Samstag Morgen, ich entschuldige mich bei Valerie, der Wirtin der Lodge, für ein zerbrochenes Saftglas in meinem Bungalow. Der Sturm letzte Nacht hat mein Glas auf dem Schreibtisch umgeworfen und zerbrochen. In den Fenstern der Bungalows ist kein Glas sondern Maschendraht.

Das ist das Stichwort für Marcus, meinem Begleiter in Mayana. "Ich hatte heute Nacht Besuch," berichtet Markus aufgeregt. "Ich bemerke gegen 4 Uhr im Schlaf, dass sich etwas an meinem linken Arm entlangschlängelt. Ich schlage erschrocken um mich und werfe dabei ein Tablett um und zerbreche auch ein Glas. Eine Speikobra trifft zum Glück nur den Wangenknochen und nicht mein Auge." Die Speikobra sei nicht so gefährlich, es sei nur ein großes Problem, wenn sie ihrem Gegner in die Augen spritzt. Das Auge schwillt ganz schnell an. "Das beste Hausmittel ist Urin, den hat man überall zur Stelle. Man muss schnell das Auge damit auswaschen. Milch geht auch," sagt Valerie. Valerie verrät gleich noch ein weiteres Hausmittel der Buren. Wenn du Durchfall hast, rührst du dir einen Esslöffel Stärkemehl an und trinkst das. Später wiederholst Du dies noch ein paar mal mit einem Teelöffel Stärkemehl in etwas Wasser angerührt.

Einige Zeit später sitze ich mit Markus im offenen Restaurant mit Blick auf den Okavangofluss am Computer. Wir erfassen alle 140 Haushalte der Gemeinde Mayana. Es ist eine langwierige Aufgabe mit Aufteilung der einzelnen Familienmitglieder nach Altersgruppen, Schülern, Waisen, Behinderten. Nebenbei gesagt, Marcus wird für seine Arbeit in der Gemeinde nicht bezahlt. Er erhält nur die finanzielle Unterstützung durch die Mayana Mpora Stiftung. Plötzlich lacht Marcus, "Ingrid sieh am anderen Ufer in Angola laufen die Frauen und Kinder zu einer alten Wasserlache. Sie überqueren jeden Samstag den Fluss an verschiedenen Stellen und laufen zu dem letzten Wasser- und Schlammloch um Fische zu fangen. Wollen wir mit dem Kanu rüberfahren?" Ich bin sofort dabei und zweifle dann doch: "Ich bin eine Weiße und darf eigentlich nicht. Der Grenzposten kann mich sehen." "Mit mir darfst du es," lacht Marcus wieder.  

Wir tragen das Kanu zum Fluss und setzen über zum Ufer in Angola. Anfangs laufen wir durch hohes Schilfgras. Eisvögel, Schwarzstörche, Warane schrecken auf. Schweine laufen davon. Weiter geht es über harte verkrustete Erde bis wir auf den Tümpel und von dort die Massen von Frauen und Kindern sehen können. Sie stehen sich immer in zwei Reihen gegenüber. Mit aufgefächerten Moskitonetzen laufen sie auf sich zu und holen systematisch auch die kleinsten Fische heraus. Das ist auch der Grund weshalb das Fischen mit Moskitonetzen in Namibia bei Strafe verboten ist. Not, Hunger macht erfinderisch. "Da gehen wir eben auf die angolanische Seite, hier kann uns niemand etwas anhaben."

Am nächsten Tag bringen ein paar Nachbarskinder Frischfisch zu Marcus Kraal. "Du hast uns doch mit Ingrid gesehen", sagen sie zu ihm. "Dann bringt mir bitte den Fisch heute Abend fertig zubereitet."

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