Die Wirtsleute holen mich bei meiner Ankunft vom Flughafen in Rundu ab und fahren als erstes mit mir zur Polizeistation der Kavangoregion. Valerie, die Wirtin der Lodge, ist sehr aufgeregt und telefoniert die gesamte Zeit in Afrikaans, der Sprache der Buren. Ich verstehe nur ein paar Brocken. Mir ist diese Polizeistation durch den Diebstahl meiner Arbeitstasche im Oktober letzten Jahres in keiner guten Erinnerung geblieben.

Doch was ist heute passiert? Zwei große rote Trucks mit aufgeregt bzw. genervt wirkenden Touristen stehen da. Nach dem Aufenthalt in der n'Kwazi Lodge wollten die zwei Reisegruppen zum Etosha Nationalpark weiterfahren. Am Morgen entdeckt Chris, der Reiseleiter des einen Trucks, dass seine 22000 N$ aus seinem Wagen gestohlen sind. Es ist normal, dass die Reiseleiter so viel Bargeld bei sich haben. Die Touristen bemerken erbost, dass von ihnen ebenso diverse Dinge wie Lederjacken, Zigaretten und anderes fehlen. Dies kann nicht alles von einer Person weggetragen worden sein. Da der zweite Truck ungeschoren ist, drängt dessen Reiseleiter auf eine schnelle Abfahrt. Natürlich fällt der Verdacht auf die einheimische Bevölkerung und die Mitarbeiter der Lodge.

Die Polizei ist ausnahmsweise sehr schnell vor Ort. Die Sicherheitsmänner der Lodge haben in der Nähe der Trucks, die direkt nebeneinander standen, nur die Fahrer und Reiseleiter beobachtet, berichten sie. Als Chris, der Reiseleiter der bestohlenen Gruppe, aussagt, dass dies nicht sein erster Fall mit diesem Reiseleiter der anderen Gruppe sei, folgt ein kurzes Telefonat. Der bereits abgereiste Truck wird an der Veterinärgrenze gestoppt und untersucht. Der Verdacht bestätigt sich. Die Polizei lotst den Wagen zurück zur Polizeistation. Alles Bargeld, alle gestohlenen Dinge tauchen wieder auf.

Die Wirtsleute der Lodge sind froh, dass sie den schweren Verdacht los sind. Jedoch ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Valerie begrüßt mich erst jetzt so richtig, "Schau Dir diesen Menschen an, ein weißer attraktiv wirkender Südafrikaner, bestiehlt seinen eigenen Kameraden, fügt seiner Reiseagentur und den Touristen großen Schaden zu und will den Aufenthalt im schwarzen Afrika wiederholt für seinen Diebstahl ausnutzen. Wäre der Gauner über der Veterinärgrenze hinaus gewesen, bliebe der Diebstahl bei unseren 'schwarzen Leuten aus dem Busch' hängen."

Für die Touristen beider Trucks ist das Erlebnis Etosha Nationalpark zum Flop geworden. Eine besondere Tour stand ihnen bevor. Einfahrt in den Etosha Park im Osten, in Namutoni, Entdeckungsfahrt durch den Park mit Wildtierbeobachtung und anschließender Übernachtung im Südwesten des Parkes in Okaukuejo. Hier besteht die Möglichkeit, im Dunkeln am Wasserloch zu sitzen und die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Dies ist einfach überwältigend. So aber saßen die armen Touristen die Nacht über vermutlich irgendwo in ihrem nun verhassten Truck.

 

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