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Der Himmel auf Erden

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Die Schüler der Klassen 10 und 12 schreiben zur Zeit ihre Abschlussprüfungen. Wie bereits im letzten Jahr hat die Direktorin der Kayengona-Schule den Schülern die Möglichkeit gegeben, während der gesamten Prüfungszeit in der Schule zu wohnen, auch am Wochenende.
Die Schüler finden in der Schule ihren Himmel auf Erden. Für unsere Schüler wäre das undenkbar. Sechs Wochen lang schlafen 38 Jugendliche auf engstem Raum in zwei unfreundlichen Klassenräumen. Wer eine Matratze auftreiben konnte, hat sie zur Schule mitgebracht. Dicht gedrängt teilen sich die Schüler die wenigen Matratzen. Die Mädchen kochen den Maisbrei, die Jungen kümmern sich um das offene Feuer. Jeder wäscht seine Wäsche selbst. Die Prüflinge haben das Privileg in der Schule über Strom und Wasser zu verfügen. Sie können hier ungestört lernen. Viele dieser Schüler legen sonst täglich einen weiten Schulweg von mehreren Kilometern zurück, das weiteste sind 8 km durch dorniges Buschland. Diese Strecke laufen sie täglich hin und zurück. Von der Schule zurückgekehrt müssen alle Kinder zu Hause arbeiten, wie Wasser holen und Wäsche am Fluss waschen, Essbares im Busch sammeln, Körner zu Mehl stampfen und kochen. Lernen könnten sie erst, wenn die Sonne untergegangen ist. Doch dann ist es stockdunkel. An einem normalen Schultag startet der Unterricht morgens 7 Uhr, ab 13 Uhr ist eine Stunde Pause und danach müssen die Kinder in der Schule ihre Hausaufgaben erledigen. Die Schule darf bei Strafe nicht vor 16 Uhr verlassen werden. 
50 kg Maismehl, 10 kg Fleisch, 10 kg Frischfisch, 21 Köpfe Weißkraut, 4 Liter Öl, 14 kg Orangen, 4 kg Äpfel, 6 kg Bananen, Saft, Smarties, Bonbons und Kaugummi habe ich heute in Rundu für knapp 200€ eingekauft und es gemeinsam mit Valerie, der Wirtin der n'Kwazi Lodge, zur Schule gebracht. Es war ein richtiges Fest für die Prüflinge. Dies gibt ihnen noch mehr Anstoss zum gemeinsamen Lernen. 
"Es ist eine Freude, solche offenen fröhlichen Jugendlichen zu sehen," bricht  Valerie auf unserer Rückfahrt unser anfängliches nachdenkliches Schweigen.

Ach übrigens, in Namibia gibt es zentrale Prüfungsaufgaben, die für alle Schulen in Windhoek in einer Turnhalle von 1000 Lehrern bewertet werden. So die Aussage von Frau Mateia, die jährlich einen Monat lang in Windhoek der Prüfungskommission angehört.

 

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