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Es ist Sonntag Morgen. Ich freue mich immer sehr, gelegentlich aus der Heimat Post zu erhalten. Das ist so einfach im tiefen Afrika im Kavangogebiet, auf dem Bett liegend die Emails zu lesen und neue Emails zu versenden. Meine Zeit am Computer ist jedoch begrenzt. Wenn ich morgens munter werde oder des Nachts keinen Schlaf finde, schalte ich den Laptop an und "arbeite" ein bisschen. Meistens ist das gegen 5Uhr, an diesem Sonntag leider schon 2 Uhr. Die Batterie reicht nicht bis zum Morgengrauen, der Stick für das Internet zieht zu viel Strom. 

Mit Iris aus München habe ich an den Vortagen Kleidung aus zweiter Hand aussortiert. Touristen lassen Kleidungsstücke in der Lodge zurück, andere schicken getragene Kleidung zur Lodge. Die Kleidungsstücke sind meist sehr gut erhalten und werden von den Menschen hier oft als Festkleidung in der Kirche getragen. Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, immer ein paar Kleidungsstücke dabei zu haben, wenn wir hilfsbedürftige Familien besuchen. Doch was machen wir mit den vielen Übergrößen oder der fleckigen Kleidung, die wir in der Wäscherei nicht sauber bekommen? "Wir gehen damit zur Kirche, dann können sich die Leute heraussuchen, was sie haben möchten," schlage ich vor. 

Kurz darauf bereue ich den Vorschlag. Iris und ich besuchen an besagtem Sonntag eine der 6 Kirchen in Mayana und möchten die Übergrößen und fleckige Kleidung ausgeben. Wer hat uns angekündigt? Eine Kindergruppe mit fröhlichem Gesang steht vor der Kirche Spalier. 

Wir nehmen am Gottesdienst teil und werden gebeten über unsere Tätigkeit zu berichten. Der Applaus beschämt mich. Die Kirchgemeinde singt und tanzt (ich auch!) und begleitet uns vor der Predigt zum Auto. Beklommen übergebe ich den aussortierten Kleidersack. Zum Glück kann ich noch drei schöne Stofftaschen an junge Mütter übergeben, die wir zuvor mit je einer handgearbeiteten Babydecke und etwas Babykleidung gefüllt hatten.

Nach dem Kirchenbesuch bittet uns Marcus nach Rundu zu fahren, da er vor 8 Tagen Vater geworden ist, seine Frau mit Kaiserschnitt am Vortag entlassen wurde und er nichts zu Essen zu Hause habe. Marcus rechnete wohl damit, dass wir einen Teil seiner Einkäufe bezahlen. Doch falsch gedacht, Marcus. Ich sage zu Iris, dass ich nichts benötige und vor der Kaufhalle warte. Iris: "Da gehe ich auch nicht hinein." 

Es ist inzwischen früher Nachmittag. Wir wollen noch einige Familien mit Waisenkindern besuchen, die durch Paten unterstützt werden. Es sind über 40°C im Schatten gemeldet. Doch wo ist Schatten? Der Schweiß rinnt am Rücken und an den Beinen herunter. Die Haare sind tropfnass. Es ist also kein Tag, wo man Besuche abstattet. Jedoch Samstag Nachmittag und sonntags besteht die größte Chance mehrere Familienmitglieder zu Hause anzutreffen. Heute haben wir nicht viel Glück. Die einen kommen müde aus ihren Hütten gekrochen, die anderen halten sich am kühlenden Fluss auf.

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