sind enorm gestiegen.
Deshalb gibt es höchstens nur eine Mahlzeit am Tag, die während der Hungersnot nicht selten angedickt wird. Die im o. g. Fall zur Lebensmittelvergiftung führende Substanz soll laut Medien untersucht werden. Marcus vermutet jedoch, dass frei an die arme Bevölkerung abgegebenes, mit Pestiziden angereichertes Saatgut zum Kochen verwendet wurde.

Ich fahre mit Marcus an einem für die Region ungewöhnlich großem Maisfeld vorbei, welches sogar mit Hilfe einer Berieselungsanlage bewässert wird. Ich frage Marcus, wem dieses Feld gehört. Ich kann es nicht glauben, was ich da erfahre. Das Feld gehöre einem Verband von Kleinbauern aus Südafrika. Sie haben sich für die Bewirtschaftung großer Felder in Namibia zusammengeschlossen, pachten diese, bauen Mais an, den sie dann nach Namibia exportieren. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Ein weiteres trauriges Ereignis beschäftigt mich. Zwei kleine sechsjährige Schülerinnen haben auf dem Heimweg von der Schule Schutz vor dem Gewitter unter einem Baum gesucht. Die Beerdigung der Kleinen fand letzten Freitag statt, als ich mit Hilfe meiner Tochter und meinem Enkel mit den Schülern der dritten Klasse Armbänder knüpfte.
Ein Pfarrer, der Ende Januar während der Ausübung seines Jobs eine unserer Vorschullehrerinnen und ihren Bräutigam zur bevorstehenden Hochzeit einsegnen wollte, wurde vom Blitz erschlagen. Sein Kollege kam mit Verletzungen davon. Die Heirat wird wohl nicht stattfinden, meint Marcus. Der Aberglaube sei stärker als die Liebe. 

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