Samstag Vormittag. Endlich sind meine bestellten Wörterbücher im Buch- und Schreibwarenladen bei Edumeds eingetroffen. 20 Wörterbücher für die 4. Klasse der Kayengonaschule sind eine großartige Spende von den Schülern der Heiner-Müller-Grundschule Eppendorf. Sie spendeten erneut ihren Erlös von 173 € aus ihrem Spielzeugbasar für die Kinder in Namibia. Wörterbücher für die Oberstufe konnte ich für alle 30 Schüler der 7. Klasse aus einer Privatspende finanzieren. Die Direktorin der Kayangona Schule bittet mich allen Sponsoren sehr herzlich zu danken.

Der angekündigte Streik bei AIR Namibia ist glücklicher Weise abgesagt, sodass ich noch Gelegenheit habe, am Montag kurz vor meinem Inlandsflug nach Windhoek die Wörterbücher übergeben zu können.
Ein weiterer Schock nach der Streikankündigung am Mittwoch erreicht mich einen Tag später. Der Präsident Pohamba hat kurzfristig für Donnerstag einen nationalen Gebetstag einberufen gegen die beängstigend ansteigende Gewalt gegen Frauen  und Mädchen und deren Tötung. Schulen und öffentliche Einrichtungen sollen geschlossen bleiben und allen Menschen die Möglichkeit zum gemeinsamen Gebet auf offener Straße gegeben werden. "Vieles ist an diesem Tag durcheinander geraten", meint Valerie, auch ihre Tochter als Lehrerin hat erst am Morgen desselben Tages von der Schulschließung erfahren, "das ist unser Afrika".
Bei mir kommen alle Pläne an diesem Tag durcheinander, keine Schulbesuche - bleibt mir nur noch der Freitag von 7 - 10 Uhr für zwei Schulen, Einkäufe sind erst kurz vor Ladenschluss möglich, Edumeds schließt 17 Uhr. Der Supermarkt Spar hat zwei Stunden länger geöffnet. Neben meinen Einkäufen für den Kindergeburtstag am nächsten Tag in der Vorschule möchte ich am Bankautomaten 1500 NAD abheben. Ich bekomme nur 50 NAD. Achselzucken der Managerin, der Automat ist leer, ist die Auskunft. Glücklicherweise funktioniert heute der Drucker für einen Beleg. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Am nächsten Tag bekomme ich von meiner Bank per Email meine Befürchtung bestätigt, der volle Betrag sei abgebucht.
Mein Arbeitstag am Freitag ist mehr als vollgestopft, Besuche von zwei Schulen, Ausgabe von Schreibmaterial in 6 Klassen, Kindergeburtstag in der Vorschule, Einkäufe in Rundu bei teils gesperrten Straßen, da der Präsident in der Stadt weilt. Gleichzeitig ist dieser Tag Zahltag diverser Renten. Mein geplanter Einkauf von 70 Schuljacken für die Winterzeit dauert deshalb bedeutend länger als gewohnt. Die Menschen haben heute Geld, sie erledigen ihre Großeinkäufe. Eine Woche später ist deren Geld alle.
Ich spreche mit Maria, Küchenkraft der Lodge, "Du musst lernen zu sparen und jeden Monat einen kleinen Betrag beiseite legen. Du kannst nicht einen Tag vor Schluß zu mir kommen und jammern, dass dein Sohn nicht zur Abiturprüfung zugelassen werden kann, da du noch nicht alles Geld zusammen hast. Wieviel hast du?" "Nichts", kommt als Antwort. Valerie, Wirtin der Lodge, wird Maria das Geld geben, welches Maria in Raten zurückgeben wird.

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