Die Tage während meiner Anwesenheit hier in der Kavangoregion vergehen wie im Flug. Was habe ich eigentlich erreicht? Während einer schlaflosen Nacht lasse ich die vergangene Woche Revue passieren. Sie ist erstens geprägt durch die tägliche Fahrt zur Vorschule morgens früh 6 Uhr. Später bin ich fast täglich mit Touristen unterwegs zur Vorschule, wofür die Touristen umgerechnet etwa 3€ bezahlen. Dieses Geld geht zusammen mit Spenden von unseren Sponsoren in einen Topf um den gesamten Betrieb der privaten Vorschule zu finanzieren. Auf die 20 N$, die die Familien für ihre Kinder monatlich zahlen sollen, warten wir meist vergebens. Die Kinder können nichts für die Armut ihrer Sippe, sie sind immer willkommen in der Schule, bekommen Frühstück, Mittagessen und dazwischen frisches Obst.

Mehrmals in dieser Woche bin ich mit Marcus zu Großeinkäufen hauptsächlich für die Vorschule unterwegs und verliere sehr viel Zeit und Schweiß an den Kassen. Wir kaufen Kleidung für die neuen Kinder, die sie nur in der Schule tragen, nachdem sie sich geduscht und Zähne geputzt haben. Diese Schulkleidung wird jeden Freitag in der Lodge gewaschen. Für den Schulstart im Januar benötigen wir weiterhin Zahnputzzeug, pro Kind acht Arbeitsbücher, Blei- und Wachsbuntstifte.

Zum Abschluss des Vorschuljahres erhalten unsere Schulanfänger einen kleinen Rucksack gefüllt mit der Schulkleidung, Schuhen, Schulmaterial, Zahnputzzeug, Trinkbecher und Trinkflasche. All diese Einkäufe vergangener Woche befinden sich derzeit vor bzw. in meinem Bungalow.

Für das Kinderfest auf dem Fußballplatz am Samstag sind Großeinkäufe nötig. So bringen wir 40 Weißbrote, Marmelade, Äpfel, Apfelsinen, Kekse, Knabbergebäck, Bonbons und Saftkonzentrat für 30 Liter Saft zusammen mit 90 Litern Wasser und diversen Spielutensilien zum Fussballplatz. Bei angesagten 39 °C im Schatten, wo es aber keinen Schatten gibt, führen wir erfolgreich am frühen Morgen das Kinderfest durch. Erstmals nimmt ein Albino daran teil, ungeschützt der Sonne ausgesetzt. Ich kann gar nicht auf seine dünnen roten Arme und Beine sehen, so weh tut es mir. Ich setze ihm wenigstens meinen Sonnenhut auf. Vielleicht finde ich irgendwann einen neuen Schlapphut.

Am Nachmittag versammle ich meine Helfer vom Kinderfest, unsere Gymnasiasten, um mich herum in der N’Kwazi Lodge, um wie jedes Jahr über ihre Zukunft und die Arbeit des Mayana Mpora Projektes zu sprechen.

Am darauffolgenden Tag treffe ich mich mit ehemaligen gesponserten Schülern. Eric, Mitte 20, ist inzwischen ein erfolgreicher Bankkaufmann. Er hat sich sein Studium finanziell selbst hart erarbeitet und motiviert im Gespräch unsere angehenden Studenten. Es ist für mich ebenso wie für ihn befremdlich, dass heute die jungen Männer während ihrer Freizeit lieber spielen als sich um einen Nebenverdienst während ihres Studiums zu kümmern. Ich bekomme wiederholt die Bestätigung, dass in der Kavangoregion nur die Mädchen zur Arbeit herangezogen werden, wie kann sich eine Kultur verändern? Es muss von innen heraus kommen aus eigener Kraft, von Vorbildern und nicht von „the white people“.

Die ersten Vögel zwitschern, Zeit meine Gedanken auf den neuen Tag zu richten. Der Schulbus steht bereit. 


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