Erst vor drei Monaten bin ich von Namibia zurückgekehrt und sitze bereits wieder im Zug nach Frankfurt zum Flughafen. Die Zeit zwischen den zwei Aufenthalten war zu knapp für Familie, Festtage und Kultur. Den Sport habe ich gänzlich vernachlässigt, obwohl gerade dieser in meinem vorgerückten Alter besonders wichtig für mich ist. Nicht alles lässt sich erledigen, so stehen unter anderem noch einige Emails mit Benachrichtigungen an diverse Sponsoren aus.

"Aber warum fährst Du so kurz nach Deinem letzten Einsatz schon wieder zur Hilfe", werde ich nicht nur von meiner Familie gefragt. Das neue Schuljahr in Namibia hat am 11. Januar begonnen. Seitdem bin ich auf elektronischem Wege in ständigem Kontakt mit Valerie, der Wirtin der Lodge und gleichzeitig verantwortlich für das Mayana Mpora Projekt (MMP), mit Marcus, dem Gemeindevertreter und mit mehreren Schülern und angehenden Studenten. Einige Enttäuschungen sind zu verkraften und der Schaden ist möglichst zu begrenzen.

Da ist zum einen der Fortbestand unserer großartigen Vorschule. Zwei Tage vor Schulstart teilt uns unsere bestausgebildete Lehrerin mit, dass sie die Vorschule verlasse, sie bekomme an einer staatlichen Schule 5000 N$, was wir ihr vom MMP nicht bieten können. Sieben lange Jahre haben wir ihre Ausbildung finanziert! "Wir können nur noch zwanzig Kinder aufnehmen und müssen sehen, ob wir neue fähige Frauen in unserem Dorf finden", schreibt mir Valerie. Inzwischen haben sich die Wogen ein wenig geglättet, 35 Kinder besuchen nun die Vorschule. Jetzt im ersten Trimester können sich einige Frauen empfehlen, ob sie sich für eine Ausbildung zur Lehrerin in der Unterstufe eignen.

Das nächsten Problem ist unsere Beyonce. Sie hat die erste Klasse als beste Schülerin in allen Fächern mit der Bestnote abgeschlossen, in Englisch zum Beispiel 94% erreicht. In Mayana hat das Mädchen keine Verwandten mehr, wo sie wohnen kann. Sie muss faktisch nach Rundu in die Hauptstadt der Kavangoregion gehen. Marcus ist deshalb am 16. Januar in Rundu von Schule zu Schule gelaufen, um Beyonce unterzubringen. Keine Chance, die Klassenzimmer sind überfüllt, 80 Zweitklässler in einem Raum zum Teil auf dem Flur vor dem Klassenzimmer sitzend. Was soll man mit so einem intelligenten Kind machen, ein Jahr auf der Straße herumlaufen lassen? Wir haben gerechnet und uns entschieden - Beyonce besucht nun die christliche Privatschule für 13800 N$. Nach dem aktuellen Kurs sind das 1000 Euro. Anstelle in ihrer Muttersprache wird das Mädchen nun in Afrikaans und in Englischer Sprache unterrichtet, eine kleine Aufnahmeprüfung diesbezüglich hat sie mit Bravour bestanden.

Ein Fall gelöst, aber die Probleme mit den uns anvertrauten Kindern gehen weiter.

Weitere Blog-Einträge