In der n'Kwazi Lodge habe ich abends häufig sehr netten Kontakt mit den Touristen und Wanderführern unterschiedlichster Länder. Franzosen, Schweizer, Australier, Deutsche, Niederländer, Kanadier, Österreicher fragen immer wieder, wie lange bist du hier, warum bist du hier, was tust du hier, kannst du etwas über deine Arbeit, das Projekt erzählen? Gern tu ich das. Ein weißer gebürtiger namibischer Wanderführer nimmt mich eines Morgens zur Seite, sei vorsichtig. Ich war 14 Jahre Entwicklungshelfer, es bringt alles nichts. Wenn Wasser in die Dörfer gebracht wird und die Leute dafür bezahlen müssen, schicken die Männer ihre Frauen und Kinder weiterhin zum Fluss Wasser holen. Waisenkinder? Die schieben sich die Kinder nach Bedarf zu. Bildung? Die Mädchen werden frühzeitig von ihren Lehrern geschwängert und sehen nie wieder eine Schule.

Ich spreche mit Marcus über die heiklen Themen. "Die Sorgeberechtigten müssen ihre Waisen registrieren lassen, sonst bekommen sie keine Unterstützung vom Staat", erwidert er. Es ist ein langer Weg für diese Familien. Die Oberhäupter einer Familie können zum großen Teil nicht lesen und schreiben und beherrschen ebenso nicht die englische Sprache. Sie resignieren, deshalb will ich meinen Menschen helfen. Die Kinder müssen ihre Chance bekommen.
Waisenkinder werden hin- und hergeschoben? Es gibt regelmäßige Veränderungen in den Kraals. Stirbt die Mutter, Tochter oder Schwester, nehmen die Verwandten die Kinder in ihrem Kraal auf. Der Häuptling oder Ortsvorsteher muss die Veränderung schriftlich bestätigen bevor überhaupt ein Antrag gestellt werden kann.

Frühe Schwangerschaften, Verhütung? Die Mädchen haben keine Chance. Ihr Schulabschluss ist vom Lehrer abhängig. Die Mädchen werden häufig von ihrem Lehrer geschwängert und müssen dann von der Schule gehen. Dem Lehrer passiert nichts. Er muss auch nicht für seine Kinder aufkommen. Und außerdem sind es nicht nur die Lehrer. Polizei und höhere Beamte tun es ebenso.
Ein Gespräch mit Wynand Peypers verstärkt das Ganze noch mehr. Die Männer suchen sich ihre Mädchen aus. Zum Teil gibt es sogar Absprachen mit der Familie. Werden die Mädchen dann nicht schwanger, werden sie verachtet.
Evelyn, Schülerin der 9. Klasse in  der Kayengona-Schule hat einen dreijährigen Sohn. Anfangs war ich schockiert darüber. Ich wagte bis heute nicht, sie nach ihrem Alter zu fragen. Ich werde es nachholen. Nur die Äußerung von Marcus, dass Evelyn nach der Geburt ihres Sohnes unbedingt ihren Schulabschluss erreichen will, ließ mich entscheiden, ich werde Evelyn unterstützen. Wir müssen es hoch anerkennen, wenn die Mädchen nach einer Schwangerschaft die Rückkehr zur Schule schaffen.

Übrigens an einem Schultag läuft Evelyn 6 Uhr zur Schule und kommt zwischen 15 und 16 Uhr zurück. Dann muss sie zum 3 bis 4 km entfernten Fluss, zur Körperreinigung, Wäsche waschen und Wasser tragen. Gegen 19 Uhr ist es finster, sie kann in kein Schulbuch mehr sehen. Sie besitzt nur eine Kerze und Streichhölzer in ihrem Raum. Außerdem teilt sie ihr Bett mit ihrem Sohn. 2 Geschwister schlafen auf dem Fußboden neben ihrem Bett 

 

Weitere Blog-Einträge