Mit Valerie, der Wirtin der Lodge, fahren Marcus und ich zur Kayengona- und zur Maria-Mwengere-Schule. Ich zahle, wie letztes Jahr versprochen, von der Spende der Grundschule Eppendorf für alle 39 Schüler der 5. Klasse ein reichliches Drittel ihres Schulgeldes. Die Eltern bezahlen deshalb in diesem Jahr anstelle von 120 N$ nur 72 N$. Dies wurde den Familien am Schuljahresende mitgeteilt.

Von der Direktorin erfahre ich nebenbei, dass Sophia, die von einem ihrer Lehrer geschwängert wurde, in die 8. Klasse zurückgekehrt ist. Das ist nichts Ungewöhnliches, dass die Lehrer ihre Schüler schwängern. Auf der Bildungskonferenz in Namibia im Juni 2011 fordert der Bildungsminister auf, endlich dagegen anzukämpfen. Nachzulesen in der Allgemeinen Zeitung von Namibia unter www.az.com.na Wir werden Sophia weiter unterstützen, denn Sophia will viel lernen, um ihrer Familie aus der Armut zu helfen, wie sie in einem ihrer ersten Briefe schrieb.

Auf dem Vorplatz der Kayengonaschule vermisse ich heute die großen Töpfe, in denen der Maisbrei für die Schüler gekocht wird. "Bekommen die Schüler mittags keinen Mielipap mehr", frage ich Marcus. "Es ist zu Schuljahresbeginn immer ein langer Prozess, bis die Regierung ihre Maismehl-Lieferung startet." "Und die Meldung an das Schulministerium über die Anzahl der eingeschriebenen Schüler darf erst zu Beginn des Jahres abgesendet werden", setze ich fort.

Als nächstes fahren wir ins Büro der Sozialarbeiterin. Wir sprechen über die Familie der blinden Stefania. Im Oktober letzten Jahres haben wir mit viel Mühe Stefania (9 Jahre alt) den Weg zum Schulbesuch geebnet. Als erstes bekommt Stefania vom Arzt Physiotherapie verordnet, da sie sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. Ihre Muskulatur ist durch das jahrelange Herumsitzen verkümmert. Als ich ihr die verordneten orthopädischen Schuhe anziehe, strahlt Stefania: "Komme ich jetzt in die Schule?" Ja, wir haben erreicht, dass das blinde Kind ab Januar in Rundu eine Spezialklasse für seh- und hörgeschädigte Kinder besuchen und im angeschlossenen Internat wohnen wird. Um den kostenfreien Behindertentransport kümmert sich Marcus. Das Blindengeld geht ab Schuljahresbeginn an die Behindertenschule.

Doch zu Schuljahresbeginn sagt die Mutter, sie erlaube nicht, dass Stefania zur Schule gehen darf. Ein behindertes Kind hat keinen Wert. Es wird nie arbeiten können. Das einzig Wertvolle was Stefania besitzt, ist das Blindengeld!

Nächste Woche werden wir mit der Sozialarbeiterin zu ihrer Familie fahren. Wenn Stefania die Schule nicht besuchen darf, wird angedroht das Behindertengeld zu streichen.

In Rundu kaufe ich mit Marcus weitere Schulkleidungen ein. Für unsere Party mit Schülern am Samstag packen wir unsere Einkaufswagen voll. Letztendlich besorge ich für Maria ihre benötigten Schulbücher. Sie möchte in der NamCol (Abendschule) ihren Abschluss der 12. Klasse verbessern. Ab 5. März wird sie dreimal in der Woche abends auf der Schulbank sitzen. Ebenso hat sich Gerolda, Angestellte in der n'Kwazi-Lodge, für einen besseren Schulabschluss entschieden.

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