Ich sitze im Flugzeug von Rundu nach Windhoek mit Zwischenlandung in Katima Mulimo. Meine Gedanken schweifen zurück zum gestrigen Tag. Gegen zwei Uhr ist meine Nacht zu Ende. Ich habe keine Stirnlampe zum Lesen mit und schalte deshalb zur Ablenkung meinen Laptop ein. Relativ früh, zu unchristlicher Zeit, steht Marcus plötzlich vor meinem Maschendrahtfenster und ruft, "gogo gogo", soll heißen "hallo, ich bin da". "Ich will mein Tagebuch für das Internet beenden und dann Duschen", schicke ich ihn vorerst weg.

Marcus hatte die vergangenen drei Tage an einem Meeting über die sinnvolle und besser durchdachte Nutzung des ländlichen Territoriums teilgenommen. "Dies hätte gleich zu Beginn unserer Unabhängigkeit 1990 stattfinden müssen und nicht erst 22 Jahre später. Die Vergabe des Landes (jeder suchte sich sein Fleckchen aus und holte sich die mündliche Einwilligung des Dorfältesten) und deren Nutzung hat sich zum Selbstläufer entwickelt und lässt sich nur schwer ordnen. Im Mai ist ein Workshop mit jungen Farmern angekündigt, um gezielt in der Nähe ihres Krals Gemüsegärten zu betreiben. Doch dazu wird Wasser in deren Nähe benötigt. Das Mayana Community Water Project (MCWP) haben wir Ende 2011 gestartet. Es sieht vor, Wasser zu den Einwohnern des Dorfes Mayana zu bringen. Bisher laufen die Menschen noch zum Fluss, seifen sich von Kopf bis Fuss ein, waschen ihre Wäsche, spülen ihren Hausrat und tränken ihre Rinder und Ziegen. "Unser Wasserprojekt ist ein Anfang in die richtige Richtung, unser Dorf soll als Beispiel dienen. Vielleicht bekommen wir doch noch Unterstützung von der Regierung. Es wird noch viel Geld für Rohre und Wassertanks benötigt", berichtet Marcus.

Heute, an meinem letzten 'Arbeitstag' sitze ich noch einmal mit Marcus zusammen. Wir besprechen die Vergabe von warmen Jacken für 80 gesponserte Schüler, den Kauf von Taschenrechnern, Schultaschen, Lehrbüchern und Wörterbüchern. Markus sitzt wie auf Kohlen, er will noch ein paar Briefe an Sponsoren einsammeln. "Erst setzen wir noch gemeinsam den Bericht über die Monate März und April auf. Ich will und kann das nicht immer allein schreiben. Das ist eigentlich deine Aufgabe", mahne ich Marcus. Die Rundschreiben versende ich in Abständen an Touristen und Freunde der n'Kwazi Lodge. Am späten Nachmittag fährt uns Valerie noch zu vier Familien, für die ich Nahrungsmittel und Kleidung besorgt habe. Die Krals der Familien sind sehr unterschiedlich. Die einen Höfe sind aufgeräumt und sogar gefegt. Eine andere Familie lebt voll im Müll. Die Hütte ist notdürftig mit allerlei Undefinierbarem gegen Regen abgedeckt. Die Eltern trinken. Die vier Kinder tun mir leid. Zufällig hat ein Mädchen dieser Familie ein Übungsbuch der 6. Klasse in der Hand, saubere Schrift und gute bis sehr gute Benotungen. Der Besuch der letzten Familie baut mich wieder auf. Alles wirkt sauber, die vier Frauen und vielen Kinder sind fröhlich.
"Wenn Du mich rauswirfst, könnte ich mir vorstellen, hier zu übernachten", sage ich zu Valerie, der Wirtin der Lodge.. 

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