Nach unserem Kinderfest am Samstag erhole ich mich kurz im Swimmingpool bevor ich die Gesprächsrunde mit acht von uns gesponserten Schülern der höheren Klassen starte.
Der Schülerin Kathrina Innocentia war es unmöglich unserer Einladung zur n'Kwazi Lodge zu folgen. Sie besucht jetzt die 11. Klasse im etwa 100 Kilometer entfernten Divundu. Wegen ihres besonders guten Examensabschlusses der 10. Klasse und der Armut ihrer Familie, ist die Schülerin an die im Januar neu eröffnete "Vision School" in Divundu delegiert worden. Für Kathrina fallen keine Schul- und Internatskosten an.

Bei Saft und einigen Leckereien berichten die Schüler in englischer Sprache mir und Marcus, dem Vertreter der Gemeinde Mayana, über ihre Lernergebnisse und Sorgen. Die Schüler weisen durchweg gute Ergebnisse auf und sind gewillt, hart zu arbeiten. Die 10. Klassen der Kayengonaschule haben seit Schuljahresbeginn keinen Geschichtslehrer. Kathrina und ihre Klassenkameraden müssen sich trotz allem der Prüfung im Fach Geschichte stellen. Sie besitzen keine Lehrbücher. Deshalb bitten mich die Schüler in unserer Runde um Vertiefungsbücher für ihre Hauptfächer. Rebecca und Magdalena besuchen ein Gymnasium in Rundu. Diese Schule war während der Kolonialzeit die einzige Schule in der Kavangoregionn. 1147 Schüler sind derzeit dort eingeschrieben, jede Klasse ist mit bis zu 45 Schülern belegt. Für das Fach Informatik gibt es nur 4 Computer für die Klasse. An einem Computer arbeiten deshalb 10 bis 11 Schüler zusammen.
Rebecca möchte gern wie Magdalena im Internat wohnen. Angemeldet ist sie, hat aber als 11.-Klässler keine Chance. Marcus will sich für sie einsetzen. Sie läuft täglich über drei Kilometer zur Schule. Wenn sie abends in der Hitze nach Hause kommt, hat sie keine Chance zu lernen. Sie hat in ihrem Kral mitzuarbeiten und auch Wasser zu holen. Ihre Familie muss ihre gesamte Nahrung selbst erzeugen bzw. im Busch Nüsse und Früchte sammeln. In der Schule gibt es nichts zu essen, zu Hause soweit vorhanden eine Abendmahlzeit.
Immanuel ist Vollwaise, seine Verwandten verlangen von ihm, die Schule abzubrechen und Rinder zu hüten. Durch meine Freunde und Bekannten konnte ich ihm letztes Jahr die Unterbringung im Internat ermöglichen. An den zentral für alle Internate festgelegten Wochenenden hat er sich nicht getraut, nach "Hause" zur Familie zu fahren, in der Angst daran gehindert zu werden zurück zur Schule zu kommen.

Die Schüler berichten zwei Tage später begeistert in der Schule, wie entspannt wir zum gemeinsamen Gespräch bei leckeren Speisen und Knabbereien zusammengesessen haben und welch schöne Kleidungsstücke sie sich am Ende auswählen konnten, erfahre ich auf meinem nächsten Besuch in der Schule.

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