Nachdem ich ein paar Tage neben meiner Hauptunterkunft in der Mayana-Lodge auch in n'Kwazi eine 'Nebenwohnung' hatte, ziehe ich heute Abend im Finsteren mit Stirnlampe nach Mayana um. Freunde aus Rundu benötigen eine Unterkunft mit Wasser und Strom. Nun sitze ich hier in Mayana auf meinem Bett bei Kerzenschein. Die Batterie meines Laptops ist inzwischen um 1/3 geschrumpft. Lästige Zweiflügler schwirren um mein Gesicht und meinen Computer. Das ist aber zweitrangig. Ich hoffe inständig, dass mir das Wasser hier erhalten bleibt und nicht, wie beim ersten Aufenthalt im Jahr 2009 geschehen bei Durchfall in der Nacht kein Wasser läuft.

Die 33 Schüler der 10. Klassen von Namibia sitzen zur Zeit über den Prüfungsvorbereitungen und den Abschlussprüfungen. Für ihre Prüfungen mussten sie bis April diesen Jahres N$ 342 (ca. 34 €) zusätzlich zum Schulgeld bezahlen. Die Direktorin der Kayengona Schule hat in diesem Jahr ihren Absolventen angeboten, während der Prüfungszeit, wie auch bereits während des Hochwassers praktiziert, in der Schule zu wohnen und das auch an den Wochenenden. Viele Schüler haben einen weiten Schulweg. Sie haben kein Licht in ihrem Kraal, um abends noch in ein Buch schauen zu können. In der Schule schaffen sich die Schüler ein Provisorium, was für unsere Kinder in Deutschland undenkbar wäre: Acht Matratzen, vier Moskitonetze und ein paar Decken haben die Mädchen von zu Hause mitgebracht. Je zwei Schülerinnen schlafen zusammen auf einer Matratze. Im Schlafraum für die Jungen sieht es nicht anders aus. Sanitäre Versorgung - Fehlanzeige oder doch? Auf dem Schulhof gibt es vereinzelt Wasserhähne. Das Terrain für diverse Nöte außerhalb des Schulgeländes ist weitläufig.

Für die erste Woche hat Valerie, die Wirtin der n'Kwazi Lodge, Nahrungsmittel an die Schule geliefert. Mit Marcus und der Wirtin fahre ich heute, am 4. Tag nach dem verheerenden Stromausfall in der halben Kavangoregion nach Rundu. Ich will für die Prüflinge Nahrungsmittel einkaufen. Als erstes hebe ich N$ 2000 am Bankautomaten ab. Wegen verschiedener Umstände stecke ich vorerst mein Geld zusammen mit der Kreditkarte in eine meiner vier Hosentaschen. In vier Märkten arbeiten wir nun unsere Einkaufszettelzettel ab. In Spar gibt es außer Äpfeln kein Obst mehr. Alle Kühltruhen und viele weitere Regale sind leergeräumt. Mir rinnt der Schweiß in der riesigen Halle mit "Spar"-Beleuchtung und vielen Menschen. Zum Glück gibt es wenigstens für die Kassen ein Notstromaggregat. "Der Shop 'OK Food' hat eine Obstlieferung bekommen," weiß Valerie. Das Maismehl hier ist aber überteuert, stelle ich fest. Wir sind mit unseren Einkäufen nahezu fertig, als ich feststelle, dass meine Kreditkarte verschwunden ist. Mir ist elend zumute.

Valerie ruft im Spar an der Kasse 4 an, hier ist nichts. Wir suchen alle Läden auf, am Ende Spar. Die Verkäuferin: "Sie haben nicht mit ihrer Karte bezahlt" ... "ich weiß, aber meine Karte steckte leider zwischen den großen Scheinen, die ich bei Ihnen benötigte. Vielleicht ist sie auf den Fußboden gefallen." Vor den Füßen der Verkäuferin leuchtet meine gelbe Karte. Die Verkäuferin freut sich über einen zusätzlichen Schein, und alle Kunden schauen uns verdutzt bei unserer Umarmung zu. Ich bin froh, dass ich meine begonnene SMS an meine Tochter zum Sperren meiner Karte nicht absenden muss.

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