Für letzten Samstag waren all unsere gesponserten Kinder zum Fußballfeld eingeladen. Wohl wissend, dass viel mehr Kinder an unserem Kinderfest teilnehmen werden, kaufe ich einen Tag vorher 40 Brote, 3 kg Marmelade, 17 kg Bananen, 11 kg Äpfel, Kekse, Knabbergebäck, Bonbons und Saft. Die beliebten saftigen Orangen gibt es zur Zeit leider nicht im Handel. Jede Fahrt nach Rundu nutze ich gleichzeitig dazu Geld abzuheben. An den beiden Bankautomaten der First National Bank stehen (in der Sonne) viele Menschen an. Ein schüchterner Schüler vor mir, höchstens 10 Jahre alt, soll für seine Mutter Geld abheben. Die Mutter kann nicht lesen, geschweige denn einen Geldautomaten bedienen. Der Junge hält einen kleinen Zettel mit 4 großen Zahlen darauf in seiner Hand. Ich mache ihn aufmerksam, die PIN niemandem zu zeigen. Ein Sicherheitsbeamter hilft dem Jungen. Nun bin ich an der Reihe. Der Automat spuckt kein Geld mehr aus. Marcus lacht, die Lehrer haben heute zwei Monatsgehälter bekommen. Später entdecke ich erstmalig einen Bankautomaten im OK-Food-Supermarkt, wo ich allerdings nicht den Tageshöchstsatz bekomme. Zum Glück habe ich immer zwei Karten mit.
Samstag, Valeries Auto ist vollgeladen, Marcus muss auf der Heckklappe sitze, damit wir unterwegs nichts verlieren. Die Kinder sind schon erwartungsvoll unter einem Baum versammelt. 5 Helfer aus der Maria-Mwengere-Schule der Klassen 8 bis 12 gehen mir schnell zur Hand. Für die Spiele bilden wir zwei mal fünf Gruppen. Die Kinder sind eifrig dabei und feuern sich lautstark an. Die Siegergruppe jedes Spieles bekommt Kekse. Die Äpfel anschließend sollen sich die Kinder erarbeiten - auf Knien, mit den Händen auf dem Rücken fischen sie mit dem Mund ihren Apfel aus einer Schüssel Wasser. Manch ein Kind wir dabei pudelnass. Es berührt mich, als Sebastian seinem Bruder Johannes das Gesicht trocken wischt. Als es zum eigentlichen Picknick kommt, wird das Gedränge groß. Meine Helfer bekommen die Situation dann schnell in den Griff.


Es ist eine Freude, die Kinder beim Essen zu beobachten. Sie sind richtig zufrieden. Einige Kinder bringen Bananenhälften zurück zum Abfall. Ich kann das nicht verstehen. Mit ihren kurzen Fingern haben sie solange in der halben Banane gebohrt bis nichts mehr erreichbar war. Ich schäle die Bananen und gebe sie den Kleinen zurück. Doch die Kinder wollen sie nicht haben. Ich beginne dem ersten Jungen die Banane in den Mund zu stecken, doch er schleckt nur vorsichtig daran wie an einem Eis am Stiel. Nach mehreren Versuchen meinerseits bitte ich eine größere Schülerin den Kindern zu erklären, dass man die Banane abbeißen und kauen kann. Zaghaft beginnt das erste Kind zu kauen. Ich stecke ihm die Banane solange in den Mund, bis sie restlos verspeist ist. Ich erinnere mich, meine Freundin Marion berichtete vor einiger Zeit, dass ein neuer Farmer bei Rehoboth mit der Übernahme der Farm die dazugehörige Schule schließen ließ. Es habe keinen Zweck, die Kinder zu unterstützen, sie seien zu dumm eine Banane zu essen. Dabei sind unsere europäischen Vorstellungen von Afrika immer verbunden mit Affen und Bananen.
Nach unserem Kinderfest am Nachmittag sitze ich mit unseren gesponserten Schülern der höheren Klassen zusammen. Wir sprechen über ihre Zukunft und derzeitigen Probleme. Die elfte Klasse ihres Gymnasiums hat keinen Englischlehrer, berichten mir die Schüler.
Während meines Inlandfluges am 13.2.2014 las ich in der Zeitung "Namibian", dass insgesamt 70 Schüler der 8. und 10. Klasse seit Schuljahresbeginn im Januar keine Lehrer haben. Der Direktor der Schule versäumte die notwendigen Lehrer zu beantragen. Tagtäglich lungerten die Schüler im Schulgelände herum. Als ein paar Schüler gelangweilt mit einem Feuerlöscher hantierten, wurden alle 70 Schüler nach Hause geschickt, mit der Aufforderung, Montag mit ihren Eltern zurückzukommen. Die Lehrer dieser Höheren Khomasschule selbst sind uneins mit ihrem Direktor. Nachzulesen unter http://allafrica.com/stories/201402130876.html

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