Ich laufe mit Marcus zur Grundschule. Die Landschaft hat sich total verändert. Es ist überall grün. Die Menschen arbeiten in der prallen Sonne auf den Feldern mit ihrer jahrhundertealten traditionellen Hacke als dominierendem Arbeitsgerät. Ein Baby liegt auf dem Feld im einzigen Schatten weit und breit. Seine 3- bis 4-jährige Schwester passt auf das Baby auf.
Ich kann es kaum glauben. Nebenan in der Schule arbeiten Schüler im Schulgarten. Lange Zeit lag er brach. Jetzt wächst dort Mais. Noch vor drei Monaten fehlten alle Zaunsfelder um die Schule herum, die Mauer am Eingang war eingefallen. Sie ist erneuert. Ich spreche den Direktor daraufhin an. "Ja, ich konnte nicht schlafen. Wir haben die Eltern mobilisiert, uns zu helfen," strahlt der Direktor. Es geht doch, denke ich mir. Der Direktor berichtet weiter, dass für die Klassen 1 bis 7 kein Schulgeld mehr bezahlt werden muss und die Regierung das Schulmaterial für die unteren Klassen stellt. Es ist jedoch noch nicht alles Material vorhanden. Die Lehrer versichern mir, dass in einer Woche wenn die Sekretärin zurück ist, alles Material zur Verfügung steht. Wir werden sehen.
Das größere Problem ist im Moment die Mittagsversorgung. Die Kinder laufen morgens ohne Frühstück zur Schule und sind schnell müde und hungrig. Deshalb stellt die Regierung seit Jahren Maismehl für die Schulen zur Verfügung. Jeweils drei Mütter kochen den Maisbrei für die Kinder. Viele dieser Kinder naschen nur mit dem Finger von ihrem Brei und nehmen ihn mit nach Hause, um ihn mit der Familie zu teilen. Aber, vor meinem Schulbesuch spreche ich mit verschiedenen Grundschülern. Seit Schulstart Mitte Januar haben sie keinen Mielipap zu essen bekommen. Der Direktor bestätigt mir, ja unsere Kinder sind hungrig. All unsere Schulen im Regierungsbezirk der Kavangoregion haben kein Maismehl erhalten. Es fehlt an einem Stück Papier, um die Ration für ein Schul-Jahresdrittel zu bestellen! Der Verantwortliche vom Bildungsministerium der Kavangoregion hat es versäumt, das entsprechende Formular an die Schulen auszuteilen. Den Schulen wurde versprochen, rechtzeitig den Antrag auf Maismehl für das zweite Schuljahresdrittel zu erhalten. Hoffentlich kümmert sich dann der verantwortliche Lehrer der jeweiligen Schule um die Abgabe dieses Formulars.
Mir stehen Tränen in den Augen, meine 28 Äpfel halbiere ich. Ich kann sie nur in einer ersten Klasse verteilen. Ich hätte jetzt gern mehrere Kisten Bananen, aber sie waren überreif. Ich hatte sie Sonntag zu den Familien mitgenommen.
Zwei Stunden nach meinem Schulbesuch liefere ich an der Mayana Grundschule 150 kg Maismehl, 25 kg Zucker und 6 Liter Öl ab. Das soll bis Ende März reichen, versichert mir der Direktor.

Wie Medien im Moment berichten, sieht es im reichsten Land Südafrikas mit der Schulversorgung noch schlechter aus. Es fehlt überall an Schulmaterial, Schüler der Klassen 12 müssen sich ihren Stuhl in der Schule kaufen. Frustrierend.

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